Arabienfonds

Investieren in der Golf-Region (II)   Facebook be



24.01.2010
 
Ist das Investieren im arabischen Raum jetzt attraktiv?

Die arabischen Länder waren ein heißes Thema im Jahr 2008, aber 2009 gab es nur schlechte News. Viele Anleger wurden daher skeptisch bezüglich der Aussichten dieser Region, doch Zin Bekkali, der CEO des Emerging Markets Spezialisten Silk Invest, sieht 2010 gute Chancen für Anleger. Börse-Express befragte ihn daher ausführlich zu dieser Region.

(Fortsetzung von Teil I)
BE: Nur wenige Investoren haben sich mit dem arabischen Markt befasst. Warum ist dieser Markt nun plötzlich spannend?

Zin Bekkali: Die arabische Region besteht aus 25 Ländern und umfasst 400 Mio. Leute. Jedes dieser Länder hat seine eigene Wachstums-Story, aber was für die ganze Region gemeinsam gilt, ist, dass sie gut in einer Welt positioniert ist, wo Asien und Afrika zunehmend wichtiger und vernetzter werden. Die arabische Welt hat immer eine Schlüsselrolle bei der Verbindung verschiedener Kontinente gespielt und belebt gerade ihre alte Seidenstraßen-Rolle neu. Die Katalysatoren des Wachstums, dessen wir in den letzten zehn Jahren Zeuge geworden sind, können im wesentlichen auf ein Konvergenzthema für Nordafrika und ein wirtschaftliches Diversifikationsthema für den Mittleren Osten zurückgeführt werden. Nordafrikas Wachstumsaussichten können am besten mit Osteuropa oder Südeuropa vor 20 Jahren vergleichen werden. Länder wie Marokko oder Ägypten haben massiv in ihre Infrastruktur investiert, aber es verbleibt noch ein großer Spielraum für Wachstum. Das aktuelle Prokopfeinkommen von Osteuropa ist in etwa viermal so hoch wie das von Nordafrika. Unsere Voraussage lautet, dass sich Nordafrika zumindest auf dieses Niveau in den kommenden 10 bis 20 Jahren hinbewegen wird, und das wird vor allem durch eine Industrialisierung dieser Länder und durch Tourismus erfolgen. Der Investmenthintergrund für den Mittleren Osten ist anders, da diese Region bereits einen hohen Lebensstandard erreicht hat, aber dennoch sehr attraktiv bleibt. Vor allem der Mittlere Osten hat einen starken Wettbewerbsvorteil in Sektoren wie Petrochemie, Services und Logistik. Zudem war diese Region in der Lage, wichtige regionale Umschlagplätze mit Zielrichtung Afrika und Asien zu errichten. Diese Strategie hat geholfen, selbst unter schwierigen Marktbedingungen weiterzuwachsen. Auch wenn viele Investoren meinen, Dubai sei in einer schweren Krise, hat die Anzahl der Passagiere, die Dubai Airports benützen, 2009 um 10% zugenommen.

BE: Die Kapitalmärkte dieser Länder sind relativ jung. Gibt es überhaupt genügend Unternehmen zum Investieren?

Zin Bekkali: Mehr noch als die allgemeinen Makrodaten zeigt der Unternehmenssektor die wirklich große Bewegung in dieser Region. Es gibt dort über 350 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über jeweils 500 Mio. USD und darunter befinden sich viele interessante Namen. Beispiele für erfolgreiche Unternehmen sind etwa SABIC, eine der weltweit effizientesten petrochemischen Unternehmungen, oder DP World, eine der größten Logistikfirmen. SABIC profitiert aus einer Kombination von billigem Zugang zu Energie, neuen hocheffizienten Industrieanlagen und einer strategischen Lage nahe bei Asien. DP World hat sein Häfen so errichtet, dass sich die Vorteile der strategischen Lage verstärken, und dabei die großen finanziellen Reserven dieser Region genützt. In Nordafrika sind Unternehmen wie Orascom Construction oder die Attijari Wafa Bank erwähnenswert, die beide zu führenden Playern in diversen arabischen und afrikanischen Ländern wurden.

BE: Diese Region wird aber mit höheren politischen Risken in Verbindung gebracht. Wie sind diese einzuschätzen?

Zin Bekkali: Die verschiedenen arabischen Länder haben ein ähnliches politisches Risiko wie China oder Russland. Die Risiken sind somit nicht zu leugnen, aber jeder von uns hat erlebt, dass die Risiken in den entwickelten Ländern manchmal so hoch wie in den Entwicklungsländern sein können. Wesentlich ist, dass diese Region aus 25 unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen politischen Risiken und Führern besteht. Wenn man in Russland oder China investiert, dann investiert man in EIN politisches System, während Anleger in der arabischen Region ihre Risiken durch das Investieren in verschiedene Länder streuen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass diese Region in der Lage war, sehr große Gewinne in diversen schwierigen Zyklen inklusive Kriegen und politischen Führungswechseln zu erzielen. Diese Region kam sehr gut mit diesen Risiken zurecht und verdient dafür Respekt.

BE: Sie haben 2009 einen arabischen Aktienfonds aufgelegt. Wie wird das Portfolio gemanagt und wie sieht die Positionierung für 2010 aus?

Zin Bekkali: Silk Invest glaubt an einen lokal-basierten Investmentansatz, da die verschiedenen arabischen Märkte sehr unterschiedlich sind. Die entscheidungsbefugten Investment-Manager sind Araber, sprechen die lokalen Sprachen und arbeiten an Samstagen und Sonntagen. Damit wird ein optimaler lokaler Bezug hergestellt. Zweitens hat der Silk Arab Falcons-Fonds zwei Brennpunkte: Der eine sind die Consumer-Sektoren wie Telekoms, Bau, Finanzen und Nahrungsmittel. Der andere liegt auf Unternehmen mit einem starken Wettbewerbsvorteil auf globaler Ebene. Darunter sind Unternehmen aus der Logistik- und Petrochemiebranche. Wesentlich an unserem Fonds ist auch die Liquidität (der Investments und somit des Fonds), da der Fonds in über 80 Aktien investiert, wodurch er sich unter den am meisten diversifizierten Fonds in dieser Anlagekategorie befindet.

BE: Noch eine letzte Frage: Würden Sie eher in asiatische oder in arabische Aktien investieren?

Anleger sollten in beides investieren, aber sie sollten sich vergegenwärtigen, dass arabische Aktien großes Potential aufweisen, dabei aber erst auf dem halben Bewertungsniveau der asiatischen Aktien liegen. Daher würde ich in die arabische Region investieren, wenn ich mich für eine einzige entscheiden müsste.

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Zin Bekkali ist CEO von SILK INVEST in London. Silk Invest ist eine Fonds-Boutique, die sich auf Afrika und den Mittleren Osten spezialisiert hat. Ihre Fonds nach Luxemburger Recht, Silk Africa Lions und Silk Arab Falcons, sind auch in Österreich und Deutschland zugelassen. Das Fondsvolumen umfasst insgesamt 60 Mio. Euro.
(cr)


 
 

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