Die Rally an den Aktienmärktender Welt wird nach Ansicht des Ökonomen Nouriel Roubini voraussichtlich im zweiten Halbjahr enden. Die größten Volkswirtschaften erholten sich nur verhalten, da deflationäre Tendenzen die Unternehmensergebnisse dämpften. Roubini lehrt an der Universität New York Volkswirtschaft und gehört zu denExperten, die die globale Finanzkrise korrekt vorhergesagt hatten.
Mit Blick auf die lockere Geldpolitik in den USA und der Welt insgesamt warnt Roubini vor dem Entstehen von Preisblasen in den Emerging Markts, die zu einer erheblichen Preiskorrektur bei Vermögenswerten führen könnten. Dies werde das Wachstum der Weltwirtschaft und der regionalen Wirtschaftsräume schädigen, erklärte Roubini in einer Rede inHongkong. Das Börsenbarometer MSCI World Index hat seit dem Tief vomvergangenen März um 73 Prozent zugelegt. Mit der Erholung der Weltwirtschaft ist die Kapitalisierung der Weltbörsen wieder um mehr als 27 Bill. Dollar (19 Bill. Euro) gestiegen. Die Weltbank hob am Mittwoch ihre Wachstumsprognose für die Weltwirtschaft an. Sie warnte allerdings, dass die wirtschaftliche Erholung anDynamik verlieren könnte, weil die Konjunkturprogramme auslaufen und die “hohe” Arbeitslosigkeit bestehen bleibe.
“Die Realwirtschaft erholt sich allmählich, aber die Preise für Vermögenswerte gehen schon seit März durch die Decke”, sagte Roubini. “Wenn ich richtig liege, dann wird das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte in den USA, in Europa und Japan nachlassen. Das könnte der Beginn einer Marktkorrektur sein, da die Konjunkturnachrichten negativ überraschen werden.”
“Selbst die Unternehmensgewinne werden enttäuschen”, so Roubini, denn die schwache Konjunkturerholung und deflationäreTendenzen werden das Umsatzwachstum begrenzen. Während die Unternehmen ihre Kosten weiter stutzten, dürften die amerikanischen und europäischen Finanzdienstleister künftig wieder größere Verluste ausweisen als es die Märkte eingepreist hätten. Roubini begründet seine Prognose mit dem zu erwartenden niedrigen Wachstum, der hohen Arbeitslosenquote und den noch immer sinkenden Häuserpreisen.
Die US-Notenbank hat signalisiert, dass sie den Leitzins für einen verlängerten Zeitraum nahe null lassen wird. Dies schürt nach Ansicht Roubinis das Risiko geldpolitischer Fehler, zumal in den USA Wahlen anstünden. “Der Ausstiegspfad ist schmal und das Risiko eines Fehlers erheblich”, sagte der Volkswirt im Hinblick auf Haushalts- und Geldpolitik.
Zu Europa und Japan zeigt sich Roubini ebenso besorgt wie zu den USA. Im Vergleich gebe es hier weniger Spielraum für eine anti-zyklische Politik. Dies senke die Wahrscheinlichkeit, dass die beiden Wirtschaftsräume die globale Konjunkturerholung vorantreiben könnten. Infolge der stetigen Haushaltsdefizite stiegen in Europa die Kreditrisiken. Die Aufwertung von Euro und Yen zum Dollar “verschlimmert” die Lage, so Roubini.
Das Wirtschaftswachstum in Asien und anderen Emerging Markets hält Roubini für “robust”, obwohl Teile der Volkswirtschaften Chinas und Indiens Zeichen einer Überhitzung zeigten. China hat vergangene Woche überraschend den Mindestreservesatz angehoben. Peking will so verhindern, dass der Kreditboom die Inflation anheizt und Anlageblasen entstehen. Roubini begrüßt die Straffung der “superlockeren” Geldpolitik Chinas. Die damit verbundenen “kurzfristigen Schmerzen” seien im Interesse eines nachhaltigen Wachstums notwendig. Rückgänge bei den Rohstoffpreisen werden sich nach Ansicht von Roubini in Grenzen halten, da die Nachfrage aus den Schwellenländern stützend wirke.
(Bloomberg)








