Der Hang Seng-Index verliert mit steigender Intensität: 1,81 Prozuent waren es am Mittwoch, bereits 1,99 am Donnerstag. verliert am Mittwoch 2,9 Prozent, womit in dem noch jungen Jahr ein Tief erreicht wurde. Es herrscht Sorge um die künftige chinesische Geldpolitik. Denn das Marktgerücht halt sich hartnäckig, dass China dieses Jahr die Zügel ordentlich straffen muss, um zu verhindern, dass sich Blasen bei Vermögenswerten wie Aktien oder Immobilien bilden oder sogar weiter aufpumpen.
Bereits Mitte Jänner unternahm die Notenbank in Peking erste Schritte in diese Richtung: Sie erhöhte bereits zum zweiten Mal in Folge die Zinssätze für chinesische Staatspapiere. Mit Wirkung zum 18. Januar hob die Notenbank den Zins für die Mindestreserve, also die Zwangseinlagen der Banken bei der Notenbank, um 0,5 Prozentpunkte an.
Am Montag wies darüber hinaus die staatliche chinesische Bankenaufsicht (CBRC) die Geldinstitute an, die Kreditvergabe zu reglementieren. Allerdings scheint Peking nichts überstürzen zu wollen. Für 2010 wurde das Ziel ausgegeben, Kredite im Wert von knapp 800 Milliarden Euro zu vergeben, vergangenes Jahr waren es 970 Milliarden Euro.
970 Milliarden, die Wirkung zeigten: Chinas Wirtschaftswachstum ist im vierten Quartal 2009 auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert. Der Anstieg belief sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 10,7 Prozent, wie das Staatliche Statistikamt in Peking am Donnerstag mitteilte. Der Druck auf die Regierung, die rasche Ausweitung der Kreditvergabe zu drosseln, dürfte damit weiter wachsen.
Der Leiter des Statistikamts, Ma Jiantang, sagte vor Journalisten, die Preisanstiege bei Vermögenswerten, allen voran bei Immobilien, stellten die Regierung bei der Steuerung der Wirtschaft vor Probleme. Das Wachstumstempo fiel stärker aus als erwartet. Von Bloomberg befragte Beobachter hatten im Mittel mit einem Anstieg um 10,5 Prozent gerechnet.
“Die heute publizierten Daten legen nahe, dass eine straffere Geldpolitik bevorsteht. Die Entscheidungsträger werden rasch handeln müssen, damit die Wirtschaft nicht überhitzt”, sagte Brian Jackson, Stratege für Schwellenländer bei Royal Bank of Canada in Hongkong. Jackson prognostiziert ein Ende der festen Dollaranbindung des Yuan und steigende Zinsen noch in diesem Quartal.
Die Verbraucherpreise sind im Dezember im Vorjahresvergleich um 1,9 Prozent geklettert. Es war der zweite Anstieg in Folge, und er war höher als erwartet. Die Erzeugerpreise stiegen um 1,7 Prozent, nach einem Rückgang in den letzten zwölf Monaten. Die Daten wurden ebenfalls am Donnerstag vom Statistikamt veröffentlicht.
“Der Inflationstrend ist zu besorgniserregend für die Regierung. Wir werden weiter sehen, dass sie Maßnahmen für eine straffere Geldpolitik ergreift”, sagte Isaac Meng, Volkswirt bei BNP Paribas in Peking. Die offizielle Rhetorik der Verantwortlichen deutet auf eine Wende. Chinas Premierminister Wen Jiabao hatte in einer Rede am 19. Januar die Formulierung, China werde die Geldpolitik weiter “moderat locker” gestalten, fallen gelassen. Jiantang vom Statistikamt verwies in der Pressemitteilung erneut auf die Aussagen des Premierministers. Der Chef der chinesischen Bankenaufsicht, Liu Mingkang, bestätigte in Hongkong, dass für einige Banken Obergrenzen bei der Kreditvergabe bestehen. Auch werde sich das Kreditwachstum im laufenden Jahr verlangsamen, sagte Mingkang. Voraussichtlich werde die Kreditvergabe um 22 Prozent auf 7,5 Billionen Yuan zurückgehen nach dem Rekordwert von 9,59 Billionen Yuan im Vorjahr.
Chinas Wachstum im vierten Quartal wurde von einem noch nie da gewesenen Konjunkturprogramm im Umfang von 586 Mrd. Dollar (416 Mrd. Euro) angeschoben. Der Immobilienmarkt hat sich wieder erholt. Für Chinas Ausfuhren endete im Dezember eine 13 Monate dauernde Talfahrt.
Auch 2010 wird China erneut den größten Anteil zum globalen Wachstum beitragen. In einer am Mittwoch veröffentlichten Prognose hob die Weltbank die Schätzung für das globale Wachstum 2010 von bisher zwei auf 2,7 Prozent. Für China liegt die Prognose bei neun Prozent. Unter den weltweit größten Volkswirtschaften rückt China damit stetig vor. 2009 schob sich China vor die USA an die Spitze als der weltweit größte Absatzmarkt für Fahrzeuge. Den Titel Exportweltmeister macht China Deutschland streitig. 2010 könnte
China Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft weltweit herausfordern. Chinas Bruttoinlandsprodukt 2009 belief sich nach den am Donnerstag vorgelegten Zahlen des Statistikamts auf 33,535 Billionen Yuan (3,5 Billionen Euro). Der Wert entspricht damit fast der Weltbank-Schätzung für Japans Bruttoinlandsprodukt 2008.
Welchen Aktien Analysten trotz der jüngsten Rückschläge vertrauen, zeigt Ihnen die untenstehende Tabelle.
(ag/gill)








