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Rohstoff-Guru Bachheimer im Interview (II)   Facebook be



22.01.2010
 
Inflation, Gold und Öl - Wie baut man vor?

Im ersten Teil stand die Währungskrise im Zentrum des Interviews

ÜBER DAS GOLD

BE: Damit kommen wir zum Gold: Wieso haben die westlichen Staaten panische Angst vor dem Gold? Jeder, der eine goldgedeckte Währung andenkt, wird diskreditiert, die Goldvorräte wurden zu Diskontpreisen verschleudert, Gold gilt gar als „barbarisches Relikt“ (Keynes).

Bachheimer: Für jeden Wirtschaftpolitiker ist Gold ein Feindbild. Auch hier können wir wieder Greenspan zitieren: „Eine geradezu hysterische Feindschaft gegen den Goldstandard verbindet Staatsinterventionisten aller Art. Sie spüren offenbar klarer und sensibler als viele Befürworter der freien Marktwirtschaft, dass Gold und wirtschaftliche Freiheit untrennbar sind.“ Ein steigender Goldpreis ist stets ein Misstrauensvotum in die Wirtschafts- und Geldpolitik. Die Staaten wollten nun zwar nicht das Gold loswerden, aber sie wollten die Effekte der Goldverkäufe haben, nämlich den Preis zu drücken, weshalb solche Verkäufe auch immer groß angekündigt wurden.

BE: Dennoch ist der Versuch gescheitert, den Goldpreis nachhaltig zu drücken. Er ist wieder auf Höchstständen und zählt in diesem Jahrzehnt zu den bestperformenden Assets. Wer kauft nun ständig das Gold auf?

Bachheimer: Gekauft haben das Gold verschiedene Einzelpersonen, Firmen, Staaten außerhalb des westlichen Wirtschaftsraumes. Die Kaufmotivation für Gold ist regional unterschiedlich. Bei uns kauft man, wenn man der Wirtschaft nicht mehr vertraut, die Chinesen kaufen traditionell, um sich vor inflationären Tendenzen zu schützen. In Indien wird das Gold für Schenkungen bei Hochzeiten und an Jubilare gekauft. Seit 2008/2009 wurde es anders. Das traditionelle Kaufen der Inder stoppte bei einem Preis von 1000 USD. Dieser Rückgang wurde aber durch Investmentgoldkäufe wie Gold-ETFs ausgeglichen. Dies entspricht einer Revolution. Das Pendel schlägt zurück, wir wollen auch im Westen wieder das Gold haben.

WERTERHALT FÜR DEN ANLEGER

BE: Kommen wir nun zur Kernfrage: Was kann der Anleger machen, um der Inflation zu entkommen, außer Gold zu kaufen?

Bachheimer: Das ist für jeden individuell zu behandeln. Wer noch über kein Wohneigentum verfügt, sollte erst einmal Wohnraum schaffen. Ich würde aber keinesfalls in Immobilien investieren, um damit zu spekulieren oder eine Werterhaltung zu erreichen. Denn in einer Krise wird es große Leerstandsraten geben, weil Immobilien nicht mehr vermietet werden können. Das nächste ist Gold und Silber, denn das Währungssystem wird in den kommenden Jahren extrem unter Druck geraten. Es gibt nur zwei bis drei anständige Währungen, in Europa den Schweizerfranken und die Norwegenkrone. Besonders letztere ist interessant: Die Norwegenkrone ist durch einen staatlichen Pool, der im Besitz sämtlicher Rohstoffe Norwegens ist, gedeckt. D.h. wir haben hier das Paradies einer gedeckten Währung, der nicht einmal der Schweizerfranken das Wasser reichen kann. Aber auch der Franken ist noch durchaus ein Safe Haven, ein Schönheitsfehler sind allerdings die Risken für die Schweiz aus den beiden Großbanken.

BE: Ihre Firma Meridian Commodity Advisors AG ist im Rohölhandel tätig. Gibt es noch weitere Aktivitäten?

Bachheimer: Wir handeln hauptsächlich Metalle und Energie, da dies der Konzeption unserer Firma entspricht, eine Antiposition zum Währungssystem einzunehmen. Edelmetalle indizieren die Inflation und Energiepreise sind die ersten, wo die Inflation zum Tragen kommt. Wir erwarten eine erhöhte Volatilität in beiden Assetklassen. Auch wenn wir extrem bullish auf beide sind, ist dies keine Einbahnstraße. Hier versuchen wir mit einem vollautomatisierten Handelssystem durch Kauf von Long- und Short-Futurekontrakten aufgrund der Volatilität eine Outperformance zu schaffen. Ziel ist es, 30 bis 40% aus einzelnen Preisamplituden herauszuholen. In den letzten Jahren konnten wir beim Goldpreis zusätzlich 120 $ pro Jahr generieren, beim Öl schaffen wir zwischen 25 und 40 $ im Jahr. Unsere Kernkompetenz ist, dieses Futurehandelssystem für Hedger, d.h. für Firmen, die Öl, Diesel usw. in Zukunft kaufen wollen oder bereits lagern, sowie für Versicherungen und Banken, die Edelmetalle im Portfolio haben, aber diese etwas absichern wollen, anzubieten. Zusätzlich sind wir auch für Investoren tätig, wir führen Managed Accounts und haben zwei Fonds aufgebaut, den Goldinvest Plus und den Metenergy Fund.

BE: Können normale Privatanleger darin investieren?

Bachheimer: Nein, das Mindestinvestment für Managed Accounts ist 250.000 Euro, wobei dies aufgrund des hohen Verwaltungsaufwandes für uns eigentlich schon zu wenig ist, und bei den Fonds 75.000 Euro.

BE: Wobei man auf Ihrer Hompage (www.meridianca.com) findet, dass ein Anleger nur 10% seines Vermögens hier investieren sollte, also ein Anleger mindestens eine Nettobarvermögen von 750.000Euro haben sollte, um als Kunde in Frage zu kommen. Wie sieht es mit der Performance aus?

Bachheimer: Wir haben auf Managed-Acount-Basis in den letzten drei Jahren jedes Jahr ziemlich exakt 15% (vor Abzug der Performancefee von 11 bis 20%, je nach Account-Volumen) gemacht, bei einem maximalen Drawdown auf Monatsbasis von 5%. Das sind schöne Werte!

BE: Herr Bachheimer, wir danken für das Gespräch!


Zur Person:

Thomas Bachheimer ist Gründer und Geschäftsführer der Meridian Commodity Advisors AG (www.meridianca.com) in Zürich, die vor allem im Edelmetall- und Rohölhandel tätig ist. Das Unternehmen betreibt je einen Edelmetall- und Energiefonds (Goldinvest Plus und Metenergy) für vermögende Anleger („High Net Worth Individuals“) und bietet Managed Accounts an. Der gebürtige Steirer gilt, seit er bei 30 $ einen Ölpreis von 150 $ prognostizierte, als Rohstoffguru und ist gern gesehener Gast bei OPEC-Veranstaltungen und auf CNBC, Blomberg TV und n-tv. Er hält auch zahlreiche Vorträge über den Energiemarkt, Commodities, Wertsicherung und das Währungssystem.


(cr)



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hartwigknapp | 2010-05-13 18:49:49 "Handelssysteme"

Sehr interessantes Interview insbesondere zum Thema Handelssysteme.
Hartwig Knapp
 
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