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Währungskrise

Rohstoff-Guru Bachheimer im Interview (I)   Facebook be



22.01.2010
 
Inflation, Gold und Öl - Wie baut man vor?

BE: Herr Bachheimer, seit Ihrer Prognose, dass der Ölpreis von 30 auf 150 $ steigt, gelten Sie als Rohstoffguru, sind gerne gesehener Gast in OPEC-Kreisen und treten des öfteren in CNBC und Blomberg TV mit Kommentaren auf. Was hat Sie als Steirer veranlasst, Ihre Zelte in Zürich aufzuschlagen?

Bachheimer: Im Gegensatz zu Österreich ist die Schweiz ein wichtiger Drehpunkt für Rohstoffgeschäfte, wie man daraus ersieht, dass die Schweiz Sitz einiger großer internationaler Rohstoffhändler ist. Ein weiterer Grund ist mehr „weltanschaulicher“ Natur: Unsere Analysen haben gezeigt, dass es in Europa nur zwei „anständige“ Währungen gibt, die ihre eigentliche Aufgabe erfüllen: Die norwegische Krone, und – mit Abstrichen wegen des Großbankendebakels – den Schweizer Franken.

ÜBER DAS WÄHRUNGSSYSTEM, INFLATION

BE: Wenn ich das richtig interpretiere, haben Sie also nicht nur in den Dollar, sondern auch in den Euro wenig Vertrauen wegen der Geldmengenaufblähung? Warum kann man nun die durch die Bankenrettungen stark angestiegene Geldmenge nicht wieder einfach dem Markt entziehen?

Bachheimer: Ich habe angefangen, die Geldmenge ab dem Jahr 2000 zu beobachten. Man konnte erkennen, dass immer wenn die Geldmenge erhöht wurde, der Goldpreis binnen einem Jahr und der Ölpreis in weiterer Folge anstiegen. Die Geldmenge ist der direkteste Einflussfaktor für Inflation, der Gold- und Ölpreis sind die direkten Effekte. Der Goldpreis indiziert inflationäres Gehaben und der Ölpreis IST Inflation, weil er uns persönlich in den Brieftaschen betrifft. Man hat damals schon künstlich Geldmenge erzeugt, um nach keynesianistischen Modellen Nachfrage zu generieren. Das hat in den 70ern ganz gut funktioniert, war dann aber mit dem Ende der 90er vorbei. Hier wurde dann der größte Fehler begangen, indem man versuchte, die Probleme mit noch mehr Geldmenge zu bekämpfen. Man hat also das Problem mit der Ursache bekämpft. Man kann nun dieses Geld nicht zurückführen, weil es noch gar nicht am Markt angekommen ist. Die Banken haben sich sehr zurückgenommen, niemand vertraut niemandem, wir sind im Supergau des keynesianistischen Wertemodells mitten drinnen. Die Regierungen versuchen durch noch mehr Geldmenge den Markt zu beleben. Aber solange das Geld nicht ankommt, kann es auch nichts bewirken. Profitiert haben nur die Banken, und sonst niemand. Man kann das Geld nur den Banken entziehen.

BE: Wie sieht es nun mit der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes aus? Dies ist ja die zweite wichtige Determinante für die Inflationsgleichung: Preisniveau x Gütermenge = Geldmenge x Umlaufgeschwindigkeit. Nimmt diese schon zu?

Bachheimer: Die inflationäre Energie wird sich erst voll entwickeln, wenn die sich Umlaufgeschwindigkeit beschleunigt. Das ist noch nicht der Fall, weil das Geld in der Realwirtschaft noch nicht angekommen ist. Sollten aber die Regierungen die Banken zwingen, die Kredite wirklich weiterzugeben, könnte es eine kurzfristige Erholung der Wirtschaft geben, die aber von starker Inflation begleitet wäre.

BE: Was ist jetzt das wahrscheinlicher Szenario? Dass es eine langanhaltende starke Inflation wie in den 70ern gibt, oder dass das Ganze außer Kontrolle gerät?

Bachheimer: Meiner Meinung ist es eine Kombination von beiden. Bevor es zur Supernova kommt, werden wir uns langsam steigern, die Preise werden langsam aus den Fugen geraten und das System wird implodieren wie in Deutschland in den 20ern oder aktuell in Simbabwe. Reparabel ist das Wirtschaftssystem der westlichen Welt nicht mehr. Es hat seit 1913, also fast 100 Jahre gehalten. Mit dem Gründen von Zentralbanken, die dann deterministisch die Zinssätze festlegen konnten, legte man im Jahr 1913 den Grundstein für den Sozialismus und Keynesianismus. Das ist die Wurzel des Übels. Im 20. Jahrhundert war das teilweise sehr produktiv und hat für Wirtschaftswachstum gesorgt. Aber jetzt befinden wir uns in einer sog. alten Konjunktur, wo keynesianistische Modelle nicht mehr funktionieren. Meiner Meinung stehen wir vor einem Systemwechsel.

BE: Die ganze Geldschwemme beruht ja nun auch auf einer Art Panik vor Deflation. Nur wo ist jetzt bei der Deflation das Problem? Ist das nicht nur ein Popanz der keynesianistischen Nationalökonomen? Das ganze 19. Jahrhundert war leicht deflationär und hatte ein starkes Wirtschaftswachstum, man denke nur an die Gründerjahre.

Bachheimer: Dieses Gespenst wird herbeigeredet, seit wir im keynesianistischen Wirtschaftssystem leben. Als zweites Datum nach 1913 ist das Jahr 1971 zu erwähnen, wo es die völlige Ablösung von Deckungen und Staatsgarantien gab, initiiert von Richard Nixon. Seit wir dieses System haben, gab es niemals eine längere Deflationsphase als 18 Monate. „Eine gute Wirtschaft braucht Inflation“ ist das Kredo eines Wirtschaftssystems des vorigen Jahrhunderts, wo der Staat sich in einem Höchstmaß einmischte.

BE: Inflation bewirkt ja, dass sich jeder darum kümmern muss, sein Geld irgendwie anzulegen, um der Entwertung zu entgehen, während Geld bei einer deflationären Phase voll zur Werterhaltung taugt. Bewirkt dies nicht eine Umverteilung zugunsten der “clevereren“ (Finanz)-Eliten?

Bachheimer: Das ist ein interessanter Ansatz, den man noch genauer durchdenken muss. Meiner Meinung geht Inflation einher mit Einflussnahme des Staates. Dieser ist in höchstem Maße interessiert, dass es ein Wirtschaftswachstum gibt. Wenn es durch zu starke Geldmengenausweitung zu inflationären Tendenzen kommt, müssen sich die Geldbesitzer schützen. Gleichzeitig konnte man mit diesem ungedeckten Geld Umverteilungsprojekte in Angriff nehmen, die aber nicht funktionierten. Nach mir vorliegenden Statistiken von 1939 bis 2009 war die Kaufkraft 1970 am höchsten. 1971 wurde zuerst in den USA, dann weltweit die Deckung des Geldes aufgehoben und seither herrscht staatliche Willkür. Unter dem Deckmantel der Umverteilung von reich zu arm wurde folgendes gemacht: Die Banken haben ihre Bilanzsummen im Schnitt seit 1970 verfünfzigfacht, die Börsen haben sich verdreißigfacht. Wer hat daran Anteil? Vor allem die oberen Schichten und Eliten. Und die Politförderungen von Bund und Ländern haben sich seit 1971 versiebenfacht. Der einzige, der einen Verlust erlitten hat, war der Normalbürger. Der Umverteilungsgedanke führte also nur zu einer Bereicherung gewisser Eliten, wohingegen die Mittelschicht, die etwas Geld hatte und sparte, dann noch durch die Inflation zur Kasse gebeten wird, wenn sie nicht die Cleverness hatte, das Geld entsprechend anzulegen. Der inzwischen wieder viel beachtete Nationalökonom der Wiener Schule Friedrich von Hayek geht mit der Lizenz zum Gelddrucken hart ins Gericht: Mit Ausnahme der Zeiten des Goldstandards haben praktisch alle Regierungen in der Geschichte ihr Exklusivrecht zur Ausgabe von Geld dazu benutzt, die Menschen zu betrügen und zu plündern!


BE: Zudem hat der Staat durch die Besteuerung der Zinsen de facto Scheingewinne besteuert, da der Großteil der Zinseinkünfte ja nur der Inflationsabgeltung entspricht, aber dennoch komplett der Steuer unterliegt.

Bachheimer: Das ist auch ein Grund, warum das ganze Experiment soziologisch nicht mehr halten wird. Es tauchen immer mehr Ungerechtigkeiten auf, die Staatsbürger sehen nicht mehr ein, dass sie mit Inflation für irgendwas bezahlen müssen (wenn sie bei den hohen Steuersätzen überhaupt was ersparen können), und vor allem wer dann davon profitiert. „Staatsverschuldung ist einfach ein Mechanismus für versteckte Enteignung von Vermögen und Gold verhindert diesen heimtückischen Prozess“, sagte schon Alan Greenspan und das wird allmählich erkannt. Man sieht ganz deutlich den steigenden Unmut, z.B. in den USA mit der Finanzelite und deren Boni.

Teil II behandelt Gold und Wertsicherung

Zur Person:

Thomas Bachheimer ist Gründer und Geschäftsführer der Meridian Commodity Advisors AG (www.meridianca.com) in Zürich, die vor allem im Edelmetall- und Rohölhandel tätig ist. Das Unternehmen betreibt je einen Edelmetall- und Energiefonds (Goldinvest Plus und Metenergy) für vermögende Anleger („High Net Worth Individuals“) und bietet Managed Accounts an. Der gebürtige Steirer gilt, seit er bei 30 $ einen Ölpreis von 150 $ prognostizierte, als Rohstoffguru und ist gern gesehener Gast bei OPEC-Veranstaltungen und auf CNBC, Blomberg TV und n-tv. Er hält auch zahlreiche Vorträge über den Energiemarkt, Commodities, Wertsicherung und das Währungssystem.
(cr)


 
 

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