2010 sollte für Besitzer von Investmentfonds ein freundliches Jahr werden. Die Erste Sparinvest (Espa), die Kapitalanlagegesellschaft der Erste Group, geht davon aus, dass die auf den Finanzmärkten bereits im Vorjahr begonnene Erholung in diesem Jahr weiter anhalten wird, wenn es auch immer wieder zu Störfeuern kommen sollte. Nach den institutionellen sollten auch die privaten Investoren wieder zurückkehren. Die besten Ertragschance sehen die Anlageexperten bei Aktien mit Fokus auf Emerging Markets - besonders auch Osteuropa, bei Anleihefonds werden ebenfalls Emerging Markets, Osteuropa und Unternehmensanleihen favorisiert.
"2009 hat es eine massive Trendwende gegeben", so Heinz Bednar, Leiter des Erste Asset Managements, am Donnerstag in Wien vor Journalisten. Das Fondsvolumen der Sparinvest sei um 15,7 Prozent oder 3,6 Mrd. auf 26,7 Mrd. Euro angestiegen. Etwa je die Hälfte der Zuwächse entfielen auf Kursgewinne und Neuzuflüsse. Das Wachstum sei doppelt so stark ausgefallen, wie am gesamten heimischen Fondsmarkt, der um 8,4 Prozent auf 126,0 Mrd. Euro gewachsen sei, so Bednar. Die Performance des vergangenen Jahres werde aber heuer nicht wiederholt werden können.
Die ebenfalls mehrheitlich zur Erste Gruppe zählende Ringturm KAG konnte ihr Fondsvolumen im Vorjahr um 14,8 Prozent auf 3,6 Mrd. Euro steigern. Inklusive der osteuropäischen Fonds stieg das Fondsvolumen der Erste Asset Management GmbH um 13,8 Prozent auf 36,3 Mrd. Euro. Zählt man noch das für Dritte gemanagte Portfoliomanagement dazu, waren es per Jahresende 2009 40,5 Mrd. Euro nach rund 36 Mrd. Euro im Jahr davor.
"Der Wachstumsmotor bleibt die Industrie, nicht der Konsum", sagte Chefökonom der Gerhard Winzer. Die Erholung auf den Finanzmärkten werde 2010 zwar weiter gehen, aber sie werde "langsamer, holpriger und uneinheitlicher" ausfallen. Besonders starke Wachstumsraten würden die Emerging Markets und hier insbesondere Osteuropa zeigen, da sie von der Kreditkrise nicht direkt betroffen waren. Die Erholung werde sich stark auf den Fertigungsbereich konzentrieren, der Dienstleistungsbereich sollte hinterher hinken. Erste Verbesserungen zeigten sich auch schon bei der Kreditvergabe an Private, was für den Konsum positiv sei. Zusätzlich zeigten sich in den Emerging Markets wieder leicht fallende Arbeitslosenraten. Die Inflationsgefahr sei gering.
Keine größeren Störfeuer erwartet sich Winzer von der für dieses Jahr erwarteten Rücknahme der sehr expansiven Geldpolitik der Zentralbanken, solange dies "vorsichtig, graduell und transparent" erfolge. Frühestens ab dem zweiten Halbjahr dürfte es langsam zu Leitzinserhöhungen kommen, beginnend in den USA. Maximal 50 Basispunkte seien bereits eingepreist.
Die hohe Staatsverschuldung in den westlichen Ländern werde in den kommenden zehn Jahren zu Einsparungen bei den Staatsausgaben führen. Von dieser Seite werde es deshalb "null" Maßnahmen zur Unterstützung der Konjunktur geben. Im Vergleich dazu habe sich Osteuropa, wo die Länder nicht so stark verschuldet seien, zuletzt vom "underdog" zum "outperformer" entwickelt.
Das Umfeld für risikobehafteten Wertpapiere - Unternehmensanleihen, High Yield-Bonds - werde auch 2010 günstig bleiben, so Chief Investment Officer Harald Egger. Die Nachfrage nach Emerging Markets-Anleihen sei bereits hoch. Zur Veranlagung favorisiert Egger dementsprechend Hochzinsanleihen, Emerging Markets- und Osteuropa-Anleihen, sowie Unternehmensanleihen. Internationale Staatsanleihen sollten dagegen eher gemieden werden.
Für die Aktienmärkte erwartet Egger eine Rückkehr zur Normalität. Der Abbau der Unterbewertungen als Veranlagungsmotiv sollte von den Gewinnaussichten abgelöst werden. Im Schnitt sollte sich heuer eine leicht zweistellige Aktien-Performance ausgehen. Dementsprechend sind in der Asset Allocation Aktien übergewichtet. Regional werden die Emerging Markets und dabei insbesondere Osteuropa und Lateinamerika übergewichtet. Auch für Japan wird Nachholbedarf gesehen. Die USA sind untergewichtet und Westeuropa neutral bewertet.
(APA)


