Die zweite Kalenderwoche des Jahres hat begonnen. Wir haben die erste Woche genutzt um uns bei Emittenten und Experten aus der Zertifikate-Branche umzuhören und ein paar Fragen zu stellen.
Auf die Frage nach den Erwartungen für 2010 haben durch die Bank positive bzw. optimistische Antworten die Redaktion erreicht. So sieht Andre Albrecht (Erste Group) den ATX auf Jahressicht bei 3000 Punkten, Anouch Wilhelms (Commerzbank) erwartet den DAX bei 6900 Punkten.
Andreas Dolezal (Schiketanz) legt sich nicht auf Zahlen fest, sondern viel mehr auf die Stärken von Zertifikaten: „Nachdem der Einsatz von Zertifikaten in jeder erdenklichen Marktphase sinnvoll sein kann, gehe ich selbstverständlich optimistisch ins Jahr 2010.“ Stefan Neubauer (RCB) geht weiterhin von „positiver Tendenz im 2. Halbjahr und anhaltend hoher Volatilität aus“. „Dies bedeutet, dass sich Anleger im Jahr 2010 verstärkt auf die Suche nach „Portfolio-Optimierern“ machen müssen, und das werden aus unserer Sicht ganz klar Zertifikate sein“.
Der Fokus im Jahr 2010
Unsere zweite Frage hat sich der Produktseite gewidmet. Wir wollten wissen, welche Zertifikate 2010 im Fokus stehen werden.
„Anleger bevorzugen seit der Finanzkrise einfach strukturierte Produkte mit klarem Auszahlungsprofil. Zudem steht weiterhin der Sicherheitsgedanke im Vordergrund“, fasst Christopher Maass (Sal. Oppenheim) zusammen. „Deshalb werden Kapitalschutz-Produkte nach wie vor im Beratungsgeschäft bevorzugt und Aktienanleihen, Discount- und Bonus-Zertifikate bei Selbstentscheidern weiterhin hoch im Kurs stehen.“
Pedram Payami (Royal Bank of Scotland) erwartet weiterhin vorsichtige Investoren, die auf Absicherung setzen. Gleichzeitig erkennt er aber weiterhin den Wunsch nach ausreichend Performance: „Folglich werden vor allem Bonus Zertifikate für Anleger von grossem Interesse sein, da diese sowohl bei steigenden als auch bei stagnierenden bzw. leicht fallenden Märkten eine positive Rendite ermöglichen.“
Heiko Geiger (Vontobel) sieht das ähnlich: „Es werden weiterhin einfache und transparente Strukturen nachgefragt. Also Discount-Zertifikate, Aktienanleihen und einfache Garantie-Zertifikate. Index-Zertifikate werden aufgrund des günstigen Marktumfelds an Bedeutung gewinnen.“
Felix Pachernegg (Bank of America Merrill Lynch) will sich nicht festlegen: „Zu Beginn sicher nach wie vor Rentenprodukte, später werden wir aber sicher auch mehr und mehr wieder Strukturen aus dem Aktien- und Rohstoffbereich sehen.“
Unterschied zu 2009?
„Worin wird sich 2010 von 2009 unterscheiden?“, lautete die dritte Frage.
„2009 war von einer globalen Erleichterung geprägt, dass die grosse Depression an uns vorüberging. Man machte alle Gemütsregungen von himmelhochjauchzend bis zu Tode betrübt durch. 2010 wird ein Jahr des Übergangs werden. Wir rechnen mit einer positiven ,wenn auch unterdurchschnittlichen Entwicklung der Weltwirtschaft. Grundlage des Aufschwungs bleibt weiterhin die expansive Geld- und Fiskalpolitik“, sagt Heiko Geiger.
Andreas Dolezal ist gleichartiger Ansicht: „Im Zuge der Bankenkrise sind die Anleger skeptischer geworden. Information und Transparenz werden daher als vertrauensbildende Massnahme eine noch grössere Rolle spielen. So wie schon 2009 werden das Vermeiden von Klumpenrisiken und der Blick auf die Bonität des Emittenten weiter an Bedeutung gewinnen.“
Andre Albrecht sieht Unterschiede vor allem in der Volatilität: „Der grosse Unterschied zum Jahr 2009 ist die sinkende Volatilität. Das letzte Jahr war von grosser Unsicherheit geprägt, daher der tiefe Fall und die darauffolgende starke Erholung. Nichtsdestotrotz ist für 2010 noch etwas übrig geblieben, daher gehen wir von weiterhin steigenden Kursen aus. Die grossen Schwankungen werden aber aus heutiger Sicht ausbleiben.“
Stefan Neubauer: „Es ist nicht von derart rasanten Kursanstiegen wie 2009 auszugehen. Das Vertrauen der Anleger und die damit einhergehende Bereitschaft in internationale Märkte zu investieren könnte sukzessive steigen, da fundamental immer mehr auf eine nachhaltige Erholung der Wirtschaft hindeutet.“
Christopher Maass sieht keine grossen Unterschiede: „Wir erwarten keine Trendwende im Jahr 2010. Die realwirtschaftlich weiter vorherrschende Unsicherheit wird die Anleger auch weiter auf Sicherheit setzen lassen, gleichzeitig sehen wir bei derivativen Produkten sowohl bezüglich Absatz als auch gehandelten Volumina noch Potenzial nach oben.“
Weiterhin wachsendes Volumen?
Das Jahr 2009 war interessanterweise von wachsenden Volumina gekennzeichnet. Da lag die Frage nahe, ob sich dieser Trend auch im Jahr 2010 fortsetzen wird. Hier ist jedoch zwischen österreichischem und deutschem Zertifikatemarkt zu unterscheiden. In Österreich wurden gegen Ende des Jahres neue Rekordstände beim Open Interest gemessen.
Andreas Dolezal: „Der Trend wird sich wohl fortsetzen, auch wenn die Zuwachsraten nicht mehr so rasant ausfallen werden. Es wird auch daran liegen, ob es uns Anbietern gelingt, den Kunden die Vorteile von Strukturierten Investments glaubhaft vermitteln zu können. Ausschlaggebend wird auch sein, ob sich die Märkte weiter positiv entwickeln. Eine erneute und vielleicht auch noch massive Korrektur würde die Investitionslaune der Anleger generell wieder trüben.“
Andre Albrecht: „Der Zertifikatemarkt sollte weiter zulegen können. Sollten Aktien- Veranlagungen wieder verstärkt nachgefragt werden, dann könnte der Zertifikatemarkt sogar überproportional profitieren.“
Pedram Payami sieht den Aktienmarkt ebenso als massgeblichen Faktor: „Die Entwicklung des Volumens des Zertifikatemarkts wird sich wie auch in den letzten Jahren, sehr stark an der Entwicklung an den Aktienmärkten orientieren.“
Stefan Neubauer strahlt Optimismus aus: „Wir erwarten einen kontinuierlichen Anstieg des Volumens am Zertifikatemarkt, weil die Alternativen am Markt, attraktive Renditen zu erzielen, teils nur bedingt bzw. kaum gegeben sind. Das breite Spektrum an Produkten mit überschaubarem Chance- Risiko Verhältnis gepaart mit interessanten Marktzugangsmöglichkeiten machen den Zertifikatemarkt zu einem echten Wachstumsmarkt.“
So sieht das auch Anouch Wilhelms: „Da sich Zertifikate für jede Marktlage eignen, wird sich der positive Trend der vergangenen Monate auch 2010 fortsetzen.“
Zinsen & Inflation
Niedrige Zinsen und die „Angst“ vor Inflation waren schon 2009 zentrale Themen. Doch wie sieht das 2010 aus?
Anouch Wilhelms: „Niedrige Zinsen haben immer einen Einfluss auf die Anlageentscheidung von Investoren. Da mit Sparzinsen oder Festgeld im aktuellen Umfeld nur geringe Renditen zu erzielen sind, begeben sie sich auf die Suche nach Alternativen. Zertifikate sind ohne Zweifel eine sehr interessante Alternative und bieten das ideale Mittel um die Rendite und das Risiko im Depot zu steuern.“
Neubauer sieht die Niedrigzinsen als Anlass auf Zertifikate zurückzugreifen: „Das auch für 2010 erwartet niedrige Zinsniveau ist ein weiterer Grund, ein Zertifikate-Investment ernsthaft in Betracht zu ziehen. Garantie-Zertifikate dienen bei höchster Sicherheit als nützliche Sparbuch-Alternative und ermöglichen eine attraktive Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Generell eignen sich Zertifikate nicht nur im Umfeld geringer Zinssätze als Beimischung fürs Portfolio jedes Anleger, egal ob dieser nun risikofreudig oder risikoavers ist.“
Payami sieht „das Marktumfeld“ (wozu er auch Zinsen und die Inflation zählt) als bestimmenden Faktor für 2010. „Die aktuell niedrigen Zinsen führen u.a. auch dazu, dass Anleger verstärkt Anlagealternativen mit höheren Renditen suchen, wozu auch Zertifikate gehören. Die Befürchtung vieler Investoren einer eventuell hohen Inflation führt wiederum dazu, dass viele Anleger variabel verzinste Kapitalschutzzertifikate mit einem Mindestkupon, die an einen kurzfristigen Marktzinssatz gekoppelt sind, präferieren.“
Felix Pachernegg antwortet pragmatisch: „Sollte Inflation kommen werden auch die Zinsen steigen. Ob diese jedoch kommt, hängt in erster Linie von der Fiskalpolitik der Zentralbanken ab.“
„Inflationsrisiken bleiben verhalten, da die Produktionskapazitäten noch wenig ausgelastet sind und sich der Finanzsektor bei der Kreditvergabe weiterhin zurückhält. Auch 2010 werden wir eine expansive Geldund Fiskalpolitik erleben. Allerdings werden die Notenbanken in der zweiten Jahreshälfte langsam zu einer normalisierten Geldpolitik übergehen“ antwortete schliesslich Heiko Geiger.








