Während die chinesischen Börsen im letzten Jahr boomten und China-Aktienfonds schöne Kursgewinne erzielten, stellt sich zunehmend die Frage, ob in China nicht eine neue Blase im Entstehen ist, die plötzlich platzen könnte. Die Folgen wären auch aus psychologischen Gründen verheerend, weil gerade China als der Hoffnungsträger gilt, der die Weltwirtschaft aus der Rezession reißen könnte.
James Chanos, Shortseller und berühmt geworden durch seine Vorhersage bezüglich Enron (New Economy-Blase) sieht in China bald die nächste Blase platzen. Seine Bedenken, die er unlängst in einem CNBC-Interview kundtat, kommen aus dem Immobiliensektor („Dubai mal 1000“) und den chinesischen Kreditexzessen, die er deutlich erkennen will.
Jimmy Rogers teilt Chanos’ Bedenken nicht, und wirft ihm vor, dass er sich mit China zu wenig auskenne und sich erst seit kurzem damit befasse. Auch Emerging Markets-Spezialist Mark Mobius sieht China positiv. Handelt es sich dabei nur um Zweckoptimismus von Fondsmanagern, die stark in China exponiert sind, und sind die Warner ernst zu nehmen?
Warnende Stimmen gibt es schon länger
Mit seinen Bedenken ist Chanos nun allerdings nicht allein.
Forbes-Author Gady Epstein (Ausgabe 28. Dez. 2009) sieht sich mit China an Japan knapp vor dem großen Knall erinnert. Der China-Experte an der Northwestern University, Victor Shih, bezeichnet im selben Artikel „China als Ponzi-Schema unter der Leitung der Zentralbank“. Die chinesischen Immobilienentwickler sollen hoch-verschuldet sein und private wie staatliche Schulden zusammen sollen sich auf 160% belaufen und 2011 auf über 200% ansteigen. Auch das erinnert an Japan vor dem Crash.
Auch Roubini zeigte sich über die Entwicklung in China bereits besorgt, die eine Folge des billigen Geldes ist. Nun sind diese Bedenken nicht wirklich neu: George Friedman (Stratfor) sah bereits im Manager Magazin 10/2009 die chinesische Kreditwirtschaft „Am Rande des Kollapses“, und auch der IWF warnte bereits im September.
Tritt China in Japans Fußstapfen?
Weit hinaus gewagt hat sich SocGen-Analyst Dylan Grice in seiner lesenswerten Studie „Popular Delusions“ vom September 2009: Er sieht insbesondere verblüffende Ähnlichkeiten zwischen Japan und China in folgenden Bereichen: Konfuzianismus, keine echte Demokratie (de facto Einparteiensystem in Japan), demografisches Problem (in China schrumpft die arbeitsfähige Bevölkerung ab 2015), staatlich gelenkter Kapitalismus, Währungsmanipulation und Reservenanhäufung, mangelnde Inlandsnachfrage, politischer Druck seitens der USA zur Währungsaufwertung. Japan hat für Grice geradezu Modellcharakter, was China anbelangt. Auch dass Japan vor dem Kollaps begann, die halbe Welt aufzukaufen (Rockefeller Center, US-Filmgesellschaften....) erinnert an die aktuellen chinesischen Kaufgelüste rund um die Welt.
Zu denken sollte jedem am Contrarian-Ansatz orientierten, antizyklisch handelnden Investor auch folgendes geben:
Knapp bevor Japan kollabierte, kam eine Flut von Büchern auf den Markt, die den japanischen Weg priesen und lobten. Ähnlich häufen sich auch jetzt schon die Bücher, in denen China als das neue Wirtschaftswunder verkauft wird.
Zwar kann man nie voraussagen, wann eine Blase platzt, und oft verdient man knapp vor dem Platzen das Meiste, aber man sollte zumindest ein wachsames Auge auf die Entwicklung haben. Wenn die Kurse im freien Fall sind, ist es gerade bei Fonds mangels sofortiger Handelbarkeit schwierig, ohne gröbere Verluste herauszukommen.
(cr)






