Die Aktien der Emerging Markets hatten 2009 eine gute Performance und werden auch in den nächsten Jahren positiv gesehen. Noch nicht viele Anleger haben Afrika entdeckt, doch der CEO des Fondsspezialisten Silk Invest (London), Zin Bekkali, sieht 2010 als das Jahr Afrikas.
BE: Viele Ökonomen haben Ende 2008 gewarnt, dass Afrika vor einer großen Krise stehe, da die Rohstoffpreise fallen. Wie entwickelte sich nun Afrika 2009?
Zin Bekkali: Afrika entwickelte sich gut unter Wachstumsgesichtspunkten und strafte die Warner Lügen. Das Wachstum ging zwar zurück, aber die meisten afrikanischen Länder wuchsen um 3-5%, verglichen mit einem globalen BIP-Rückgang von 1%. Südafrika ist der am besten entwickelte Staat in Afrika und war daher am meisten von dem globalen Einbruch betroffen, aber das war die Ausnahme. Afrika hat bewiesen, dass es das Wachstum auch unter schwierigen globalen Marktbedingungen aufrecht erhalten kann.
BE: Anleger suchen gerade am Jahresbeginn nach neuen Ideen für ihre Portfolios. Warum sollten Anleger nach Afrika blicken?
Zin Bekkali: Silk Invest erwartet, dass 2010 das Jahr Afrikas wird. Erstens werden die afrikanischen Länder unter den wachstumsstärksten Ländern der Welt im Jahr 2010 sein. Das Wachstum wird folgendermaßen eingeschätzt: Angola fast 10%, Äthiopien 7%, Ghana und Nigeria 5%, Ägypten 4,5%, Kenya und Tunesien 4%, Marokko über 3% und Südafrika 2%.
Zweitens erwarten wir deutliche Gewinne an den Börsen. Südafrika und Ägypten performten zwar 2009gut, aber die anderen Märkte waren nicht so toll. Südafrikas Börse stieg letztes Jahr um fast 60% und wir erwarten auch für 2010 schöne Gewinne, da es u.a. vom bevorstehenden Weltcup profitieren sollte. Wir glauben aber, dass die kleineren afrikanischen Länder die Stars von 2010 sein werden. Diese Länder vollzogen bis Anfang 2009 die Börsenentwicklung der BRIC-Länder relativ nahe nach, aber verloren seither den Anschluss. Die BRIC-Länder beendeten 2009 mit einem Plus von 90%, während die kleineren afrikanischen Börsen um die 15% einbüßten. Dies sollte sich 2010 ändern, besonders für Märkte wie Ghana, Kenya und Nigeria.
BE: Viele Anleger sehen Afrika nach wie vor als hochriskantes Investment und führen Armut, Korruption und politische Instabilität als Hauptrisken ins Feld. Wie sehen Sie diesen Sachverhalt?
Zin Bekkali: Ich meine, wir haben alle gesehen, dass Risiken in den reichen Ländern manchmal so hoch wie in den Entwicklungsländern sein können. Ein großer Teil der europäischen und amerikanischen Banken wurden beinahe verstaatlicht. Staaten gelten auch nicht mehr als sicher und in Zukunft könnte manch europäisches Land ein ähnliches Schicksal wie Island erleiden. Zweitens haben sich die meisten afrikanischen Länder in den letzten Jahren dramatisch verändert. Politisch wandelten sich die meisten Länder von einer kriegsähnlichen Situation zu einer Art Demokratie hin. Die Dinge sind nicht perfekt, aber die meisten afrikanischen Länder sind im Schnitt durchaus mit ihren asiatischen oder lateinamerikanischen Pendants vergleichbar. Länder wie Somalia bilden in Afrika eine ähnliche Ausnahme wir Nordkorea in Asien. Ein anderer wichtiger Paradigmenwechsel ist die IT-Revolution, die den Kontinent komplett verändert hat. Nur als Beispiel: Meine Eltern versuchten in den 80er Jahren 5 Jahre lang einen Festnetzanschluss in ihrem marokkanischen Heimatort zu bekommen, aber vergebens. In nahezu jedem Land bekommt man dagegen nun einen Mobilnetzanschluss binnen weniger als 5 Minuten. Das erleichtert die Kommunikation und hat Afrika an die restliche Welt angebunden. Afrika ist nun an die Informations- und Kapitalflüsse angebunden. Auch die physische Infrastruktur hat sich massiv verbessert. In fast jedem afrikanischen Land wurden neue Häfen errichtet und das Straßennetz um den Faktor 5 bis 10 verbessert. Große Städte sind nun miteinander verbunden und in der Lage zu handeln und zu kommunizieren. Doch der wichtigste Wachstumsantrieb sind die Leute selbst: In der Vergangenheit pflegten Politiker oder die Armee die gesamte Wirtschaft in manchen afrikanischen Ländern zu kontrollieren. Die meisten afrikanischen Ländern haben nun aber sehr erfolgreiche Unternehmer, die Afrika eine eigene Version von Tata oder Mittal aufprägen. Man denke an die Erfolgsgeschichten von Persönlichkeiten wie Mo Ibrahim oder Dangote. Das sind Fakten, die niemand ignorieren kann. Zudem hat sich das Prokopfeinkommen in den meisten afrikanischen Ländern binnen der letzten 10 Jahre verdoppelt. Dadurch entstand eine neue Schicht von gut ausgebildeten Leuten, die ein stabiles Umfeld verlangen, wo sie leben und ihre Kinder aufziehen können.
Zin Bekkali ist CEO von SILK INVEST in London. Silk Invest ist eine Fonds-Boutique, die sich auf Afrika und den Mittleren Osten spezialisiert hat. Ihre Fonds nach Luxemburger Recht, Silk Africa Lions und Silk Arab Falcons, sind auch in Österreich und Deutschland zugelassen. Das Fondsvolumen umfasst insgesamt 60 Mio. Euro.
(Wird fortgesetzt)
(cr)







Da schauen die meisten CEE-Länder alt dagegen aus....