Japanische Aktien weisen seit ihrem Rekordhoch von 1989 die schlechteste Kursentwicklung weltweit für die vergangenen 20 Jahre auf. Investoren sollten die günstige Bewertung nutzen, um mit japanischen Werten auf die Kursentwicklung in den Schwellenländern zu wetten, rät Mitsubishi UFJ Asset Management Co.
Aktien japanischer Stahlherstellern, Maschinen- und Anlagenbaugesellschaften dürften vom Wirtschaftswachstum in den Emerging Markets profitieren, erläutert Stratege Kiyoshi Ishigane. Beispielsweise fließen 89 Prozent des chinesischen Hilfsprogramms im Umfang von 4 Billionen Yuan (407 Mrd. Euro) in Infrastrukturprojekte, schrieb das McKinsey Global Institute im August in einer Studie. “Die Infrastrukturausgaben werden in den Schwellenländern noch lange Zeit steigen”, sagt Ishigane. “Da haben japanische Unternehmen absolut einen Vorteil.”
Die Idee, mit japanischen Aktien auf die Emerging Markets zu setzen, zeigt, wie sich die Welt in den vergangenen zwei Jahrzehnten verändert hat. Am 29. Dezember 1989 erreichte der japanische Aktienindex Nikkei 225 noch ein Rekordhoch von 38.915,87 Punkten und die Schlagzeile der Zeitung Nikkei lautete: “Der Nikkei dürfte bis Jahresende auf 44.000 Punkte klettern”. Der französische Luxusgüterkonzern Louis Vuitton setzte 80 Prozent seiner Produkte in Japan ab. Um internationale Opernstars auf der Bühne zu sehen, waren japanische Opernliebhaber bereit, 30.000 Yen für eine Karte hinzublättern.
Aber dann begann der Abstieg. Der Nikkei ist seitdem um 73 Prozent abgesackt, unter den 40 größten Aktienmärkten wies Japan in diesem Jahr die schlechteste Wertentwicklung auf. Das japanische Bruttoinlandsprodukt ist zwischen 1989 und 2008 nominal nur um 23 Prozent gewachsen, während das BIP in den USA 163 Prozent zugegelegt hat, die brasilianische Wirtschaft 278 Prozent gewachsen ist und China um das 17fache. Im Oktober sind die Löhne in Japan den siebzehnten Monat in Folge gesunken, die Verbraucherpreise fielen im November gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,7 Prozent. “Die Deflation drückt auf das japanische Bruttoinlandsprodukt, was wiederum die Richtung am Aktienmarkt bestimmt”, erläutert Ishigane.
Aber auch die Ausrichtung Japans hat sich verändert. Im Juli 2008 überholte China die USA als Japans größter Exportmarkt. Im Konsumbereich wollen Markenhersteller wie der Windelhersteller Unichard Corp. sowie die Kosmetikkonzerne Fancl Corp. und Shiseido Co. in China expandieren, berichtet Peter Eadon-Clarke, Leiter Strategie beim Brokerhaus Macquarie Group Ltd. “Kosmetikkonzerne haben jahrzehntelange die asiatische Haut und asiatisches Make-Up studiert. Sie sind hier echt im Vorteil”, erläutert er.
Mitsubishi UFJ Asset Management hat im November einen Fonds aufgelegt, der in japanische Aktien investiert, die von der asiatischen Nachfrage profitieren. Investiert ist der Fonds unter anderem bei Unicharm, dem Baumaschinenhersteller Komatsu Ltd. sowie bei Fanuc Ltd., einem Hersteller von Industrierobotoren.
Ein Faktor ist auch die Bewertung. Die Werte im Nikkei werden zum 1,4fachen des Buchwertes gehandelt, verglichen mit dem 3,3fachen für den Shanghai Compositie Index und dem 2,1fachen der brasilianischen Benchmark Bovespa. Beide Börsenbarometer sind in diesem Jahr mehr als 70 Prozent gestiegen.
“Wenn ich 5 Billionen Yen hätte, würde ich das gesamte Geld in japanische Aktien stecken”, sagt Atsuto Sawakami, Vorstandsvorsitzender von Sawakami Asset Management Inc. “Sie sind unterbewertet.” (Bloomberg)






