Nachhaltige Investments haben in den letzten Jahren einen enormen Auftrieb erfahren. Anscheinend ist es immer mehr Anlegern nicht mehr gleichgültig, womit sie ihre Performance erzielen. Nachhaltige Investments sind eine Möglichkeit, gute Performance mit einem guten Gewissen zu vereinen.
„Geld stinkt nicht“ hieß es im alten Rom, als Kaiser Vespasian die Latrinensteuer einführte. Aber ist es wirklich egal, woher das Geld oder die Performance kommen? Die Zahlen sprechen eine andere Sprache, wenn man sich die Zuwächse bei sogenannten nachhaltigen Anlagen in den letzten Jahren anschaut: In Europa hat sich die Anzahl der Publikumsfonds seit 1999 ausgehend von 150 fast verdreifacht, das Volumen bis 2007 auf 49 Mrd. Euro verfünffacht. Erwähnenswert ist auch, dass nach einem verhaltenen Beginn nunmehr der deutsche Sprachraum in Europa mit zwei Drittel des nachhaltigen Fondsvolumens führend ist. Ein Umdenken hat also anscheinend stattgefunden. „Nachhaltigkeit“ gibt es in verschiedenen Ausprägungen: Bei Ökofonds steht der „grüne“ Aspekt im Vordergrund, d.h. es wird in Unternehmen investiert, die umweltschonende Technologien benützen oder Produkte zur Erhaltung und Schützung der Umwelt erzeugen. Gewisse Branchen und Technologien sind dabei ein Tabuthema und dürfen nicht als Investition in Betracht gezogen werden, zB Kernenergie oder Technologien mit starker Umweltbelastung. Ein weniger strenger Ansatz vertritt die Philosophie, in jeder Branche die umweltfreundlichsten Unternehmen auszuwählen (Best in Class). Häufig wird der Begriff Nachhaltigkeit aber auch um ethische Aspekte erweitert. Dann bleiben auch Unternehmen außen vor, bei denen z.B. Kinderarbeit, Frauendiskriminierung u.ä. eine Rolle spielen. Auch Waffen, Glücksspiel und Alkohol/Tabak sind auf der Verbotsliste. Da Nachhaltigkeit inzwischen auch ein Verkaufsargument ist, entsteht das Problem, „dass es inzwischen viele Trittbrettfahrer gibt, die mit halbherzigen Produkten der nachhaltigen Investmentbranche eher schaden“, räumt der Nachhaltigkeitsexperte Mag. Wolfgang Pinner, Erste Sparinvest, ein.
Nicht nur Aktienfonds
Ursprünglich, also in den späten 90er Jahren, war nachhaltige Veranlagung ein reines Aktienthema, dann kamen Anleihen dazu, und mittlerweile gibt es nachhaltige Ansätze für Private Equity, Hedge-Fonds und für Immobilien. Es gibt zudem neue Fonds für Emerging Markets. Von der Dachorganisation für „Nachhaltiges Investieren“ EUROSIF wird das Volumen der nachhaltigen Investments (also nicht nur Fonds) in Europa für 2007 auf 2,6 Billionen Euro im weiteren Sinn und auf 511 Mrd. im Kernbereich geschätzt. Dies entspricht einem Marktanteil von 17,6 bzw. 3,4%. Häufigste Investmentstrategie im Kernbereich ist der Ausschluss von Unternehmen mittels ethischer Kriterien (ca. 72%), Best-in_Class-Ansätze (19%) und nachhaltige Themenfonds (5%).
Ein gängiges Vorurteil lautet, dass durch die Einschränkungen, die einem Fonds durch nachhaltiges Investieren auferlegt werden, die Performance leide. Es hat sich aber vielmehr gezeigt, dass es unter dem Performance-Aspekt keine Nachteile von nachhaltigen Investments gibt, eher im Gegenteil: Die Themen, welche die Gesellschaft immer mehr durchdringen, sind etwa Klimawandel, Umweltschutz und soziale Themen. Da dies wachstumsstarke Branchen sind, weisen diese Unternehmen oft ein überdurchschnittliches Wachstum auf.
Aspekte der Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit basiert auf einer dreidimensionalen Philosophie: Natur – Gesellschaft – Wirtschaft. Eines greift dabei in das andere. Die Gesellschaft kann ohne Natur nicht existieren und die Wirtschaft nicht ohne die Gesellschaft. Dementsprechend werden im nachhaltigen Investmentbereich alle drei Faktoren miteinbezogen. Neben börsenpsychologischen Faktoren und Finanzinformationen sind nicht- oder außerfinanzielle Informationen die Gründe für Kauf/Verkaufsentscheidungen von Investoren. Zu letzteren zählen Umwelt- und Stakeholder-Themen.
Nachhaltige Veranlagung weist einige Besonderheiten auf, die man bei anderen Investments nicht vorfindet. Man erhält etwa eine breitere Diversifikation, es befinden sich eher kleine Unternehmen in den Portfolios, es werden neue Entwicklungen antizipiert, umfassendere Informationen verarbeitet und es gibt einen positiven Auswahleffekt, da sich eher Unternehmen im Portfolio befinden, die nicht vor existentiellen Problemen stehen. „Nachhaltiges Investment bringt Zusatzwissen zu den Investmentobjekten, denn man sieht auch, was sich unter der Spitze des Eisbergs verbirgt, d.h. was außer den finanziellen Information noch an außerfinanziellen Informationen, welche die Stakeholder und Umwelt betreffen, vorhanden ist“, veranschaulicht Wolfgang Pinner diesen Aspekt.
(cr)









