Seitdem der Zusammenbruch von Lehman Brothers die Finanzkrise einläutete, entwickelte sich der Dollar-Index stets gegenläufig zu den Aktienmärkten. Doch in den letzten beiden Monaten hat sich das geändert: Dollar, Aktien und Rohstoffe haussieren im Gleichschritt. Bis zum Monatsende dürften alle drei erstmals seit 2008 in zwei aufeinander folgenden Monaten gleichzeitig zugelegt haben. Marktkenner werten das als Zeichen, dass der Dollar das Schlimmste hinter sich hat.
Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner misst, steigt so schnell wie seit zehn Monaten nicht mehr. In den 15 Monaten bis einschließlich Oktober hat der Dollar-Index sich in entgegengesetzter Richtung zum Aktienindex Standard & Poor’s 500 oder zum Rohstoffindex Reuters/Jefferies CRB Index entwickelt. In elf der 15 Monate stimmte seine Richtung weder mit S&P 500 noch mit dem CRB überein.
Der neue Gleichschritt an den drei Märkten signalisiert die wachsende Zuversicht für die US-Wirtschaft sowie für die Erwartung, dass die Notenbank Federal Reserve bald damit anfangen wird, dem Geldkreislauf einen Teil der 12 Billionen Dollar zu entziehen, mit denen sie die Rezession bekämpft hat. Bisher kletterte der Dollarkurs, wenn die Händler Schutz suchten vor den Turbulenzen, die die Kreditklemme seit 2007 mit sich brachte. Die US-Währung fiel, wenn der Markt das rekordniedrige Zinsniveau nutzte, um Dollar zu verkaufen und mit dem Erlös einträglichere Vermögenswerte in Übersee zu erwerben.
“Die enorm Dollar-negative Stimmung” am Markt “erlebt eine Korrektur”, sagt Adnan Akant, Chefdevisenhändler bei Fischer Francis Tree & Watts in New York. Vor zwei Wochen begann das Unternehmen, eine Tochter von BNP Paribas, auf Dollar-Gewinne zu setzen.
Der Dollar-Index - der die Wertentwicklung der US- Währung gegenüber Euro, Yen, Pfund Sterling, kanadischem Dollar, Schweizer Franken und schwedischer Krone abbildet - ist in diesem Jahr 4,4 Prozent gesunken. Er ist dabei, die Neigung abzulegen, zu fallen, wenn die Aktienmärkte steigen und umgekehrt. Bis zum 1. Dezember bewegten sich der vom Intercontinental Exchange Inc. ermittelte Dollar-Index und die Aktienmärkte an sieben von zehn Handelstagen in diesem Jahr in entgegengesetzte Richtungen. Seit Monatsanfang sind sie an über der Hälfte der Handelstage gleichgerichtet verlaufen.
Bei am Montag dieser Woche acht verbleibenden Tagen, an denen in den USA in diesem Jahr noch gehandelt wird, hatte der Index seit Ende Oktober 1,9 Prozent gewonnen. Im selben Zeitraum hatten S&P 500 und CRB Index 6,4 Prozent bzw. 2,1 Prozent zugelegt. April und Mai 2008 waren die letzten beiden Monate, in denen sich die drei Indizes in dieselbe Richtung bewegten.
Dass sich alle drei Indizes in einem Quartal in dieselbe Richtung entwickeln, war zum letzten Mal 2005 der Fall. Im laufenden Quartal dürfte es sich erstmals wiederholen.
In der vergangenen Woche hat der Dollar-Index 1,6 Prozent zugelegt. Der Anstieg um 4,9 Prozent, den er seit seinem diesjährigen Tiefstand am 26. November verzeichnet, ist der steilste seit einer 17-tägigen Aufwärtsbewegung, die am 2. Februar endete.
Von Bloomberg analysierte Daten der Regulierungsbehörde Commodity Futures Trading Commission zeigen, dass Spekulanten am Devisenmarkt verstärkt auf den Dollar setzen. Während in den vorangegangenen sieben Monaten die Zahl der Wetten auf einen fallenden Dollar höher lag als die auf einen steigenden Greenback, hat sich das Verhältnis jetzt umgedreht. Am 15. Dezember überstieg die Zahl der von Hedgefonds und großen Spekulanten platzierten Wetten auf einen Wertzuwachs des Dollar gegenüber dem Euro diejenige der Wetten auf die gegenläufige Entwicklung um 16.448. Noch am 1. Dezember hatten die Dollar-Pessimisten das Übergewicht - ihre Kontrakte überstiegen die der Dollar-Optimisten um 22.151.
Am 4. Dezember trieb die Nachricht, dass die Arbeitslosenquote in den USA so stark gefallen war wie seit drei Jahren nicht mehr, den Dollar-Index 1,7 Prozent nach oben. Der Markt setzte verstärkt darauf, dass das Wirtschaftswachstum die Fed veranlassen werde, die Zinsen anzuheben.
“Wir erleben derzeit eine Trendwende, was die Einstellung des Marktes gegenüber dem Dollar angeht”, schrieb Dennis Gartman in seiner täglichen Kolumne Gartman Letter, und fuhr fort: “Wir benutzen den Ausdruck ‘Trendwende’ nicht oft.” Gartman aus Suffolk im Bundesstaat Virginia lag im Juni 2008 mit seiner Prognose eines Preisverfalls auf den Rohstoffmärkten richtig.
“Für die nächsten beiden Jahre werden die USA mehr Kapital anziehen können als die anderen Industriestaaten”, sagte Mark Farrington, Leiter Devisenhandel bei Principal Global Investors Europe Ltd. in London. Die Investoren locken die höheren Renditen als in Japan und Europa. Beispielsweise rentieren zehnjährige Treasuries 40 Basispunkte mehr als deutsche Bundesanleihen. “Die Aufwertungstendenz des Dollar wird sich beschleunigen.” In 18 Monaten, so glaubt Farrington, wird man für einen Euro 1,25 Dollar bekommen. Derzeit sind es noch 1,43 Dollar. (Bloomberg)


