Die isländische Notenbank lockert ihre Geldpolitik weiter. Um die Konjunktur zu stützen und die Verschuldungslast von Wirtschaft und Privathaushalten zu senken, hat die Notenbank in Reykjavik den Leitzins von bislang elf auf zehn Prozent gesenkt. Der Einlagensatz wurde von neun auf 8,5 Prozent zurückgenommen, teilte Sedlabanki mit. Die Notenbank wird weiterhin 28-Tages-Einlagenzertifikate mit einem maximalen Satz von 9,75 Prozent herausgeben. Das Volumen wird jeweils einen Tag vor der Auktion bekannt gegeben.
Vor etwa einem Jahr hatte Island nach dem Bankenkollaps des Landes eine Kapitalspritze des Internationalen Währungsfonds (IWF) über 4,6 Mrd. Dollar erhalten. Seitdem hat die Notenbank sechs Mal die Zinsen gesenkt, die damals auf einem Rekordhoch von 18 Prozent lagen. Aber sie bewegt sich dabei auf dünnem Eis. Einerseits will sie mit ihrer Geldpolitik die Binnennachfrage ankurbeln, andererseits muss sie einen Einbruch der Landeswährung Krone verhindern, da die Ende vergangenen Jahres eingeführten Kapitalverkehrskontrollen zurückgefahren werden. Durch den Finanzkollaps hatte auch die Währung stark gelitten. Sedlabanki hatte im September signalisiert, sie werde den Einlagensatz nutzen, um die Binnennachfrage zu steuern, wodurch der Druck, den Leitzins zu senken, abnimmt.
Die heutige Senkung sei eine “moderate” geldpolitische Lockerung, erklärte Notenbankgouverneur Mar Gudmundsson. Ein stabiler Wechselkurs der Krone sei nach wie vor das Kurzfristziel der Bank. Es könnte bis zu einem Jahrzehnt dauern, bis wieder Währungsstabilität erreicht ist, erklärte er. Seit der letzten Notenbanksitzung am 5. November hat die Krone gegenüber dem Euro 1,4 Prozent verloren. Die Jahresinflationsrate belief sich im November auf 8,6 Prozent, verglichen mit 17 Prozent ein Jahr zuvor. Der IWF hat vor starken Zinssenkungen gewarnt und geraten, die isländische Notenbank solle die Stabilität der Krone zu ihrem wichtigsten Ziel machen. Die Ende vergangenen Jahres verhängten Kapitalverkehrsbeschränkungen haben nicht verhindern können, dass die isländische Währung seit Ende März zum Euro elf Prozent verloren hat.
Weitere Zinssenkungen seien nicht möglich, bevor Island die Neuordnung des Finanzsystems abgeschlossen habe, erklärte Gudmundsson. Nach dem Zusammenbruch von Kaupthing Bank hf, Glitnir Bank hf und Landsbanki Islands hf blieben die Gläubiger auf Verbindlichkeiten von etwa 85 Mrd. Dollar sitzen. “Es hat bei der Sanierung des isländischen Finanzsektors erhebliche Fortschritte gegeben, was einen Grossteil der Unsicherheit nimmt”, erläutert Ingolfur Bender, Leiter Analyse bei Islandsbanki hf. “Wir haben einen Haushaltsvorschlag für das nächste Jahr, so dass der Markt eine Orientierungshilfe hat. Das wiederum verschafft der Notenbank mehr Spielraum. Ich rechne mit weiteren Zinssenkungen in Zukunft. Sie dürften aber moderater ausfallen als der Zinsschritt heute.”
(Bloomberg)









