Johann Rupert, der Verwaltungsratschef und designierte Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten Luxusgüterkonzerns Cie. Financière Richemont SA, weiß ein gutes Mittel gegen Hyperinflation. Wer sich Sorgen macht, dass die Liquiditätsschwemme, mit der die Zentralbanken der Welt die Konjunktur stützen, das Geld entwerten wird, der kann sich dagegen zum Beispiel mit einer exquisiten Halskette von Cartier oder einem Ring von Van Cleef & Arpels absichern.
“Wenn die Hyperinflation ausbricht, werden Sie so froh sein, die Dinger zwei oder sechs Monate zuvor gekauft zu haben”, erklärte Rupert vor wenigen Tagen gegenüber Investoren. “Wenn die Inflationsrate anzieht, werden die Leute in die Geschäfte strömen und Schmuck kaufen.”
Luxusgüter von Richemont aus der Zeit der Weltwirtschaftskrise konnten ihren Wert halten: Ein Einzelstück von Van Cleef & Arpels aus dem Jahr 1936 erzielte vergangenen Monat bei einer Auktion von Christie’s in New York einen Preis von 326.500 Dollar.
Rupert wird im nächsten Jahr bei Richemont den Vorstandsvorsitz von Norbert Platt übernehmen, der aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt. Wegen seiner pessimistischen Sichtweise trägt er auch den Spitznamen “Rupert, der Bär”. Aber seine jüngsten Bemerkungen seien weniger pessimistisch gewesen als seine Kommentare im Mai, als er soziale Unruhen prognostizierte und keine Anzeichen für eine zaghafte Erholung sah, finden Analysten.
“Ich habe noch nie so eine Phase wie im vergangenen Jahr mitgemacht. Bis heute haben sehr, sehr intelligente Leute total unterschiedliche Ansichten“,erklärte Rupert. Die Bandbreite reicht einerseits von Befürchtungen, dass sich die Rezession in noch etwas schlimmeres verwandelt bis andererseits zur Angst vor einer Hyperinflation. Beide Argumente sind sehr überzeugend. Daher versuchen wir, so zu agieren, dass wir in beiden Szenarien gut abschneiden.”
Auch hält er es für möglich, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Anleger mit Zinserhöhungen überrascht, was den Dollar anschieben würde, während die Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft die Europäer überraschen dürfte. “Die Fed wird von Grün nicht erst auf Gelb, sondern gleich auf Rot schalten”, prognostizierte Rupert. “Wenn sie eines Tages etwas machen, könnte sich der Dollar in die Gegenrichtung bewegen und bei all diesen Carry-Trades könnte das zu ernsthaften Verwerfungen führen.” Bei Carry-Trades leihen sich Investoren Geld in einem Land mit niedrigen Zinsen und investieren es in höher rentierliche Anlagen in einem anderen Land.
“Die USA werden sehr viel schneller wieder auf der Höhe sein als die meisten erwarten. Ich werde nie gegen die Vereinigten Staaten spekulieren. Damit sind eine ganze Reihe von Leuten pleite gegangen. Zwar gibt es wohl Turbulenzen bei den Aufräumarbeiten in der Wirtschaft, aber es handelt sich um ein sehr fleißiges und dynamisches Land, das anpassungsfähig ist.” (Bloomberg)


