Die chinesische Währungspolitik steht vor der größten Herausforderung seit Beginn der weltweiten Rezession. Ökonomen warnen, dass die Anbindung des chinesischen Yuan an den Dollar zu einer Blasenbildung bei Vermögenswerten führen könnte. Chinas Notenbankgouverneur Zhou Xiaochuan sieht derzeit wenig Aufwertungsdruck für den Yuan.
Dies könnte jedoch die ohnehin hohe Liquidität weiter steigen lassen. Denn die Währungsanbindung hat zu einer Expansion der Geldmenge um 29 Prozent und einem Zufluss spekulativer Gelder in Höhe von über 150 Mrd. Dollar beigetragen, berichtet China International Capital Corp. Der chinesische Aktienindex Shanghai Composite Index ist in diesem Jahr bereits um 74 Prozent geklettert und die Preise für Wohnimmobilien haben ein Rekordniveau erreicht.
“Wenn China an der Anbindung festhält, hat es keine Möglichkeit, eine Blasenbildung bei Vermögenswerten zu verhindern”, sagt Fred Hu von Goldman Sachs Group Inc. “Die Politiker hegen den Irrglauben, dass jegliche Aufwertung des chinesischen Yuan dem Exportsektor schaden werde.” Das Land lehnt Forderungen des Auslands ab, eine Aufwertung zuzulassen, nachdem sich die Exporte erholen.
China versucht, Arbeitsplätze zu schaffen und die soziale Stabilität über ein exportgetriebenes Wachstum zu erhalten. Das bedeutet aber, dass die Politik nicht bereit ist, die Kontrolle über die Währung zu lockern, sagen Hu und Ha Jiming, Chef-China- Ökonom bei China International Capital. Handelsminister Chen Deming erklärte am 1. November, der Yuan solle relativ stabil bleiben, um den Herstellern und Exporteuren zu helfen, die unter dem Nachfrageeinbruch aus dem Ausland leiden.
Seit Juli 2008 hat China den Yuan bei etwa 6,83 je Dollar belassen. In den drei Jahren zuvor hatte die chinesische Währung 21 Prozent zugelegt, nachdem die Kontrollen gelockert wurden. Goldman geht davon aus, dass der Yuan die nächsten drei, sechs und zwölf Monate jeweils bei 6,83 je Dollar verharren wird.
Wenn der Yuan gegenüber dem Dollar unverändert bleibt, stellt dies im Vergleich zu anderen Währungen eine Abwertung dar, da der Dollar seit März dieses Jahres stark gefallen ist. Beispielsweise hat er zum Euro in diesem Zeitraum elf Prozent an Wert verloren. China stehle den Industrieländern Arbeitsplätze und behindere eine weltweite Konjunkturerholung, indem es die Landeswährung niedrig halte, kritisiert Nobelpreisträger Paul Krugman. “Chinas schlechtes Benehmen stellt eine wachsende Gefahr für den Rest der Weltwirtschaft dar”, bemängelt er.
Angesichts des raschen Wirtschafts- und Kreditwachstums müsse China die Zinsen anheben, prognostizieren Ökonomen. Sie rechnen damit, dass die Notenbank im zweiten Quartal 2010 die geldpolitischen Zügel straffen wird. “Eine Zinserhöhung wird jedoch zu Kapitalzuflüssen führen”, erwartet Ha. “Der Anstieg der Aktivapreise ist hauptsächlich auf die mangelnde Unabhängigkeit der Geldpolitik zurückzuführen.”
Die Anbindung des Yuan an den Dollar sei für die Notenbank eine Zwangsjacke, weil sie ihre Möglichkeiten einer geldpolitischen Straffung und einer Verhinderung von Aktivablasen beschränke, erläutert T.J. Bond, Chef-Ökonom für Asien-Pazifik bei Bank of America-Merrill Lynch.
In diesem Jahr haben die chinesischen Banken bereits 1,3 Billionen Dollar an neuen Krediten vergeben, was die Investments in Wohnungen angeheizt hat. Diese stiegen im August um 35 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach einem Zuwachs von 20 Prozent im Juli. “Wenn das System mit Liquidität überflutet ist, wird diese ihren Weg in die Vermögenswerte finden, sei es in kommerzielle oder private Immobilien oder den Aktienmarkt”, sagt Zhang Xin, Vorstandsvorsitzender des Immobilienentwicklers Soho China Ltd.
Chinas Politik, die Binnenausgaben zu stimulieren und den Wechselkurs niedrig zu halten, werde zu einer Überhitzung der Konjunktur des Landes führen, erwartet Martin Feldstein, Professor an der Harvard University. “Die Währung wird aufwerten müssen”, sagt Peng Wensheng, Leiter China-Analyse bei Barclays Capital in Hong Kong. Das dürften die Zuständigen ab dem zweiten Halbjahr 2010 zulassen und den seit März verzeichneten Rückgang von etwa zehn Prozent auf handelsgewichteter Basis wieder umkehren, erwartet er.
Die Terminkontrakte, die den Wert des Yuan in einem Jahr spiegeln, zeigen einen Anstieg von 3,6 Prozent zum Dollar an. “Sie dürften minimale Aufwertungen zulassen. Aber in nächster Zeit sehe ich keinen grundlegenden Richtungswechsel”, erklärt Nouriel Roubini, Professor an der New York University.
(Bloomberg)






