Weltweit haben Banken so viele kurzfristige Verbindlichkeiten in ihren Bilanzen stehen wie seit mindestens 30 Jahren nicht mehr. Das rechnet die Ratingagentur Moody’s Investors Service vor. Gefahr droht den Kreditinstituten, wenn die Zinsen steigen: Dann könnten steigende Zinskosten die Gewinne abschmelzen lassen.
Bis 2015 werden rund 10 Billionen Dollar an Bankanleihen fällig, davon allein 7 Billionen Dollar in den Jahren bis 2012, schrieben die Analysten von Moody’s. Dabei sind nur Anleihen berücksichtigt, die Moody’s bewertet. Höhere Finanzierungskosten dürften den Banken entstehen, wenn sie kurzfristige Anleihen durch länger laufende ersetzen oder wenn die Leitzinsen steigen, so die Analysten. Auch ein plötzlicher “Stimmungsumschwung bei den Investoren” könnte die Kapitalkosten in die Höhe treiben, führten sie aus. “Die Frage ist, inwieweit diese Banken höhere Finanzierungskosten an ihre Kunden weitergeben können, oder ob sie sich mit kleineren Margen zufriedengeben oder ihre Bilanzen schrumpfen müssen”, erklärten die Analysten. Die durchschnittliche Laufzeit neuer Bankanleihen, die von Moody’s bewertet werden, ist in den vergangenen fünf Jahren von 7,2 Jahren auf 4,7 Jahre gefallen, geht aus dem Bericht hervor. So kurz war sie seit drei Jahrzehnten nicht mehr. In den Jahren 2005 bis 2009 haben Banken ein Rekordvolumen von 12 Billionen Dollar an Anleihen emittiert, die in der Bilanz erscheinen.
Im Vorfeld der Kreditkrise haben die Banken verstärkt kurzfristige Anleihen aufgelegt, um sich günstig zu refinanzieren und zu verhindern, dass sie hohe Zinsen auf längere Zeit festschreiben. Als die Kreditmärkte nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers Holdings einfroren, führten die staatlichen Stützungsprogramme, die Garantien für begrenzte Laufzeiten boten, zu einem erneuten Anstieg der kurzfristigen Emissionen, beschrieb Moody’s.
Besonders ausgeprägt ist der Trend zu kurzfristigen Finanzierungen in den USA und Grossbritannien. In den USA ging die durchschnittliche Laufzeit neuer Bankanleihen in den vergangenen fünf Jahren von 7,8 Jahren auf 3,2 Jahre zurück, in Grossbritannien fiel sie um 3,9 Jahre auf 4,3 Jahre. Weltweit ist die durchschnittliche Laufzeit um 2,5 Jahre zurückgegangen.






