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Lebensversicherer büßten 2008 ein Drittel des Finanzüberschusses ein   Facebook be



05.11.2009
 
Finanzkrise bescherte Branche in zwei Jahren zusätzlich 2,1 Mrd Abschreibungsbedarf

Durch die Finanzkrise haben die heimischen Lebensversicherer im Vorjahr ein Drittel ihrer Finanzüberschüsse eingebüßt. 2007 und 2008 dürfte der Assekuranz durch die Finanzkrise ein zusätzlicher Abschreibungsbedarf von 2,1 Mrd. Euro entstanden sein, geht aus einer neuen Studie des Wifo-Versicherungsexperten Thomas Url hervor. Für heuer rechnet die Branche mit 0,3 Prozent Einnahmenrückgang (darunter Leben -2,5 Prozent, aber Schaden/Unfall +1,2 Prozent, Krankenversicherung +3,5 Prozent). 2010 könnte sich das Prämien-Minus auf 1,3 Prozent ausweiten. Diese neuen Prognosen stammen vom Herbst, hieß es dazu vom Versicherungsverband zur APA.

2008 ist der Überschuss der Lebensversicherer aus der Finanzgebarung um 32,3 Prozent auf 1,641 Mrd. Euro gesunken, nach einer Verringerung um 6,9 Prozent auf 2,425 Mrd. Euro im Jahr davor. Durch die schlechte Finanz- und Kapitalmarkt-Situation im abgelaufenen Jahr sei ein Abschreibungsbedarf in fast allen Wertpapierkategorien erzeugt worden, so Url. Dementsprechend schlecht sei der Überschuss der Finanzgebarung in der Sparte Leben gewesen.

In allen Bereichen der Privatversicherungen seien 2008 die negativen Auswirkungen der Finanzmarktkrise zu beobachten gewesen, so der Wifo-Fachmann. Der hohe Abschreibungsbedarf habe in allen drei Sparten einen scharfen Rückgang der Finanzerträge bewirkt. Das versicherungstechnische Ergebnis der Sparte Leben wurde so negativ.

Ihre Kapitalanlagen habe die Branche angesichts der in der Finanzmarktkrise zu erwartenden Verluste "erstaunlich kräftig" ausgeweitet, wobei sich das Portfolio wieder zur Direktveranlagung in festverzinsliche Wertpapiere verschob. Durch diese Direktinvestments bewältigte die heimische Assekuranz die Probleme auf den Finanzmärkten leichter als ausländische Institute. Zudem habe sie durch Auflösung stiller Reserven die abschreibungsbedingten Verluste teils ausgleichen können. "Dieser Puffer", warnt Url, "wird mit der Umstellung auf Solvency II vermutlich verloren gehen, weil sich die Bewertung zum Marktwert überwiegend durchsetzen wird."

Die abschreibungsbedingten Verluste der heimischen Versicherer sind in die Aufwendungen für Kapitalanlagen und Zinserträge integriert. Nach Schätzungen des Wifo dürften in den abgelaufenen zwei Jahren ein zusätzlicher Abschreibungsbedarf von 2,1 Mrd. Euro entstanden sein, heißt es in der neuen Studie.

Die Kapitalanlagen der Versicherer insgesamt legten voriges Jahr von 69,9 auf 74,9 Mrd. Euro kräftig zu (ohne Depotforderungen). Dabei sank der Wertpapier-Anteil von 74,4 auf 67,9 Prozent (bei Anteilswerten von 33,8 auf 26,0 Prozentpunkten, dagegen stieg er bei Festverzinslichen von 40,6 auf 41,9 Prozentpunkte), der Anteil von Beteiligungen erhöhte sich von 14,6 auf 20,0 Prozent.

Die Rendite auf die Kapitalanlagen hat 2008 deutlich abgenommen. Erstmals seit 2002 fiel sie in der Lebensversicherung mit 3,4 Prozent hinter die Sekundärmarktrendite (Bund) von 4,1 Prozent zurück. In der Krankenversicherung war mit 2,4 Prozent eine besonders geringe Rendite zu verzeichnen, obwohl - wie Url anmerkt - die in Österreich übliche Altersrückstellung unter Umständen längere Veranlagungshorizonte zulasse als zum Beispiel Einmalerläge. In Schaden/Unfall betrug die Rendite der Kapitalanlagen 3,6 Prozent.

Die Preisanhebungen in der heimischen Assekuranz dürften heuer über der Teuerungsrate liegen - im Vorjahr war es umgekehrt. Bis August legten die Preiserhöhungen bei den Privatversicherungen heuer um 3,1 Prozent zu, gegenüber 0,5 Prozent Inflation, 2008 wurden die Polizzen bei 3,2 Prozent Inflationsrate nur um 1,4 Prozent teurer.

Für 2009 erwarte die Versicherungswirtschaft wegen der Unwetter im Frühsommer neuerlich eine Unterdeckung, "die vermutlich weitere Preisanhebungen zur Folge haben wird", so Url. Dies zeigten die aktuellen Werte für die Hausrats- und Bündelversicherung im VPI. Im Einzelfall könnte die Preiserhöhung über dem VPI liegen, da die Branche regionale Schadenhäufigkeiten über das Info-System Hochwasserrisikozonierung Austria (Hora) in der Prämiengestaltung berücksichtigen kann. Da auch die vorläufigen Zahlen für die private Krankenversicherung eine Rückkehr zur früheren Preisdynamik andeuten würden, "dürfte 2009 der Beitrag der Versicherungsprodukte zum allgemeinen Preisauftrieb steigen", erläutert der Wifo-Experte. (APA)


 
 

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