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Sal. Oppenheim-Verkauf: Das Ende einer 220-jährigen Bank-Tradition   Facebook be



29.10.2009
 
Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim muss in der Krise Schutz unter den Fittichen der Deutschen Bank suchen

Nach 220 Jahren verliert Europas größte Privatbank Sal. Oppenheim ihre Unabhängigkeit. Gebeutelt von der Finanzkrise und Fehlinvestitionen muss das 1789 gegründete Haus Schutz unter den Fittichen der Deutschen Bank suchen. Deutschlands größte Bank übernimmt den kleinen, aber feinen Konkurrenten samt einiger Tochterunternehmen für rund 1,3 Mrd. Euro.

Für die Deutsche Bank ist es ein großer Schritt nach vorn im lukrativen Vermögensmanagement für reiche Privatkunden. Immerhin verwaltete die Oppenheim-Gruppe mit rund 4.400 Mitarbeitern zuletzt Kundengelder in Höhe von 135 Mrd. Euro. Zusammen mit dem von der Deutschen Bank verwalteten Anlagevolumen von rund 171 Mrd. Euro macht dies das Frankfurter Geldinstitut künftig zum deutschen Marktführer in diesem gewinnträchtigen Geschäft. "Das ist eine hervorragende Grundlage für weiteres weltweites Wachstum in diesem Bereich", sagte Deutsche-Bank-Chef Ackermann.

Sal. Oppenheim galt seit Jahrzehnten als Bank der Reichen. Insbesondere alteingesessene Unternehmerfamilien legen ihr Geld hier an. Die vermögende Kundschaft schätzte den Dreiklang aus Vertrauen, Diskretion und Glaubwürdigkeit, wie Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter, noch vergangenes Jahr sagte.

Um die verwöhnten Kunden nicht abzuschrecken, solle die Vermögensverwaltung auch künftig unter der traditionsreichen Marke weitergeführt werden. Ausdrücklich räumte die Deutsche Bank den bisherigen Oppenheim-Gesellschaftern das Recht ein, an dieser Sparte mit bis zu 20 Prozent beteiligt zu bleiben. Matthias Graf von Krockow, Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter von Sal. Oppenheim, gewann der Entwicklung darum auch etwas Positives ab. "Wir freuen uns, unsere Kunden zukünftig aus einem starken Verbund heraus betreuen zu können und dabei die Stärken beider Häuser zu kombinieren", erklärte er.

Für die Privatbank ist es dennoch das Ende einer Ära. Denn die Übernahme durch die Deutsche Bank bedeutet auch die Zerschlagung von Europas größter Privatbank. Das Frankfurter Geldinstitut ist lediglich an der Vermögensverwaltung von Sal. Oppenheim interessiert. Andere Aktivitäten wie das Investmentbanking und die BHF-Bank dürften deshalb schon bald weiterverkauft werde. Als Interessent für das Investmentbanking gilt die australische Bank Macquarie. Für die BHF interessiere sich die Liechtensteiner LGT Bank, berichtete das "Handelsblatt".

Lange Zeit galt Sal. Oppenheim, eine der letzten unabhängigen Privatbanken, als Musterbeispiel stiller und effizienter Geldvermehrung. Doch die Finanzmarktkrise ging auch an der Traditionsbank nicht spurlos vorüber. Außerdem beschleunigten Managementfehler den Niedergang des Bankhauses, das 2008 erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg einen Verlust von 117 Mio. Euro ausweisen musste.

In den vergangenen Jahren hatte auch Oppenheim auf das lukrative, aber risikoreiche Geschäft mit komplexen Zertifikaten gesetzt. Als nach der Lehman-Pleite dieser Markt einbrach, zahlte auch Oppenheim die Zeche. Allein im Handelsergebnis wies das Bankhaus 2008 einen Verlust von fast 300 Mio. Euro aus.

Auch ihre Beteiligungen brachten der Bank zuletzt wenig Glück. Egal ob IKB-Pleite, Arcandor-Insolvenz, IVG-Krise oder der Zusammenbruch von Lehman Brothers - immer gehörte Sal. Oppenheim zu denen, die Geld verloren. Zudem sahen sich die Banker wegen der lange Zeit lukrativen Geschäfte der Oppenheim-Esch-Fonds ins grelle Licht der Medien gezerrt.

Zwar hat die Bank in den vergangenen Monaten massive Konsequenzen aus den Fehlern gezogen und etwa das Derivate-Geschäft drastisch zurückgefahren. Doch um die Unabhängigkeit des Hauses zu retten, reichte dies nicht mehr aus. (APA)


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