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Interview

'Anleger wollen Produkte, die sie verstehen'   Facebook be



19.05.2009
 
RLB OÖ-Vorstand Michaela Keplinger-Mitterlehner im Gespräch

Börse Express: Sie sind u.a. für das gesamte Privatkundengeschäft der RLB Oberösterreich verantwortlich. Inwiefern haben sich im Anlagebereich in den vergangenen Wochen und Monaten die Bedürfnisse und das Verhalten der Anleger geändert?

Michaela Keplinger-Mitterlehner
: Es hat sich einiges verändert. Es besteht ein Trend zur Einfachheit, zur Sicherheit, zur jederzeitigen Verfügbarkeit des Geldes. Erst in den letzten Wochen, als die Verzinsungen stark nach unten tendierten, zeigte sich wieder eine Bereitschaft der Anleger, über eine Streuung der Investments nachzudenken. Ich spreche jetzt von einer simplen Laufzeitenstreuung, einem Investment in Anleihen oder einer schrittweisen Hinwendung zu Aktien oder Aktienfonds. Eine gewisse Rationalität kommt in den Markt zurück, sowohl bei Aktien als auch bei Anleihen. Die zuletzt aufgelegten Unternehmensanleihen, etwa von der voestalpine oder der OMV, waren bei Privatanlegern sehr stark nachgefragt. Hier hätten wir das zwei- oder dreifache Volumen verkaufen können. Die Spreads im Bereich der Unternehmensanleihen sind zuletzt deutlich gesunken, die Verzinsung der Anleihen ist für den Privatanleger geradezu perfekt.

BE: Wie verhalten sich die institutionellen Investoren?

Keplinger-Mitterlehner: Auch hier beobachten wir, dass sie wieder in den Markt zurückkehren. Das erfolgt allerdings schrittweise.

BE: Wozu raten Sie privaten Anlegern derzeit generell bei der Asset Allocation?

Keplinger-Mitterlehner: Die letzte Phase hat wieder einmal gezeigt, dass es für manche Anleger besser ist, nicht über Aktien nachzudenken. In diesem Zusammenhang fällt mir immer Kostolany ein: Gut essen und gut schlafen ist eben in vielen Fällen nicht möglich. Aktien sind immer mit einem gewissen Risiko verbunden. Daher zeige ich Kunden oft auch gerne einen Renditevergleich der vergangenen Jahre. Beim ATX gab es Jahre mit plus 60% und plus 50%. Der Anleger muss aber auch bereit sein, ein Jahr mit Kursverlusten von -61%, wie 2008 der Fall, durchzustehen.

BE: Worauf legen Sie in der Beratung die Schwerpunkte?

Keplinger-Mitterlehner: Wir stellen das Thema Sicherheit stärker in den Vordergrund und auch einfachere Produkte. Viele Anleger wollen in ein Produkt investieren, das sie verstehen. Früher war es oft der "gute Tipp" eines Bekannten, auf den man gesetzt hat. Jetzt steht das Verständnis im Vordergrund. Darauf gehen wir in der Produktauswahl und in den Beratungsunterlagen natürlich ein.

BE: Sind Produkte mit Kapitalgarantie ein Thema?

Keplinger-Mitterlehner: Das sehe ich momentan noch nicht, auch weil diese für den Anleger nicht so leicht zu durchschauen sind und eine Garantie natürlich immer kostet.

BE: Was sind "einfache" Produkte?

Keplinger-Mitterlehner: Etwa eine RLB-Bankanleihe. Die Kepler KAG hat etwa mit dem 2Kepler Rent 2014“ einen Laufzeitenfonds, der in sämtliche Renten-Anlageklassen investiert. Oder der "Kepler Öko Energien“, der investiert in Aktien internationaler Unternehmen, die den Sektoren saubere und nachhaltige Energie zuzuordnen sind.

BE: Bei der Privat Bank betreuen sie wohlhabendere Privatkunden und Stiftungen. Wie hat sich bei diesen Gruppen das Anlageverhalten geändert?

Keplinger-Mitterlehner: Die Entwicklung verläuft parallel, auch hier ist das Sicherheitsbedürfnis gestiegen. Es ist auch ein stärkerer Trend zur Investition in Wohnobjekte erkennbar.

BE: Wie sind die ersten Monate der RLB OÖgelaufen?

Keplinger-Mitterlehner: Sehr gut. Wir streben bei Finanzierungen ein zweistelliges Wachstum an. Auch im Veranlagungsbereich ist das Geschäft sehr gut angelaufen.

BE: Und wie stehen Sie zur sogenannten Kreditklemme?

Keplinger-Mitterlehner: Ich wundere mich immer wieder darüber. Wir hatten 2008 bei den Forderungen gegenüber Kunden ein Wachstum von knapp 30%. Teurer ist das Geld geworden, aber bei Privatkunden, also im Wohn- und Konsumbereich, wird jede Bank bemüht sein, Kunden zu gewinnen. Im Bereich der Grossinvestitionen ist es vielleicht ein Thema. Aber hier muss man auch berücksichtigen, dass die Eigenmittel-Anforderungen gestiegen sind. Ein grosses Immobilienprojekt mit lediglich 20 Prozent Eigenmittel wird wohl nicht möglich sein.

BE: Zur RLB OÖ gehört die Kepler KAG. Jetzt mehren sich die Berichte, dass in der Fondsbranche stark rationalisiert und umstrukturiert wird. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Keplinger-Mitterlehner: Das ist bei uns kein Thema, weil wir generell sehr schlank strukturiert sind. Wir sind die fünftgrösste KAG in Österreich, haben aber nur 40 Mitarbeiter. Wir haben bereits im Jahr 2007 begonnen, gegenzusteuern. So konnten wir einen Rückgang bei den Publikumsfonds etwa durch die Gewinnung von Mandaten im institutionellen Bereich abfedern.

BE: Und wie läuft das Geschäft bei der bankdirekt?

Keplinger-Mitterlehner: Die bankdirekt ist mit 14 Mitarbeitern ebenfalls sehr schlank aufgesetzt. Das Provisionsgeschäft war zuletzt zwar rückläufig, aber in einem überschaubaren Ausmass. Hier konnten wir durch Angebote im Geldanlagebereich gegensteuern. Die bankdirekt hat sich im Prinzip bereits zu einer Direkt-Vollbank entwickelt. Zuletzt haben wir das kostenlose Girokonto eingeführt.


Interview: Bettina Schragl

Aus dem Börse Express vom 18. Mai 2009


 
 

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