Die Affäre um Insiderhandel in den USA weitet sich aus. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Montag erfuhr, gehen die US-Börsenaufsicht SEC und die Staatsanwaltschaft weiteren "bedeutenden" Fällen nach. Es gehe um Finanz-Profis, die ebenfalls in Insiderhandel verstrickt seien. Dabei blieb jedoch zunächst unklar, ob die Ermittlungen im Zusammenhang mit dem jüngsten Skandal um den Hedgefonds-Gründer Raj Rajaratnam und Manager von mehreren US-Großkonzernen stehen.
Die SEC ist derzeit besonders aktiv, nachdem sie eine Reihe von internen Reformen umgesetzt hat, um Delikte im Finanzsektor besser verfolgen zu können. Experten rechnen deshalb in diesem Jahr mit einer wachsenden Zahl an Strafverfolgungen und spektakulären Fällen. Die Aufsichtsbehörde war in die Kritik geraten, weil sie Hinweise zu dem Milliardenbetrugssystem des Finanzjongleurs Bernard Madoff jahrelang ignoriert hatte.
In einer spektakulären Aktion hatten die US-Behörden am Freitag in New York den in Sri Lanka geborenen Milliardär und Hedgefonds-Chefs Raj Rajaratnam sowie fünf mutmaßliche Komplizen - Mitarbeiter in Großkonzernen - festgenommen. Als Insiderhandel-Netzwerk sollen sie mit vertraulichen Informationen verbotene Aktiengeschäfte getätigt und so illegal 20 Mio. Dollar (13,4 Mio. Euro) verdient haben. Der 52 Jahre alte Rajaratnam kam gegen eine Kaution von 100 Mio. Dollar vorerst auf freien Fuß.
Die in den Skandal verwickelte Konzerne bemühten sich, den Schaden zu begrenzen und betonten ihre Kooperation mit den Behörden. Die IT-Riesen IBM und Intel beurlaubten ihre zwei im Zuge der Affäre verdächtigten Top-Manager bis auf weiteres. Beide bestreiten die Vorwürfe.
Bei Intel soll laut Staatsanwaltschaft der in der Finanzabteilung arbeitende Rajjiv Goel den Betrügerring mit noch unveröffentlichten Details etwa zu anstehenden Quartalszahlen versorgt haben. Bei IBM steht Vizepräsident Robert Muffat im Verdacht. Er zählte bisher zu den möglichen Kandidaten für den Chefsessel des Konzerns.
Die Beratungsfirma McKinsey "schockiert" über die angebliche Beteiligung eines Mitarbeiters zeigte. Auch die Rating-Agentur Moody's geriet unter Druck, da einer ihrer Analysten Rajaratnam mit Informationen versorgt haben soll.
Rajaratnams Hedgefonds Galleon kämpft unterdessen um sein Überleben. Die Anleger des ziehen derweil laut "Wall Street Journal" scharenweise ihr Geld ab. Sie wollten demnach bereits mehr als ein Drittel der bei Galleon verwalteten rund 3,7 Mrd. Dollar zurückhaben, berichtete die Zeitung am Dienstag unter Berufung auf Händler.
Galleon hat bereits mit dem Verkauf von Aktienbeständen begonnen, um den Geldabfluss auszugleichen. Zwei seiner rund ein Dutzend Brokerhäuser - Bank of America Merrill Lynch und Barclays - haben dem Fonds dem Bericht zufolge mitgeteilt, dass sie keinen Handel mehr mit Galleon betreiben werden. Rajaratnam habe am Montag vor seinen Mitarbeitern seine Unschuld beteuert und sie angefleht, sich um die Investoren zu kümmern, hieß es weiter. (APA)






