Der Goldpreis ist in diesem Jahr auf ein Rekordhoch geklettert. Unter Berücksichtigun der Inflation bleibt er beim derzeitigen Stand aber meilenweit unter seinem Rekord aus dem Jahre 1980 zurück. Rechnet man den Anstieg der Verbraucherpreise in diesen knapp 30 Jahren ein, so liegt der Goldpreis selbst bei dem am 14. Oktober erreichten Jahreshoch von 1072 Dollar je Feinunze noch 53 Prozent unterhalb des Niveaus zu Beginn der achtziger Jahre. Der Goldpreis hat im Verhältnis zur umlaufenden Geldmenge noch ein gewaltiges Nachholpotenzial, sagen Experten.
So ist der Goldpreis in diesem Jahr um 19 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise in den zurückliegenden 30 Jahren sich nahezu verdreifacht haben. Gold hat in der Preisentwicklung demnach nicht mit den Kosten für Treibstoff, Brot oder medizinische Versorgung Schritt gehalten. Wäre das der Fall, so wäre Gold mit dem Rekordpreis von 873 Dollar je Unze aus dem Jahre 1980 heute rechnerisch 2287 Dollar wert sein, wie aus Berechnungen des US-Arbeitsministeriums hervorgeht.
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Der Goldpreis hat mittlerweile vor dem Hintergrund rekordhoher Staatsverschuldung und Leitzinsen nahe Null in vielen Ländern im neunten Jahr in Folge zugelegt. Optionen deuten zudem an, dass die Investoren derzeit mit einer Fortsetzung der Rally des Goldpreises rechnen. “Gold ist keineswegs auf einem Höchststand”, sagt der Chefökonom Martin Murenbeeld vom Vermögensverwalter DundeeWealth Inc. im kanadischen Toronto. Der Goldpreis befinde sich derzeit aber in einer Phase, wo er gegenüber der weltweit ausgeweiteten Geldmenge aufhole.
Der US-Dollar Index - ein Maß zur Berechnung des Wertes der Devise gegen einen Korb von sechs Währungen der wichtigsten Handelspartner der USA - hatte Mitte Oktober den niedrigsten Stand seit 14 Monaten erreicht. Die Regierung unter Präsident Barack Obama hatte in diesem Jahr massiv auf die Ausweitung der Staatverschuldung gesetzt und das Volumen handelbarer Staatsanleihen um 22 Prozent auf mehr als sieben Billionen Dollar erhöht.
Wer derzeit auf einen weiter steigenden Goldpreis setzt, begründet das mit der Überlegung, dass die Regierungen der Welt für eine konjunkturelle Erholung zunächst auf eine höhere und schnellere Inflation setzen müssen. Das sind Zeiten, in denen Gold als Inflationsabsicherung verstärkt gefragt ist. “Mit Gold sichert man sich gegen die Abwertung der Währungen ab”, stellte Hedgefondsmanager John Brynjolfsson von Armored Wolf LLC im kalifornischen Aliso Viejo fest. Nach seiner Prognose wird der Goldpreis über 2000 Dollar je Feinunze steigen.
Bankanalysten teilen diese Ansicht. So haben die Experten von JP Morgan Chase & Co. am 9. Oktober ihre Prognose für den durchschnittlichen Goldpreis im kommenden Jahr von 950 auf 1006 Dollar je Unze erhöht. Die Deutsche Bank AG rechnet aktuell mit 1150 Dollar, was 32 Prozent oberhalb der letzten Schätzung aus dem Juli liegt. Und Barclays Capital hatte am 12. Oktober erklärt, dass die “Aussichten für einen Goldpreis von 1500 Dollar nicht unterschätzt” werden sollten.
Nochmals deutlichere Aufschläge beim Goldpreis erwartet Ökonom John Williams von Shadowstats.com im kalifornischen Berkeley: Um den Rekordstand des Jahres 1980 inflationsbereinigt zu übertreffen, müsse sich der Preis des Edelmetalls noch mehr als versechsfachen, sagt er. Die US-Regierung habe in den letzten zwei Jahrzehnten den Anstieg der Lebenshaltungskosten für den Verbraucher zu niedrig angesetzt. “Wäre die Methodik zur Ermittlung des Preisauftriebs noch dieselbe wie 1980, müsste der Goldpreis auf 7150 Dollar steigen, um den Rekord von damals zu erreichen”, sagt er.
Gold wird zur Absicherung gegen die Inflation von einem anderen Rohstoff geschlagen: Rohöl ist nach Ansicht von Matt Zeman von der LaSalle Futures Group LLC in Chicago als Absicherung bedeutend effektiver. “Wer in den achtziger Jahren Gold gekauft hat, der verliert immer noch Geld”, sagt Zeman. Öl hingegen habe inflationsbereinigt bereits vor zwei Jahren seinen 1981 erreichten Rekordstand überschritten. (Bloomberg)









