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Bilanzreparaturen dämpfen globale Wachstums- und Inflationsraten   Facebook be



21.12.2012
 

Die Wachstumsaussichten für 2013 sind verhalten: Die um ihre finanzielle Gesundung bemühten Industrieländer ziehen die besser aufgestellten Schwellenländer mit nach unten. Entscheidend ist das Tempo des Schuldenabbaus in den privaten und öffentlichen Sektoren der entwickelten Volkswirtschaften, meint John Greenwood, Chefökonom von Invesco.

„Dass sich diese Probleme nicht mit dem Zauberstab der Fiskal- oder Geldpolitik lösen lassen, ist klar“, so Greenwood in seiner Wirtschaftsprognose für 2013. „Eine expansive Haushaltspolitik gefährdet die Kreditwürdigkeit der Staaten, und eine expansive Geldpolitik kann keine Wirkung entfalten, wenn Haushalte und Unternehmen keine Kredite aufnehmen wollen und die Banken kaum Kredite vergeben.“ Greenwood rechnet mit einem langwierigen Prozess der Bilanzgesundung und dementsprechend unterdurchschnittlichen Verbraucherausgaben und Unternehmensinvestitionen in grossen Teilen der entwickelten Welt in den kommenden Jahren.

Entsprechend gedämpft ist auch der Ausblick für die Aktienmärkte. Trotz der zwischenzeitlichen Rallye der Risikoanlagen meint Greenwood, dass sich die makroökonomischen Daten noch nicht ausreichend verbessert haben, um höhere Assetpreise zu rechtfertigen. „Mit ihren OMT- und QW3- Programmen drehen die EZB und die Fed den Geldhahn massiv auf. Aber die Anleger wissen, dass die fundamentale Problematik der überschuldeten Haushalte und Regierungen und risikoaversen Banken in den Industrieländern dadurch noch nicht gelöst ist“, so Greenwood.

In den USA ist das Bankensystem inzwischen auf dem Erholungspfad, und auch der Schuldenabbau der privaten Haushalte ist bereits weiter fortgeschritten als in Grossbritannien oder der Eurozone. Dafür droht den USA der Sturz über die „fiskalische Klippe“ automatischer Sparmassnahmen und Steuererhöhungen mit einem Gesamtvolumen von knapp 3,5% des BIP. Nach der Wiederwahl von Präsident Obama und angesichts der ansonsten drohenden Rezession hält Greenwood einen Kompromiss zwischen beiden Seiten im US-Kongress für wahrscheinlich. Komplett vermeiden liessen sich die negativen Auswirkungen auf das BIP aber auch so nicht, so dass er 2013 erneut mit einem BIP-Wachstum von nur 2% rechnet bei einer relativ niedrigen Verbraucherpreisinflation von 1,7%. Derweil gibt es in der Eurozone trotz massiver Stimulusmassnahmen durch die EZB kaum Hinweise auf eine Erholung. Bei der Bilanzgesundung hinken die Euro-Banken den US-Banken deutlich hinterher, und selbst in den finanziell gesünderen Kernländern haben sich die Wachstums- und Stimmungsindikatoren im Zuge der rückläufigen Exporte in die Peripherie- und Schwellenländer in den letzten Monaten eingetrübt. „Die Peripherie infiziert den Kern“, so Greenwood. Durch das schrumpfende BIP sind die Verschuldungsquoten der Randstaaten nicht gesunken, sondern gestiegen, was die Laufzeit der auferlegten Sparprogramme verlängern dürfte. In der Eurozone rechnet der Chefvolkswirt von Invesco 2013 mit einem realen BIP-Wachstum von -0,2%. Gedämpft durch das niedrige Geld- und Kreditwachstum, die hohe Arbeitslosigkeit und Überkapazitäten werde die Inflationsrate nur bei 1,7% liegen.

In Grossbritannien machen die Bilanzreparaturen im privaten und öffentlichen Sektor gute Fortschritte. Dennoch geht Greenwood von „zwei schmerzhaften Legislaturperioden“ aus, da die britischen Banken und Haushalte genauso wie die britische Regierung stark überschuldet in die Krise gestartet sind. Sofern der Inflationsdruck gering bleibt, rechnet Greenwood für 2013 mit einer Rückkehr zu positiven Einkommenszuwächsen für die privaten Haushalte. Da den britischen Banken und der britischen Regierung jedoch ein langwierigerer Entschuldungsprozess bevorsteht, prognostiziert Greenwood für 2013 ein BIP-Wachstum von maximal 1,0-1,5%. In Japan wird sich das Wachstum 2013 voraussichtlich auf 1,4% verlangsamen, da die japanische Wirtschaft weiter mit den Folgen der jahrzehntelangen Überschuldung im privaten Sektor zu kämpfen hat und die Binnenwirtschaft zu schwach ist, um die rückläufige Aussennachfrage zu kompensieren. Der günstigere Yen dürfte zwar den Abwärtsdruck auf die Preise dämpfen. Angesichts der schwachen Binnennachfrage erscheint ein höheres Inflationsziel für die japanische Notenbank aber weiter unerreichbar. Für 2013 prognostiziert Greenwood eine marginal positive Verbraucherpreisinflation von 0,1%.

Obwohl China und die meisten asiatischen Volkswirtschaften fundamental besserer aufgestellt sind als die Industrieländer, hat die chinesische Wirtschaft unter dem Druck binnen- und aussenwirtschaftlicher Faktoren deutlich stärker an Fahrt verloren als die offiziellen Zahlen vermuten lassen. Der Prozess der politischen Machtübergabe verzögert eine koordinierte staatliche Reaktion auf den Abschwung. Hinzu kommt die hohe Abhängigkeit der chinesischen Wirtschaft von den Exporten und Anlageinvestitionen – zwei Bereiche, die durch die weltweite Wachstumsschwäche besonders hart getroffen sind. „Längerfristig schwenkt China nach durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten von 10% in den Jahren 2001 bis 2010 auf einen moderateren Wachstumspfad mit Wachstumsraten von 5 bis 8% ein“, meint Greenwood. „Wie das Beispiel Japan zeigt, führen derart abrupte Anpassungen zumeist zu erheblichen Verwerfungen.“ Er rechnet für 2013 mit einem realen BIP-Wachstum von 7,6% bei einer Inflationsrate von 1,7%.

Die Aussichten für die anderen asiatischen Volkswirtschaften sieht der Chefvolkswirt von Invesco ähnlich – „gedämpft durch die Exportschwäche und die Unfähigkeit oder fehlende Bereitschaft der Regierungen, zu massiv zu intervenieren, um keine Verschlechterung ihrer Zahlungsbilanz zu riskieren“. Die Lockerung der Kreditkonditionen in einigen Ländern der Region hält Greenwood nicht für ausreichend, um den globalen Trend hin zu niedrigeren Wachstums- und Inflationsraten umzukehren.


 
 

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