Cafe BE: Stichwort Finanztransaktionssteuer – a.) wie ist da Ihre Meinung dazu und b.) trifft die Steuer das Geschäft in irgendeiner Form und Weise? Das mit dem Geschäft treffen kann ich mir bei Ihnen Herr Gerdes wohl ersparen …
Klaus Gerdes: Bei uns wird sich die Steuer wohl kaum niederschlagen, da es in der Aktie nicht sehr viele Day-Trader gibt.
Persönlich sehe ich diese Steuer gemischt: Aus der Sicht des Bürgers könnte sie durchaus sinnvoll sein, wenn damit die Risken des sekundenschnellen Handels, mit ihren riesigen Ausschlägen, ausgebügelt werden. Auf der anderen Seite verteuert die Steuer aber auch wieder und wird wohl an die Kunden weitergegeben.
Auch wird die Anlagekategorie Aktie damit unattraktiver, das finde ich aus Kundensicht ebenfalls nicht gut.
Stefan Hänel: Aus Unternehmenssicht sehe ich das positiver, da bei uns sehr viele auf Tagesbasis traden. Die Steuer wird vielleicht die Volatilität in der Kursentwicklung dämpfen, wenn das Zocken, das Daytraden aus der Aktie draussen ist. Die sich dann für den privaten und auch den institutionellen Anleger in stabilen Bahnen entwickeln kann.
Persönlich sage ich: Wenn, müssen das in Europa alle machen. Sonst verlieren wir am Standort Deutschland oder Österreich enorme Vorteile. Dann geht alles nach Grossbritannien, oder die USA werden wieder ganz stark.
Die Frage ist auch, ob diese Steuer das richtige Mittel ist, um die Branche zu regulieren. Leerverkäufe unterbinden oder das Leveragen in Hedgefonds in einem gewissen Rahmen – damit könnte ich mich anfreunden. Oder mit ethischen Gründen, wie gehebelt auf Lebensmittel spekulieren. Das reine Termingeschäft hilft ja auch dem Erzeuger; Aber alles, was da oben noch drauf gepackt wird - da gehört eingegriffen.
Werner Painsy: Auf Fondsebene trifft die Finanztransaktionssteuer vor allem den Anleger. Das kann nicht im Interesse der Politik sein.
Johannes Rogy: Dem stimme ich zu: Bei Transaktionskosten, die durchgereicht werden, muss man sagen, am Ende des Tages zahlt es der Kunde - die Banken und Fondsgesellschaften haben auch einen administrativen Mehraufwand. Solange die Steuer aber nicht in ganz Europa gilt, könnte ich mir vorstellen, dass diese von der Branche gar nicht akzeptiert wird. Wie kommen jetzt etwa österreichische und deutsche Banken dazu die Steuer einzuheben und zu zahlen. Und nahe Länder wie Luxemburg oder Belgien machen nicht mit.
Peter Pavlicek: Das Ganze ist Geldbeschaffung und Dirigismus, wie ihn eine geeinte EU eigentlich nicht braucht. Nicht einmal die Hälfte der Mitgliedsstaaten macht mit. Das wäre so, wie wenn Utah und Florida etwas beschliessen, und in New York und LA halten sie sich daran; Das wäre unmöglich.
Daher ist die Steuer so absolut abzulehnen - es schafft keine Einheit, es teilt. Eigentlich müsste sich Wettbewerbskommissar Olli Rehn einschalten, denn hierbei handelt es sich um eine eindeutige Wettbewerbsverzerrung. Wenn alle mitmachen, ist es etwas anderes.
Werner Painsy: Für uns als Branche wird weniger die Finanztransaktionssteuer Thema sein, es wird vielmehr die Zinszugewinnsteuer. Diese hat jeder Anleger bisher nur auf dem Papier gesehen, keiner gezahlt. Jetzt ist es aber soweit, dass in Cash abgebucht wird. Das macht es der Fondsbranche nicht einfacher ...
Peter Pavlicek: Ich möchte Anfang Jänner kein direkter Kundenberater sein. Der Erklärungsbedarf wird enorm zeitaufwändig sein.
Johannes Rogy: Für die Förderung des Anlage- bzw. Vorsorgegedankens ist die Steuer jedenfalls nicht förderlich - der nächste Dämpfer für die Veranlagungsbranche. Die Transaktionssteuer sieht der Kunde nicht, die Abbuchung der Zinszugewinnsteuer schon.
Den kompletten Roundtable finden Sie unter http://bit.ly/






DNB
Vontobel
weiterlesen