Der Weltspartag hat schon bessere Zeiten gesehen. In den 70er Jahren standen die Kunden noch Schlange, um ihre übers Jahr gesammelten Münzen und Scheine auf das Pult zu leeren und mit einer Kiste an mehr oder minder sinnvollen Geschenken von dannen zu ziehen. Besonders für Kinder war es damals noch spannend. Die Bankangestellten mussten Überstunden schieben und auch Urlaubssperren waren nicht ungewöhnlich.
Inzwischen ist der Weltspartag eine eher trübselige Angelegenheit. Denn das Geld hat eine seiner wichtigen Funktionen, die der Wertaufbewahrung, verloren. Mit dem Geld, das man heute einzahlt, wird man in 10 Jahren bedeutend weniger kaufen können als heute. Und das trotz jährlich gutgeschriebener Zinsen. Dabei ist der Staat nicht unschuldig. Nicht nur, weil Inflationsstatistiken manipuliert werden, um eine tiefere Inflation vorzugaukeln, oder weil die längst nicht mehr unabhängigen Notenbanken eine Zinsrepression betreiben, sondern weil die Sparer auf die nicht einmal die Inflation abdeckenden Zinsen auch noch mit einer 25%igen Steuer belastet werden.
Sparen bringt also nichts mehr, sondern ist zu einem kollektiven Akt der Vermögensvernichtung geworden. Noch haben die Österreicher und Deutschen die Lust am Sparen nicht verloren, in Deutschland werden immer noch 10,4% des Einkommens auf die hohe Kante gelegt, doppelt so viel wie etwa in den USA. Die deutschen Spareinlagen belaufen sich auf über 600 Mrd. Euro, rechnet man noch Sparbriefe und Termineinlagen dazu, kommt man in die Größenordnung einer Billion. Aktienanlagen nehmen sich mit 230 Milliarden oder 5% des Gesamtvermögens von 4,8 Billionen dagegen bescheiden aus.
Würden sich die Anleger der Sinnlosigkeit des Sparens bewusst werden, wäre die Konsequenz, entweder in besser rentierende Produkte zu investieren oder das Geld lieber gleich auszugeben. Dies sollte zumindest die Botschaft zum diesjährigen Weltspartag sein, die viele nicht gerne hören werden.
(cr)






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