Es mag natürlich alles reiner Zufall sein, dass fast gleichzeitig mehrere Artikel den Verkauf von Bundesbank-Gold propagieren. Der eine stammt aus der Feder des Kolumnisten Wolfram Weimer (http://www.handelsblatt.com/ ). Die Aussagen sind hinlänglich bekannt und haben einen Bart, der sich schon um die ganzen Alpen wickeln dürfte. Goldreserven hätten seit dem Ende von Bretton Woods keinen Sinn und seien totes Kapital. Gold bringe keine Zinsen (das musste kommen, dass man es nicht essen kann, hätte auch noch erwähnt gehört). Wäre das Gold vernünftig angelegt, gäbe es Jahr für Jahr Milliarden an Sondererlösen. Angelegt in was wohl, kann man sich fragen? In PIIGS-Staatsanleihen, wo es dann statt den enormen Sondererlösen einen Haircut gibt, ein ähnlich gutes Geschäft wie die Griechenlandkredite? Stehen diese Länder mittels Target 2 nicht auch so schon zur Genüge in der Kreide bei der Bundesbank? Doch unbeirrt schlägt der Kolumnist eben das vor: „So könnten wir die Golderlöse in italienische, spanische und portugiesische Staatsanleihen investieren!“ Welch hervorragende Idee! Und ein starkes Vertrauenssignal für den Euro wäre es auch noch, kann man lesen.
Der zweite Artikel ist nicht weniger sinnentleert, auch wenn hier ein Wirtschaftsforscher seine Erkenntnisse zum besten gibt. Gustav Horn, Leiter des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, schreibt in einem Kommentar für die „Welt am Sonntag“ ebenfalls das Gold in Grund und Boden (http://www.focus.de/ ). Ein Teilverkauf der Goldreserven „würde den Bundeshaushalt schonen und so den konjunkturpolitischen Spielraum des Staates in Zeiten der Schuldenbremse erhöhen.“ Nur wozu, wenn ohnehin die Zentralbanken schon die Notenpressen heiß laufen lassen, um die Wirtschaft zu stimulieren, was im übrigen nicht funktioniert? Das Gold wäre fort und gebessert hätte sich nichts. Vor allem: Ginge es nach solchen Ratgebern, wäre das Gold wohl schon zum Gordon-Brown-Tief unter 300 USD verkauft worden (http://www.foonds.com/ ). Das Gold war ja immer schon so manchen ein Dorn im Auge.
Dass sich auch der SPIEGEL in die Anti-Goldschlacht wirft, dürfte niemanden ernsthaft verwundern: „Hinter dem Goldwahn steckt eine unausgesprochene Ideologie, die eine Rückkehr in eine vorindustrielle, vordemokratische Welt propagiert“, meint Wolfgang Münchau. Und: „Ein neuer Goldstandard .... wäre das Ende jedes Krisenmanagements.“ Ob das so schlimm wäre, kann man sich fragen. Denn immerhin gab es den größten und am längsten anhaltenden Wirtschaftsaufschwung unter dem Goldstandard, sowohl in Amerika als auch in Europa. Nämlich im 19. Jahrhundert bis vor den Ersten Weltkrieg.
Man könnte aufgrund solcher „zufällig“ lancierter Kommentare durchaus ins Grübeln kommen, ob es sich hier um eine Kampagne gegen die Forderung des Bundesrechnungshofes nach der Prüfung der Goldbestände handelt. Hat jemand Angst vor den Ergebnissen einer Prüfung der seit Jahrzehnten nie überprüften Goldvorräte?
(cr)






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