Im Rahmen eines Workshops wurde rund 70 Bürgermeistern und Beamten die Möglichkeit geboten, Fördermittelexperten zu konsultieren und politische Einschätzungen einzuholen. Tudor Pendiuc, langjähriger Bürgermeister von Piteşti, unterstrich die Bedeutung der europäischen Fördermittel für die regionale und lokale Entwicklung in Rumänien. "Ihre unzureichende Verwendung zeigt, dass unser Land noch größere Schritte in Richtung Regionalsierung und Dezentralisierung machen muss", so Pendiuc, der seit 1992 der Stadt Piteşti vorsteht. Mihail Fifor, Staatssekretär für Verwaltung und Inneres, verwies auf den Willen der neuen Regierung, die internen Verwaltungsstrukturen Rumäniens zu ändern, damit die finanziellen Mittel der EU besser und schneller verteilt werden könnten. Als mögliche Inspiration würde das französische Modell dienen, welches eine effiziente Gliederung der Gebietskörperschaften durch demokratisch gewählte Bezirksvertreter legitimiert. "Die heutige Veranstaltung des IRE braucht mehr als nur die Rede eines Ministeriumsvertreters: es werden neue Ansätze benötigt", unterstrich Staatssekretär Fifor erneut das Engagement der Regierung in Bukarest.
IRE-Vorsitzender Franz Schausberger nannte die Voraussetzungen für eine erfolgreiche ökonomische und gesellschaftliche Regionalentwicklung. "Nur Personen die mit dem Territorium stark vernetzt sind und seine Eigenheiten und Potentiale genau kennen, sind im Stande, die Probleme zu lösen." Es sei daher notwendig, dass die Verteilung der europäischen Mittel Kompetenz der Regionen ist. «Verfügen diese über eine verantwortungsbewusste Verwaltung und einen politischen Entscheidungsträgern, welche demokratisch legitmiert sind, ist eine positive Entwicklung möglich», so der ehemalige Salzburger Landeshauptmann. Wie ein solcher Ansatz aussehen kann, erklärte Götz von Thadden, der als Verantwortlicher für Mittel- und Osteuropa das JESSICA Programm der EIB in Luxemburg leitet. Gegenwärtig nehmen 40 europäische Städte den Städtischen Entwicklungsfond (SEF) der EIB in Höhe von 1,8 Mrd. Euro in Anspruch - Rumänien ist gegenwärtig noch nicht vertreten. Von Thadden nutzte die Gelegenheit, die anwesenden Bürgermeister zu Kooperationsvorschlägen und Pilotprojekten einzuladen, mit denen der SEF auch in Rumänien etabliert werden kann. Von Thadden leitet seit mehreren Jahren die Vertretung der Europäischen Investitionsbank in Bukarest und weiß daher nur zu gut, welche Potentiale in den rumänischen Städten stecken.
Auf großes Interesse stießen die Ausführungen von Mihaela Boboc und Adrian Raducan. Boboc ist als Expertin für EU-Fonds im Unternehmen Becker Consult tätig und gab dem Publikum wertvolle Empfehlungen in Bezug auf das Management von EU-Projekten. «Bei Projekten und Aktivitäten, welche von der EU mitfinanziert werden, fällt ein großer Aufwand an entsprechender Dokumentations- und Planungsarbeit an. Die meisten Fehler basieren auf einer unrealistischen Einschätzung des zeitlichen Rahmens für die Ausarbeitung und Implementierung sowie auf den oft mangelhaften Kenntnissen in der öffentlichen Auftragsvergabe», so Boboc. Die Thematik aus Sicht der Banken stellte Adrian Raducan vor, der den Bereich der EU-Fördermittel bei Raiffeisen Rumänien leitet. «Banken sind die wichtigsten Partner, wenn es um den Kofinanzierungsanteil von Projekten geht und dementsprechend konnten wir in den vergangenen Jahren wichtige Erkenntnisse sammeln». Laut Raducan hat die Vergangenheit gezeigt, dass viele Antragssteller den Rahmen ihrer Projekte überbewerten, was in einem zweiten Schritt die Implementierung erschwert und zusätzlichen Aufwand schafft. Nichtsdestotrotz sei Raffeisen bemüht, Kunden von EU-Projekten zu überzeugen, da diese - sofern korrekt ausgeführt - weitreichende positive Synergieeffekte mit sich bringen würden, so Raducan.






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