Anleihen aus dem Finanzsektor befinden sich weltweit auf gutem Weg, dieses Jahr die beste Entwicklung aller Zeiten zu erreichen. Erste Investoren von der Fondsgesellschaft Pacific Investment Management Co. (Pimco) bis hin zum Anlagespezialisten DoubleLine Capital LP glauben inzwischen allerdings, dass die seit vier Jahren anhaltende Rally bald zu einem Ende kommen wird.
Anleihen von Banken wie JPMorgan Chase & Co. oder HSBC Holdings Plc steuern auf einen Ertrag von 15,4 Prozent für dieses Jahr zu - was die 15,2-Prozent-Rally von 2009 ausstechen würde, wie Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch zeigen. Darüber hinaus schlagen die Anleihen der Banken jene der Industrie um rund 4,3 Prozentpunkte im laufenden Jahr - so viel wie nie zuvor.
Vor diesem Hintergrund nehmen die Spekulationen zu, dass die Kursrally die Renditen inzwischen auf ein Niveau gedrückt hat, welches die Risiken nicht ausreichend kompensiert - etwa Risiken einer schwächeren Weltkonjunktur oder einer Verschärfung der europäischen Schuldenkrise, was die Banken belasten würde.
Noch vor 15 Monaten hatte Pimco, eine Tochter des deutschen Versicherungskonzerns Allianz SE, erklärt, die Bankanleihen hätten noch weiteres Potenzial Luft nach oben. Inzwischen verkauft Pimco die Papiere und setzt stattdessen lieber auf Anleihen aus den Branchen Energie und Baumaterialien.
“Die Rally bei Finanzanleihen ist im Wesentlichen vorbei”, erklärte Mark Kiesel, weltweiter Chef für Unternehmensanleihen-Portfolios bei Pimco, in einem Interview mit Bloomberg TV in dieser Woche. “Wir nehmen Gewinne mit, wir reduzieren unterm Strich jetzt unser Engagement.”
Der Abstand der relativen Renditen zwischen in Dollar denominierten Anleihen von Finanzunternehmen und von Firmen, die nicht aus dem Finanzsektor stammen, war zuletzt in etwa so gering wie seit Februar 2008 nicht mehr. Das geht ebenfalls aus Indexdaten von Bank of America Merrill Lynch hervor. Am 17. Oktober war die Differenz auf 34 Basispunkte zusammengeschrumpft, bevor sie sich in den folgenden Tagen leicht auf 39 Basispunkte weitete.
Die spanische Wirtschaftsleistung ist bereits seit fünf Quartalen rückläufig. Und Griechenland kämpft darum, die nächste Tranche aus dem internationalen Hilfspaket zu erhalten. Beides nährt Sorgen, die europäische Schuldenkrise könne womöglich die Finanzmärkte weltweit anstecken.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte erst in diesem Monat die eigene Prognose für das Wachstum der Weltwirtschaft im laufenden Jahr gesenkt. Sollte sich die Prognose bewahrheiten, dann würde beim weltweiten Wachstum das niedrigste Niveau seit der Rezession von 2009 erreicht werden.
Die Weltwirtschaft dürfte der neuen IWF-Schätzung zufolge im laufenden Jahr um 3,3 Prozent anziehen. Im Juli dieses Jahres hatte der Währungsfonds für 2012 noch einen Anstieg des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 3,5 Prozent erwartet. Die Wachstumsprognose für 2013 wurde von zuvor 3,9 Prozent auf nun 3,6 Prozent verringert.
“Die wichtigste Frage ist, ob die Weltwirtschaft innerhalb ihrer Erholung, die schon immer als langsam und holprig prognostiziert wurde, lediglich eine neuerliche Periode von Turbulenzen durchmacht, oder ob die derzeitige Abkühlung eine anhaltendere Komponente aufweist”, erklärte der IWF. “Die Antwort hängt davon ab, ob die Entscheidungsträger in Europa und den USA aktiv mit ihren kurzfristigen, wirtschaftlichen Herausforderungen umgehen.”
“Es ist recht schwer einen Katalysator für eine weitere Verengung der Bank-Spreads ausfindig zu machen”, sagte Bonnie Baha, weltweite Chefin für den Bereich Developed-Credit bei DoubleLine in Los Angeles. Das Unternehmen verwaltet ein Vermögen von mehr als 45 Mrd. Dollar. “Sie hatten einen grandiosen Lauf in diesem Jahr.”
(Bloomberg)






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