Längerfristig schon, derzeit scheint es noch nicht so. “Generell deuten die zuletzt veröffentlichten Daten auf eine erste Erholung der chinesischen Wirtschaft hin”, das schreiben die Analysten von Raiffeisen Research. „..zwar wächst auch China langsamer, aber die meisten Indikatoren legen eine „weiche Landung“ nahe. Zudem sehen wir erste Zeichen der Stabilisierung, weil konjunkturstimulierende Massnahmen greifen.”, blasen auch die Experten bei HSBC Global Asset Management ins gleiche Horn.
Kupferhändler, die noch vor einer Woche so pessimistisch waren, wei seit vier Wochen nicht mehr, sind heute wieder die grössten Bullen. Und 17 der von Bloomberg befragten 24 Analysten glauben, dass die Kupferpreise nächste Woche wieder steigen werden - der höchste Anteil an bullischen Prognosen seit einem Jahr. All dies, weil Chinas Industrieproduktion, Einzelhandel und Anlageinvestitionen im September unerwartet stark waren und das BIP-Wachstum des Q3 im Vergleich zum Vorquartal um 2,2% gewachsen ist und somit mehr als prognostiziert. Und all dies, obwohl das Wachstum der chinesischen Wirtschaft im dritten Quartal weiter an Schwung verloren hat und sich damit bereits seit sieben Quartalen verlangsamt.
So positiv die mögliche weiche Landung der chinesischen Wirtschaft auch scheint, sie birgt einen weiteren Dämpfer für die Rohstoffnachfrage und damit für deren Preise. Die starken September-Daten mindern nämlich für die staatlichen Behörden kurzfristig den Druck, zusätzliche Stimulusprogramme für die zweitgrösste Volkswirtschaft und den grössten Rohstoffverbraucher der Welt auf den Weg zu bringen. Dabei steht bald ein dazu wichtiger Termin an. Am 8. November tagt - wieder einmal nach fünf Jahren - der 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei, bei dem es zu einem Generationswechsel der führenden Politiker kommen wird. Normalerweise werden dabei von den neuen Männern an der Spitze auch neue Nuancen gesetzt. Das hat Tradition. 2008 wurde beispielsweise ein Konjunkturpaket im Wert von 500 Mrd. Euro beschlossen, womit sich China von den Problemen der Weltwirtschaft abkoppeln, durchstarten und die Rolle des Wachstumsmotors übernehmen konnte.
Derzeit halten aber nicht nur die Experten der UniCredit zusätzliche geldpolitische und steuerliche Stimuli für weniger nötig. Auch Song Guoqing, ein Berater der Peoples Bank of China, hat sich gestern wenig ermutigend dazu geäussert, Einerseits ist für ihn eine starke Erholung der chinesischen Wirtschaft unwahrscheinlich, andererseits wird die Regierung seiner Meinung nach keine allzu grossen Konjunkturanreize schaffen.
Für die kommenden Jahre schloss eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe jedenfalls, dass vor allem bei Industriemetallen die Nachfrage von Unternehmen aus China langsamer wachsen werde als die gesamte chinesische Volkswirtschaft. Denn die Industrialisierung sei so weit vorangeschritten, dass China weniger mineralische Ressourcen brauchen werde als im vergangenen Jahrzehnt. (cg)






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