Die Schuldenkrise führt zu einem radikalen Ausleseprozess unter den europäischen Fondsgesellschaften. Zu diesem Schluss kommt die Ratingagentur Fitch in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie. "Wir haben einen Markt in Europa, der nicht wächst", erklärte Analyst Roger Schneider.
Privatkunden griffen bei der Geldanlage immer mehr auf die grundsoliden Sparkonten bei den Banken zurück, während institutionelle Kunden wie Versicherer und Pensionskassen aus Kostengründen ihre Anlagen zunehmend selbst verwalteten. In diesem Umfeld könnten nur noch die stärksten Fondshäuser mit einem klaren Profil Mittelzuflüsse verbuchen, Anbieter aus der zweiten Reihe würden verdrängt. "Die Branche hat einen grossen Anpassungsbedarf."
Dass selbst grosse Konzerne wie die Deutsche Bank ihre Vermögensverwaltungssparten grundlegend umbauten, zeige, wie viel Druck im Kessel sei, sagte Schneider. Fitch rät den Gesellschaften dazu, mehr denn je auf globale Produkte mit einer geringen Schwankungsanfälligkeit zu setzen: etwa flexible Mischfonds oder Rentenfonds mit Multi-Strategie-Ansatz, die in verschiedene Länder, Währungen und Anleihetypen investieren. Inländische Aktien und Staatsanleihen seien jedenfalls kein Wachstumstreiber. Wer nicht über die Grösse punkten könne, der müsse sich als Nischenanbieter mit besonderer Expertise profilieren, wie es etwa die französischen Fonds-Boutiquen versuchten. Aber auch dies koste zunächst einmal Geld.
Konkrete Zahlen zur erwarteten Konsolidierung der Branche nannte Fitch nicht, wohl aber zum verwalteten Vermögen in Europa: Es liege seit fünf Jahren stabil bei rund 18 Billionen Dollar. In den vergangenen drei Jahren hätten nur 40 Prozent der Gesellschaften Mittelzuflüsse verbucht. Zwischen 75 und 80 Prozent der Zuflüsse hätten sich auf die besten zehn Manager der jeweiligen Anlageklasse konzentriert.
(APA/Reuters)





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