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Mittelstandsanleihen: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ - oder: Österreich ist eben anders   Facebook be



16.10.2012
 


Mit dem Auftauchen der Probleme beim zweitgrössten österreichischen Baukonzern, der im spanischen Besitz befindlichen Alpine, beginnt die Stimmung gen Corporate Bonds etwas zu kippen. Zumindest mehren sich die Stimmen, die Anleger vor so einem Engagement warnen. Wie so oft halt erst, wenn (vielleicht) etwas passiert ist - Stichwort Alpine.

Wilhelm Rasinger
etwa, Präsident des Interessenverbands der Anleger, konstatiert, dass Anleger durch die niedrigen Sparbuchzinsen frustriert und verwirrt sind, und gibt eine, wie er selbst sagt, Binsenweisheit des Kapitalmarktes zum besten: Es gibt keine Geschenke. Ein höherer Zinssatz ist vor allem durch ein höheres Risiko begründet - mehr unter http://bit.ly/

Was aber gleichzeitig immer eine relative Sache ist. Denn Fakt ist, dass ein hoher Zinskupon allein noch nichts aussagt, schon gar nicht über das dahinter steckende Risiko. So ist ein Zinskupon in Österreich mit einem in Deutschland nicht vergleichbar - ich schätze den hiesigen Abschlag grosso modo auf etwa zwei Prozentpunkte. Eine Tatsache, die wir beim Börse Express schon länger kritisieren. Doch natürlich haben weder die emittierenden Unternehmen, noch die emissionsbegleitenden Banken gesteigertes Interesse daran, dies zu ändern. Und für den österreichischen (Bond-)Anleger scheint so ein bisserl ein Spruch aus meiner Jugend zu stimmen: „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“.

Österreichische Unternehmen geniessen in dieser Beziehung einen nicht zu unterschätzenden Wettbewerbsvorteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Wenig Wunder, dass sich Alpine und Co ganz speziell an österreichische Geldgeber wenden. Ratings, so wird gern ins Spiel gebracht, seien auch nicht notwendig - kosten nur Cash, und gerade der Privatanleger könne damit ohnehin wenig anfangen bzw. verlange es einfach nicht. Nun, vielleicht ändert sich all das nun - Alpine, noch ist’s aber Gott sei Dank ohnehin nicht soweit, wäre nicht der erste Fall an Missinvestment für Anleiheinvestoren. Das Fiasko A-Tec sollte auch noch in frischer Erinnerung sein.
Zu den Kritikern der Mittelstandsanleihen gehört auch Börsen-Experte Max Otte - für ihn spiegeln die Zinskupons der Emittenten das Unternehmensrisiko nicht wider, sind durch die Geldschwemme der Notenbanken auf unnatürlich niedrige Niveaus gedrückt. Und da spricht Otte von deutschen Angeboten! - siehe auch http://bit.ly/ - Was, wenn er sich die nochmals tiefer verzinsten Austro-Angebote vornehmen würde?

Übrigens, sehr geehrte Fr. Ministerin Fekter. Nachdem dem Instrument Aktie mit der Kursgewinnbesteuerung bereits ein Bärendienst getan wurde, was in Kombination mit dem ultratiefen Sparbuchzinsniveau zu eben dem Run auf Corporates Bonds führte - wo bleibt in Österreich die ‘Bilanzpolizei’, die etwa bei Fällen wie Alpine einschreiten könnte, was durchaus vorbeugend wirken würde. Hat so eine Überprüfungsmöglichkeit nicht faktisch jeder Staat Europas? Aber da gilt wohl so wie beim Zinsniveau: Österreich ist anders.

(gill)


 
 

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