"Egal wie weit wir uns rauslehnen würden, es wird keine für den Kunden befriedigende Situation", meinte Peter Bosek, Vorstand der Erste Bank, gestern im Zusammenhang mit seiner Entscheidung, heuer am Weltspartag erstmals keine Sparangebote zu machen. Die Begründung: Es sei im Moment unerquicklich auf der Sparseite und das solle nicht mit einer Marketingaktion übertüncht werden. Löblich bzw. der Situation Rechnung tragend. Die Österreicher haben die Lage erkannt und sparen mit einer Quote zwischen sieben und acht Prozent weniger als früher.
Dieses Szenario könnte noch anhalten. Denn der Internationale Währungsfonds rät der Europäischen Zentralbank die Zinsen für die vorhersehbare Zukunft niedrig zu halten. Eventuell müsse sie die Zinsen wegen der Deflationsgefahr sogar weiter senken.
Wie soll der Anleger angesichts solcher Prognosen und der Null-Zinsen auf sicheren Sparbüchern und Geldmarktpapieren also reagieren. Die Strategen von AXA Investment Managers plädieren im derzeitigen Umfeld dafür, Unternehmensanleihen noch überzugewichten, weil die Risikoprämien aufgrund der entschlossenen Notenbankmassnahmen zurückgegangen sind. Da die Liquiditätsflut die Märkte weiter stützt, bleibe das Umfeld für risikobehaftete Wertpapiere günstig. Unternehmensanleihen haben für die Anlageexperten dabei das beste Risiko-Ertrags-Profil. Auch der jüngste Spreadanstieg ist nach Meinung des AXA-Strategieteams eher eine Folge der Unsicherheit in Europa als das Ergebnis von Zweifeln an der Kreditqualität der Emittenten. So bleibt das für Unternehmensanleihen bisher so hervorragende Jahr 2012 auch weiterhin ein solches.
Auch für die Allianz ist das gegenwärtige Marktumfeld besser als erwartet - vor allem wegen hoher Kapitalzuflüsse in die Investmentgesellschaft Pacific Investment Management Co. (Pimco) und ihre anderen Vermögensverwaltungsgeschäfte. Denn während Pimco - sie verwaltet den grössten Anleihefonds der Welt - von den sinkenden Zinsen profitiert, wird der Bereich Lebensversicherung davon belastet.
Für deutsche Lebensversicherer gibt es da nämlich die gesetzlich vorgeschriebene Zinszusatzreserve. 2011 musste sie erstmals gebildet werden und belief sich auf 1,5 Mrd. Euro. Grund war der gesunkene Referenzzins, der sich aus dem durchschnittlichen Zinssatz europäischer Staatsanleihen höchster Bonität über zehn Jahre berechnet. Dieser war auf 3,92 Prozent zurückgegangen. Dadurch laufen die Gesellschaften Gefahr, ihre Garantieversprechen von vier Prozent aus der zweiten Hälfte der neunziger Jahre langfristig nicht mehr erfüllen zu können. Schätzungen der Finanzaufsicht Bafin und Anlaysten zufolge könnten die Versicherer 2012 gezwungen sein, den Polster zu verdrei-, vielleicht sogar zu vervierfachen.
Hält das Zinstief an, drohen 2013 weitere Nachreservierungen. Dann könnte auch für Verträge mit 3,5 Prozent Garantiezins aus den 80er und 90er Jahren eine Zusatzreserve fällig werden. Für die Versicherer ist dies allerdings ein Ertrags- und kein Sicherheitsthema - für die Lebensversicherungskunden und Anleger auch. (cg)






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