Die deutsche Wirtschaft befindet sich nach Einschätzung von Bundesbankpräsident Jens Weidmann in einer soliden Verfassung, auch wenn die grösste Volkswirtschaft Europas in der zweiten Jahreshälfte 2012 nicht wachsen dürfte.
Die deutsche Wirtschaft sei “robust”, bekomme aber die Folgen des innereuropäischen Anpassungsprozesses immer stärker
zu spüren, sagte Weidmann am Freitag in Tokio. Auch die Unsicherheit im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum belaste. Für das zweite Halbjahr rechne die Bundesbank daher mit einer “konjunkturellen Seitwärtsbewegung”.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in dieser Woche seine Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt. Den Prognosen zufolge wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2013 um 0,9 Prozent steigen und damit dieselbe Wachstumsrate aufweisen wie 2012. Zuvor hatte der IWF für 2013 noch einen BIP-Anstieg um 1,4 Prozent erwartet.
Die Anzeichen für eine Wirtschaftsabschwächung in Deutschland haben zuletzt zugenommen. Der ifo- Geschäftsklimaindex war im September auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Jahren gefallen, und die Auftragseingänge und die Produktion im produzierenden Gewerbe gingen im August zurück.
Weidmann zufolge befindet sich die Weltwirtschaft zwar in einer schwierigen Lage, dies sei aber kein Grund für übertriebenen Pessimismus. Der Anpassungsprozess in Europa habe begonnen, stehe aber erst am Anfang, sagte der Bundesbankchef.
Die Regierungen im Euroraum sollten sich nach Aussage von Weidmann bei der Lösung der Schuldenkrise nicht auf die Europäische Zentralbank (EZB) verlassen. Es bereite ihm Sorgen, dass sich die Hoffnungen und Erwartungen der Politiker verstärkt auf die Zentralbanken richteten, erklärte Weidmann, der als Bundesbankpräsident im EZB-Rat sitzt. Geldpolitik sei kein Allheilmittel. Die EZB könne die Probleme nicht lösen, sondern nur im Rahmen ihres Mandats Liquidität zuführen. Die Ursachen der Krise müssten letztendlich von den Regierungen selbst beseitigt werden, sagte Weidmann.
bloomberg






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