Als Facebook am 1. Februar den Antrag für einen Börsengang bei der US-Börsenaufsicht einreichte, stellte sich das soziale Netzwerk im besten Licht dar. Unter anderem berief sich Facebook auf eine Studie des Marktforschers Nielsen, in der vermeintlich die Effizienz von
Werbung bei Freunden der Kunden belegt wurde.
Barbara Jacobs von der Securities and Exchange Commission (SEC) war skeptisch. Sie und ihre Mitarbeiter durchforsteten die Unterlagen, um zu gewährleisten, dass Facebook alles für potenzielle Investoren notwendige Material zur Verfügung gestellt hat. Bei der Studie hatte sie den Eindruck, dass es sich eher um Werbematerial handelte und nicht um eine tatsächliche Analyse von Nielsen.
Sie stellte Facebook-Finanzvorstand David Ebersman ein Ultimatum: Er solle die Studie vorlegen und belegen, dass Nielsen der Veröffentlichung zugestimmt habe, oder sie aus den Unterlagen herausnehmen. Nach einigem Widerstand wurden alle Hinweise auf die Studie aus den Unterlagen entfernt.
Der Vorfall ist nur einer von vielen im Verlauf der Korrespondenz zwischen SEC, Ebersman und der von Facebook engagierten Anwaltskanzlei Fenwick & West LLP, die sich über zweieinhalb Monate hinzog. Aus den Schreiben geht hervor, wie zögerlich das Management von Facebook Informationen preisgab und dass selbst bei elementaren Geschäftsbereichen wenige Wochen vor dem Börsengang nur gemutmaßt wurde. Viele der Bedenken, die von der SEC dabei geäußert wurden, sind mittlerweile zu Problemen für die Investoren geworden.
“Sie haben damals vor dem Börsengang einen Vertrauensbonus erhalten. Es wurde angenommen, dass sie bereit sind für die Hauptsendezeit”’, formuliert Michael Pachter, Managing Director bei Wedbush Securities Inc. “Das haben sie bis heute nicht bewiesen.”
Der Aktienkurs von Facebook zog am Donnerstag in New York um 0,6 Prozent auf 19,76 Dollar an. Verglichen mit dem Börseneinführungspreis Anfang Mai von 38 Dollar hat sich die Aktie damit im Wert fast halbiert.
Beim wichtigsten Punkt für die Zukunft von Facebook als börsennotiertes Unternehmen - bei der Frage, ob mit der rasant steigenden Zahl von Mobilfunk-Nutzern Geld verdient werden kann -hielt das Top-Management essenzielle Details zurück, bis die SEC den Druck so stark erhöhte, dass sie schließlich veröffentlich wurden. “Bitte erklären Sie uns, wie Sie zu dem Schluss gekommen sind, dass Ihre Messgrößen nicht übertrieben sind”, schrieb Jacobs am 22. März an das Unternehmen, nachdem sie festgestellt hatte, dass einige Mobilfunk-Nutzer doppelt gezählt worden waren.
Am 9. Mai, lediglich acht Tage vor dem IPO, gab Facebook bekannt, dass die Zahl der täglichen Mobilfunk-Nutzer stärker stieg als die Werbeeinnahmen. Dies belaste potenziell Umsatz und Gewinn, hieß es. Das war das deutlichste Signal, dass der Börsengang die hohen Erwartungen enttäuschen könnte.
“Unsere Skepsis im Hinblick auf einige ihrer Monetarisierungs-Methoden, ist immer mehr gewachsen”, sagt Richard Greenfield, ein Analyst bei BTIG Research, im Interview mit Bloomberg Television mit Blick auf die Probleme, Umsatz mit Mobilfunk-Nutzern zu erzielen.
Der Internetkonzern jedoch folgte seinem Kurs weiter und setzte den Börseneinführungspreis für die Aktie mit 38 Dollar am oberen Ende der Zeichnungsspanne fest. Ein geringeres Niveau hätte auf eine schwache Nachfrage hingedeutet, erfuhr Bloomberg News aus informierten Kreisen. Facebook wurde dadurch mit dem 107-fachen des Gewinns der vergangenen zwölf Monate bewertet - und war somit teurer als 99 Prozent der Unternehmen im Standard & Poor’s 500 Index. Die Börsenaufsicht hat bei der Festlegung
des Ausgabepreises nichts zu sagen.
Was anfangs als Börsengang des Jahrhunderts bezeichnet wurde, entwickelte sich zu einem Flop. Die Aktie brach bis zum 4. September auf ihr Allzeittief von 17,30 Dollar ein und verzeichnete eine der schlechtesten Entwicklungen bei großen US- Börseneinführungen, wie aus Bloomberg-Daten hervorgeht.
Darunter litten vor allem Kleinanleger, denen ein außergewöhnlich hoher Anteil der Aktien beim IPO zugeteilt
wurde. Viele institutionelle Investoren hatten sich in letzter Minute zurückgezogen. Facebook-Manager hatten Analysten von Wertpapierhäusern in privaten Anrufen wenige Tage vor dem Börsengang noch gewarnt, dass sie ihre Gewinn- und Umsatzprognosen reduzieren sollten.
“Es war von Anfang an klar, dass sich die Insider zurückzogen”, sagt Francis Gaskins, President von IPOdesktop.com, einer Analysefirma, die sich auf Börsengänge spezialisiert hat. “Sie wussten ganz genau, dass die bestenmWachstumsraten des Unternehmens hinter ihm lagen und die Aktie überbewertet war.”
Als das abgeänderte Emissionsprospekt schließlich am 16. Mai, einen Tag vor dem Börsengang, eingereicht wurde, hatte Facebook im Verlauf der vorangegangenen Wochen Mobilfunk-Daten und viele materielle Fakten, die von der SEC gefordert worden waren, aufgenommen.
Ashley Zandy, eine Sprecherin von Facebook, wollte zu diesem Artikel nicht Stellung nehmen.
bloomberg






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