Die Regierung in Athen prognostizierte für 2013 zuletzt einen Anstieg der Staatsverschuldung auf 179,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), weit entfernt von dem mit dem IWF vereinbarten Ziel, die Schulden bis 2020 auf 120 Prozent des BIP zu verringern.
So weit, so prekär. Aber nicht nur Schuldenabbau ist eine Bedingung für weitere Zahlungen aus dem Rettungspaket über 130 Mrd. Euro, sondern auch die Beschleunigung der Privatisierungen. Nach Monaten des Stillstands kündigte der griechische Ministerpräsident Antonis Samaras im Juli an, die Regierung wolle 28 Privatisierungen Priorität geben - darunter die der staatlichen Erdgas-, Wasser- und Wettgesellschaften. Auf der Verkaufsliste stünden auch Flughäfen, Jachthäfen sowie die staatliche Eisenbahn. Wegen Verzögerungen durch die Behörden werden heuer aber nur der Verkauf der staatlichen Lotterie sowie eines Gebäudes in der Hauptstadt Athen abgeschlossen. Von Analysten geschätzte Einnahmen zwischen 400 und 600 Millionen Euro für die Lotterielizenz stehen damit den von der Regierung geplanten 3,2 Milliarden Euro gegenüber. Der Verkauf der Energiekonzerne wird erst 2013 über die Bühne gehen und soll Griechenland neue Investitionen und mehr Arbeitsplätze bringen. Dies wünscht sich zumindest der neue Chef der Agentur für die Privatisierung griechischer Staatsunternehmen. Bis Ende 2015 will Takis Athanasopoulos 19 Milliarden Euro durch Privatisierungen einnehmen - und er ist zuversichtlich: „Wenn wir die Psychologie verändern können, könnte Griechenland ein El Dorado für Investoren werden.”, sagte er im Interview mit der Financial Times.
Für den Goldproduzenten Eldorado Gold ist es das jetzt schon. Das Unternehmen ist zwar ein kanadischer Goldminen-Konzern mit Sitz in Vancouver, doch durch die Übernahme von European Goldfields im Februar kauften sich die Kanadier im nördlichen Bereich der griechischen Halbinsel Chalkidiki Goldprojekte, die in den kommenden Jahren in Produktion gebracht werden sollen. „Eldorado beabsichtigt in den nächsten Jahren in Griechenland mehr als 1 Milliarde Dollar in neue Minen und die dazugehörige Infrastruktur zu investieren,“ skizzierte Eldorado-CEO Paul Wright seinen Plan. Drei neue Produktionsstätten sollen damit in Nordgriechenland eröffnet werden und ab 2015 mehr als 300.000 Unzen Gold pro Jahr fördern.
Auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Das EU-Parlament hat sich klar gegen den Goldabbau ausgesprochen. Umweltschützer kritisieren zudem die Fördermethode mit Zyanid, das in grossen Absetzbecken zurückbleibt und Boden sowie Gewässer vergiften könnte wie das Beispiel der rumänischen Stadt Baia Mare vor 12 Jahren zeigt. Dort war der Damm eines solchen Abwassersees gebrochen und die Giftflut hatte sich über die Felder und in die Flüsse ergossen.
Fraglich bleibt, ob damit die Psycholgie Griechenlands verändert wird - wenn die Minenprofite aus dem Land fliessen und der Dreck sowie die langfristigen Kosten der Umweltzerstörung bleiben. (cg)






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