Börse Express: Nach einem ersten Blick auf die Bilanz fahren Sie einen eher konservativen Kurs - sehen Sie das ähnlich?
Stefan Blaschak: Wir sind weitgehend schuldenfrei - wenn Sie das mit konservativ meinen, dann ja. Aber auch von der Struktur sind wir eher konservativ aufgestellt, oder beim Verständnis des Jobs und wie wir ihn ausüben möchten: Wir machen keine Ankündigungspolitik, die dann vielleicht nicht hält. Was wir versprechen, das liefern wir auch - dafür wollen wir stehen. Das ist auch eine Form des konservativ seins.
Börse Express: Nun haben Sie sich die Expansion im Ausland auf die Fahnen geheftet. Wie riskant ist das einzuschätzen? Immerhin treffen Sie da auf milliardenschwere Giganten wie Diageo oder Pernod Ricard, ohne den Schutz der Bekanntheit am Heimatmarkt.
Blaschak: Allgemein muss man sagen, dass es in Europa eine Entwicklung gibt, die als „flat“ zu bezeichnen ist. Dafür gibt es in unserem Geschäft aber bei Krisen auch keine grösseren Einbrüche. Beim Thema Wachstum redet eigentlich niemand mehr von Europa - Wachstum findet in den Schwellenländern statt. Märkte wie China, Indien und die Türkei wachsen mit zweistelligen Prozentraten. Und dort wollen wir jetzt verstärkt hingehen, nachdem wir Märkte wie China seit ein paar Jahren als reiner Exporteur kennen gelernt haben. Es ist also nicht so, dass wir bei Null anfangen. Ich glaube, dass wir im Windschatten der Grossen durchaus erfolgreich tätig sein können. Wir als Mittelständler können Sachen machen, die für die Giganten der Branche zu klein, einfach uninteressant sind.
Börse Express: Jetzt bin ich kein China-Spezialist. Aber kann man dort mit „Saurem Apfel“ etc. wirklich reüssieren?
Blaschak: Chinesen lieben süsse Spirituosen, Produkte mit dem Gütesiegel „Made in Germany“ - und Unternehmen, die alt sind. Uns gibt es seit mehr als 250 Jahren - das ist dort ein Asset.
Börse Express: Bisher ging der Export in grosse fremde Märkte vor allem über dort ansässige lokale Importeure und deren Distributionsnetz. Jetzt werden es mehr und mehr eigene Töchter, die tätig werden. Ist das jener Bereich, wo man sich die Butter aufs Brot holt? Auf der anderen Seite gibt es sicher mehr Risiko, ein Mehr an Working-Capital-Bedarf etc ...
Ralf Brühöfner: Aus rein finanztechnischer Perspektive ist der bisherige Status quo natürlich gut. Andererseits hat jeder Distributor auch eigene Interessen und kämpft nicht nur für uns, sondern für andere bei ihm gelistete Marken. Distributoren versuchen zudem oft auch über eine aggressive Preisgestaltung Absatz zu generieren. Dies schadet dem langfristigen Markenaufbau und daher wollen wir in diese Schiene nicht hinein, da kommt man nur sehr schwer wieder heraus. Wir bearbeiten etwa China aber auch künftig nicht allein und haben entsprechende Kooperationen mit einem der ganz grossen lokalen Distributoren getroffen.
Börse Express: Ist das an sich rein Wachstum um des Wachstums willen, oder sehen Sie da profitables Wachstum ...
Blaschak: Wir haben uns profitables Wachstum auf die Fahnen geheftet. Was auch schnell mit einem Zahlenbeispiel veranschaulicht werden kann: In Deutschland kostet eine Berentzen-Flasche im Supermarkt 6,49 Euro. In der Türkei sind es 15 bis 20 Euro, 19 in China und mehr als 20 in Indien. Unser Ziel ist, dass künftig jede zweite Spirituose aus dem Ausland nachgefragt wird.
Börse Express: Stichwort profitables Wachstum: 2011 erzielten Sie eine EBIT-Marge von 5,1 Prozent, 2010 waren es 6,6 Prozent. Welches Niveau peilen Sie an? Mehr als die 6,5% vom Zinskupon müssten es ja sein ...
Brühöfner: Mittelfristig streben wir 8 Prozent an.
Das komplette Interview finden Sie ab Montag, 8. Oktober, unter http://bit.ly/
(gill)






DNB
Vontobel
weiterlesen