Während der Goldpreis unaufhörlich weitersteigt und nur mehr sechs Prozent von seinem All-Time-High entfernt ist, steht der Betrieb in den grössten Bergwerken Südafrikas, dem einst wichtigsten Goldförderland der Welt, still. Mark Cutifani, Chef des Marktführers Anglo Gold Ashanti, zeichnete kürzlich ein düsteres Szenario: „Wir haben nicht viel Zeit, um eine Lösung zu finden, ansonsten werden viele Menschen ihre Arbeit verlieren, es wird viele Tränen geben.“ Südafrikas Bergbauindustrie wird seit Wochen von Streiks erschüttert, die sich von den Platinminen auf den Gold- und Kohlebergbau ausgeweitet haben. Sämtliche Minen von Anglo Gold in Südafrika werden bestreikt sowie zwei Bergwerke des zweitgrössten Förderers Gold Fields.
Während der Arbeitskampf für mehrere zehntausend Minenarbeiter existenzgefährdend werden kann - wenn 40 Prozent der Goldförderung blockiert sind, macht das dem Goldpreis Beine und dies wiederum den Goldanlegern Freude. Denn die Wahrscheinlichkeit, dass im Jahr 2012 die globale Goldfördermenge sinken könnte, ist nicht von der Hand zu weisen. Bereits in den ersten sechs Monaten blieb die globale Goldproduktion mit 1366 Tonnen nahezu unverändert, weil mehr als die Hälfte der zehn weltgrössten Goldproduzenten einen Rückgang der Produktion gemeldet hatten.
Aber die wilden Streiks und das wahrscheinlich geringere Goldangebot sind nicht der einzige Grund, warum der Unzenpreis nach einer mehrmonatigen Verschnaufpause nun wieder auf dem Weg nach oben ist. Übrigens erklimmt der Preis des wertvollen Metalls nicht nur in US-Dollar immer neue Höhen sondern hat diese Woche auch Rekordwerte in Euro, Schweizer Franken und Südafrikanischen Rand erreicht. Nach Einschätzung von Experten lenkt vor allem die massive Liquidität, die von den grossen Notenbanken in die Finanzmärkte gepumpt wird, den Griff der Investoren zum Edelmetall. Wenn Mario Draghi, Ben Bernanke und vielleicht auch die Notenbanken Japans und Grossbritanniens “zu allem bereit” sind, rückt die Inflationsangst wieder in den Mittelpunkt und eben Sachwerte wie Gold.
Noch sind es allerdings grösstenteils die vermögensstarken Anleger, wie Fonds und ein paar Milliardäre, die sich mit physischem Gold eindecken. Aber auch Normalsterbliche und kleine Sparer beginnen auf den fahrenden Zug aufzuspringen. So zeigt die neueste Studie von Postbank und Instutut für Demoskopie Allensbach, wie stark Misstrauen in das staatliche System und Vertrauen in Gold Hand in Hand gehen. Ganze 27 Prozent der Befragten sehen im Edelmetall eine renditeträchtige Anlageform für die Altersvorsorge. Damit rangiert Gold vor sämtlichen Zinsanlagen wie etwa Sparbriefen oder der steuerlich subventionierten Riester-Rente. Auch hierzulande ist das Interesse an Gold rasant gestiegen - zumindest seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Die letzte Umfrage von GfK-Austria beweist es: Nur sieben Prozent der befragten Anleger hatten 2007 Gold als "besonders interessantes" Investment bezeichnet. Im zweiten Quartal 2012 waren es bereits 24 Prozent. (cg)






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