„Wegen des China-Japan-Konflikts kommt es zu ersten Irritationen im Markt“
BE: Herr Maassen, die wirtschaftliche Lage hat sich seit dem letzten Interview (http://www.foonds.com/ ) stark geändert, die Konjunktur ist im Tiefflug, Stahlpreise und diverse Industriemetalle sind im Preis stark gefallen. Wie haben sich hier die Sondermetalle entwickelt, die ja teils auch für Legierungen mit Basismetallen benötigt werden?
Gunther Maassen: Auch bei den Strategischen Metallen sind die Preise unter Druck geraten, gerade in den letzten Tagen sehen wir jedoch auf breiter Front ein Erholung.
BE: Welches Sondermetall erzielte in den letzten 12 Monaten den höchsten Preiszuwachs und welches den stärksten Preisverfall?
Tellur hat wohl den größten Abschlag hinnehmen müssen und hat sich mehr als halbiert, hier steigen derzeit die Kurs jedoch wieder. Hier hat vor allem die Krise in der PV Industrie deutlich Spuren hinterlassen. Wolfram war einer der Gewinner mit mehr als 10 % Kursgewinnen.
BE: Hält das Interesse der Anleger an physischen Investments in Sondermetallen noch an oder ist dieser Trend abgeflaut? Oder spürt man etwa gar schon die steigende Inflationsangst?
Als industrieorientierter Handel fehlen uns hier genaue Daten. Wir glauben jedoch beobachten zu können, dass die Nachfrage eher steigt. Ob dies an Inflationserwartungen liegt, können wir nicht beurteilen. Nach wie vor hat man das Gefühl, dass die Menschen dem Bankensystem nicht trauen und auch von der Politik keine Lösungen erwarten. Sie weichen auf alternative Investitions-Möglichkeiten aus.
BE: Haben sich die Möglichkeiten der Anleger, auf einfache Weise Sondermetalle zu erwerben inzwischen verbessert, d.h. werden diese Produkte auch vermehrt von Anlageberatern empfohlen bzw. vermittelt? Gibt es inzwischen weitere Anbieter standardisierter Produkte, mit denen Sie zusammenarbeiten?
Es gibt standardisierte Produkte in Form von Warenkörben die Anleger erwerben können. Diese haben den Vorteil, dass Privatanleger auch mit kleineren Summen in verschiedene Metalle investieren können. So bietet die SMH Schweizerische Metallhandels AG einen Korb mit 3 und 2 Körbe mit je 6 Elementen an. Die Resonanz der Fachleute und der Fachpresse können sie sicherlich besser beurteilen als wir. (Anm: Interview mit SMH: http://www.foonds.com/ )
BE: Der physische Erwerb von Metallen ist ja für Anleger nicht sonderlich attraktiv, denn um Gewinne zu erzielen, muss erst einmal die Mehrwertsteuer und die Handelsspanne verdient werden, also 30 bis 40%. Werden Sondermetalle dennoch für die Lagerung zuhause gekauft, oder spielt der Kauf über Zollfreilager die größere Rolle?
Der Einkauf in Zollfreilägern spielt die weitaus größere Rolle. Hier spielt die MWST die entscheidende Rolle. Auch ist eine fachgerechte und sichere Lagerung in einem Privathaushalt nicht immer gewährleistet. Allerdings gibt es auch Anleger, die gerne das Material bei sich zu Hause im direkten Zugriff lagern möchten. Hierzu habe ich in meinem Buch „Strategische Metalle für Investoren“ zusammen mit meinem Kollegen Herrn Vaupel einiges geschrieben (Anm: Buchrezension: http://www.foonds.com/ ).
BE: Stimmt es, dass Waren nur in „Original-Produzentenverpackung“ wieder veräußerbar sind?
Dies ist nicht korrekt. Am Beispiel einer Indium Lieferung aus der VR China lässt es sich ganz gut erklären. Aus China kommen typischer weise 20 kg Holzkisten. Wenn dieses Material bei uns eintrifft, müssen wir die Kisten öffnen, um das Nettogewicht zu kontrollieren. Außerdem kann ich nur, wenn ich das Material aus der Box nehme, ein Muster für spätere Analysen entnehmen.
Aber in dem Augenblick, wenn ich eine Kiste öffne, ist es keine „Original Produzentenverpackung“, denn die ist per Definition nur gegeben, wenn die Verpackung nicht geöffnet wurde (meist am Siegel/Verplombung zu erkennen).
Das Fazit ist: Wer die Verpackung nicht öffnet, der kontrolliert sie auch nicht, und das möchten wir unseren Kunden nicht zumuten. Abgesehen davon haben wir sehr viele Kunden die auch „krumme“ Mengen wie 25 Kg kaufen, die müsste man dann ja gar nicht mehr beliefern dürfen. Keiner unserer Industriekunden legt Wert auf Original-Produzentenverpackung, jedoch alle legen großen Wert auf gewogenen und kontrollierte Ware
BE: Bei welchen Sondermetallen sehen Sie die ernstesten Engpässe und hat sich die Einschätzung im letzten Jahr verändert?
Im Prinzip hat sich nicht viel geändert. Nach wie vor sind Seltene Erden nicht selten und nur temporär verknappt. Für eine längerfristige Investition bieten sich verschiedene Elemente an, die man sich als Mischung anschauen sollte. Dass es immer wieder zu einzelnen Sonderbewegungen kommen kann, sieht man im drohenden Konflikt zwischen der VR China und Japan. Jetzt kommt es zu ersten Irritationen im Markt. Japanische Konzerne versuchen derzeit ihren Indium-Bedarf in Korea zu decken, das hat erste Auswirkungen auf die Preise. Auch in Europa und Nordamerika sind die Auswirkungen zu spüren. Vor allem physische kurzfristig verfügbare Ware ist derzeit gesucht. Die Preise haben sich um ca. 5 % nach oben bewegt und es werden weitere Anstiege vermutet. Hinzu kommen die Käufe der chinesischen Strategic Stockpiles die den Markt zusätzlich verknappen.
Ebenfalls deutlich zur Nervosität trägt die Tatsache bei, dass China vom 30.9. bis 7.10. das Mondfest feiert und somit nur mit Notbesatzungen gearbeitet wird. Die Abwesenheit des größten Marktteilnehmers kann entweder zu einer Schockstarre führen oder eben auch zu hektischen Kursausschlägen.
BE: Immer wieder werden die Manganknollen am Meeresgrund als potentielles Rohstofflager ins Gespräch gebracht. Halten Sie deren Exploration für realistisch und später einmal für ökonomisch attraktiv?
Die Tiefseeminen und auch das Absammeln von Manganknollen ist sicherlich technisch lösbar, aber zu den derzeitigen Marktpreisen wohl eher nicht durchführbar.
BE: Wie sieht die Situation in Bezug auf China aus? China versucht ja weiterhin, den Seltene Erden-Markt zu monopolisieren. Gibt es bei den Sondermetallen auch derartige Bestrebungen und Exportkürzungen wie bei Seltenen Erden?
Auch bei anderen Elementen versucht die Volksrepublik China ihre Marktmacht in ökonomischen Erfolg umzusetzen. Allerdings ist das bei den meisten Metallen deutlich schwerer.
BE: Sie wurden in Berlin in den Vorstand des Verbandes Deutscher Metallhändler (VDM) gewählt und sind nun als Mitglied des Vorstandes Sprecher für Strategische Sondermetalle und Ferrolegierungen. Welche Aufgaben sind konkret damit verbunden?
Meine Aufgabe ist es die Interessen der Mitgliedsunternehmen in diesem Bereich gegenüber der Politik und anderen Institutionen zu artikulieren und durchzusetzen. Wir sind Teil der Schnittstelle zwischen der Politik und der Industrie, wenn es um die Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft geht. Dies beinhaltet nicht nur den Import von Metallen sondern auch Themen wie Recycling und Umweltschutz. In acht Arbeitsgruppen werden die einzelnen Aspekte aufgearbeitet und Impulse gesetzt. Mein Schwerpunkt liegt auch hier im Ausschuß „Strategische Sondermetalle“, dem ich seit vielen Jahren vorstehe.
BE: Wie war das Interesse an Ihrem Buch "Strategische Metalle für Investoren"? Ist hier eventuell eine aktualisierte Auflage in Planung?
Das Buch läuft recht gut, und wir arbeiten derzeit an einer weiteren Ausgabe die dann auch in englischer Sprache publiziert werden soll.
BE: Herr Maassen, vielen Dank für das Interview!
Das Interview führte Christoph Rohrmoser
Bilder ( © Haines & Maassen):
oben: Niob
unten: großer Tiefsee-Manganknollen






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