Nach einigen Tagen Konsolidierung geben Gold und Silber wieder starke Lebenszeichen von sich. Gold gewann gestern 1,5%, Silber 2%. Auch in Euro legen die Kurse fast im gleichen Ausmaß zu, was dem Goldkurs in Euro mit 1377 ein neues Alltime-High beschert.
Die Inflationsangst treibt die Anleger wieder in Sachwerte. Auch Aktien werden derzeit stark empfohlen und es kursieren für den DAX Kursziele von 10.000 und mehr. Interessanter für den Goldanleger ist allerdings, ob die Aktien Gold outperformen oder nicht. Sollte also einerseits eine Neuinvestition lieber in Aktien oder doch noch in Gold getätigt werden?
Die steuerliche Situation spricht derzeit für physisches Gold
Bezieht man die steuerliche Situation mit ein, dann gibt es derzeit noch einen gewichtigen Vorteil für Gold: Kursgewinne bei physischem Gold sind nach einem Jahr Behaltedauer in Österreich als auch Deutschland steuerfrei, während bei Aktien 25% (in Deutschland noch etwas mehr) der Kursgewinne auf Nimmerwiedersehen dem Staat zufallen. In Deutschland rechnen aber einige Steuerexperten damit, dass nach der nächsten Bundestagswahl auf Gold einerseits beim Kauf Mehrwertsteuer (19%) erhoben werden könnte, andererseits die Spekulationsfrist von bisher einem Jahr verlängert oder gar fallen könnte, sodass Kursgewinne immer steuerpflichtig wären. Zudem stellt sich noch die Frage, ob dies auch rückwirkend eingeführt werden könnte. In Österreich stellt sich die Lage prinzipiell ähnlich dar.
Dow/Gold-Ratio
Der steuerliche Aspekt beantwortet aber noch nicht ausreichend, ob Gold oder Aktien attraktiver sein werden. Als Anhaltspunkt, wie teuer Gold in Relation zu Aktien ist, gilt die Dow/Gold (oder DAX/Gold)-Ratio. Hier kann man wenigstens auf Vergangenheitswerte zurückgreifen, was aber noch keine Gewähr ist, dass es wieder so kommt.
Die 100 Jahre zurückreichende Dow-Gold-Ratio bewegte sich in der Bandbreite von 1 bis 40. Derzeit liegt die Dow/Gold-Ratio bei rund 13500/1800, also 7,5.
Zwischen 1900 und 1920 lag das Verhältnis im Bereich 2,5 bis 5. In der 20er-Jahre-Hausse erreichte dieser Wert bis knapp vor dem Börsen-Crash 1929 rund 20, um danach wegen der Aktienkursverluste auf 2 zu fallen. Im Zuge der Aktienhausse in den 60er Jahren wurden Aktien in Relation zu Gold wieder so teuer, dass die Ratio Richtung 30 anstieg, um dann 1980, als Gold sein damaliges Höchst erreichte und Aktien deutlich korrigiert hatten, bis auf fast 1 zu fallen. Im Jahr 2000 war dann Gold in der Nähe seines damaligen Tiefstandes und Aktien hatten gerade geboomt, was die Dow-Gold-Ratio auf rund 40 emporklettern ließ. Seither fällt sie wieder und ist inzwischen bei 7,5 angelangt, wobei sie allerdings vor einem Jahr bereits auf 6 war (seither ist der Dow-Jones deutlich gestiegen).
DAX-Gold-Ratio
Die DAX-Gold-Ratio lag im Schnitt der letzten drei Jahrzehnte bei rund 8,5, im Zuge des Tech-Hyps um die Jahrtausendwende lag sie bei 27, und Anfang der 80er Jahre, als die Börsen am Boden und Gold im Hoch waren, bei unter 1. Aktuell liegt die DAX/Gold-Ratio bei 7300/1380, also 5,3.
Im Rahmen dieser Zahlen wäre eine weitere Outperformance der Aktien durch Gold nicht unmöglich, vor allem, solange Aktien nicht wegen der tollen wirtschaftlichen Entwicklung, sondern aufgrund von Inflationsangst (Katastrophenhausse) steigen. Würden Aktien dagegen wegen einer sehr guten Wirtschaftsentwicklung steigen (was meist auch steigende Zinsen zur Folge hat), wären die Aussichten für Gold in Relation zu Aktien schlecht. Nach einem derartigen Szenario sieht es aber derzeit eher nicht aus.
An Marc Fabers Aussage, die er vor einem Jahr tätigte, wird sich nicht viel geändert haben: Vergleiche man den Goldpreis mit dem weltweiten Anstieg der Geldbasis, sei Gold relativ billig, vergleiche man ihn mit der Qualität der Politiker, sei er gar "spottbillig".
(cr)






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