Rolf Ritter und Holger Rath, CEO und CFO bei BDT Media Automation nahmen sich im Rahmen ihrer Österreich-
Roadshow für ihre Anleihe-Emission Zeit für ein Gespräch mit dem BE.
Börse Express: Vielleicht eine kurze, plastische Erklärung, was BDT macht.
Rolf Ritter: Unser Hauptproblem ist, dass wir als OEM-Hersteller eigentlich nur bei unseren direkten Kunden einen Namen haben, obwohl wir uns mit Marktanteilen von teils zwei Drittel Weltmarktführer nennen können. Denn niemand, der einen Drucker bedient, weiss, dass etwa das System der Papierzufuhr von uns ist. Noch weiss der Mitarbeiter eines Rechenzentrums, dass die Automationsgeräte für die Langzeitspeicher-Geräte von uns sind. ‘BDT inside’ haben wir uns leider nicht schützen lassen (Anm. schmunzelt).
Börse Express: Speicherkapazitäten bzw. -notwendigkeiten sind ein rasch wachsendes Segment, Beispiel Cloud. Das Speichervolumen je Träger wächst aber auch – was ergibt das am Ende als Effekt für Sie?
Ritter: Die zu speichernden Daten verdoppeln sich in etwa jedes Jahr, die Technologie verdoppelt sich ungefähr alle 2,5 Jahre. Stichwort Cloud: Das bringt immer mehr Unternehmen in professionelle Datencenter. Dort ist man zur langfristigen Datensicherung gezwungen, was das Einzelunternehmen zuvor oft nicht tat. Das spielt uns in die Hände.
Börse Express: Drucker, etwa im Bürobereich, sind heute schon etwas wie ein Commodity - und grosse Druckmaschinenhersteller wie Heidelberg Druck stehen auf der Bremse – Wie ist da für Sie der Kostendruck?
Ritter: Aus dem Markt des Bürobereichs haben wir uns eigentlich bereits verabschiedet. Mit Commodity haben Sie recht, heute kann jeder Bürokopierer faktisch auch noch Scannen und Faxen. Da gibt es unter den Marken keine Unterschiede mehr, mit entsprechender Preisgestaltung.
Wir sind die High End-Version des Papierpfads, das gibt es nur noch in der professionellen Welt.
Im Media-Handling-Markt stehen wir vor grossen Veränderungen. Die Aufträge werden kleiner, die Anforderungen an den klassischen Offset-Druck grösser. Es wird zwar nicht in Summe weniger gedruckt, aber es verschiebt sich gen Digitaldruck. Daraus ergeben sich auch für die Material-, etwa Papierzufuhr, völlig neue Anforderungen. Unsere Antwort darauf ist die eben entwickelte Tornado-Technologie, wo wir das Anwendungspatent besitzen. Per abgeschlossenem Luftstrom wird jedes beliebige Material dem Druck zugeführt.
Börse Express: Für mich als Laien, was bringt das?
Ritter: Unter Ausschaltung der herkömmlichen, mechanischen, Papierzufuhr erhöhen wir die Geschwindigkeit, verhindern Papierstau und können eben beliebigste Materialien transportieren, ohne dass diese durch die Berührung mit mechanischen Teilen in Gefahr sind, beschädigt zu werden. Das ist bei nicht wenigen Verpackungen ein entscheidendes Kriterium. Ich sage: Tornado ist die Zukunft im professionellen Druck.
Börse Express: Sie erzielen einen Grossteil Ihrer Umsätze im Dollar-Raum. Nehmen Sie die FX-Entwicklung in Kauf oder wird abgesichert?
Holger Rath: Unsere weltweite Tätigkeit hat einen Vorteil: Wir sind von regionalen Konjunkturschwankungen nicht abhängig.
Zur FX-Abhängigkeit: Wir fakturieren unsere Verträge in US-Dollar und tätigen auch einen Grossteil der Einkäufe in US-Dollar bzw. dem Dollar-Raum – etwa über ein Werk in China. Da gibt es einen natürlichen Hedge. Das Netto-Exposure ist nicht grösser als zehn Prozent. Zusätzlich mildernd wirken Verträge mit Gleitpreisklauseln, wie wir sie etwa mit HP haben.
Börse Express: Sie erwähnten das Werk in China. Das wurde doch zuletzt verkauft?
Rath: Das waren wirtschaftliche Gründe zur Verbesserung des Cash Flows. Damit ändert sich nichts an unserem Einkauf dort: Wir haben zwar das Werk verkauft, können aber weiter auf Kapazitäten zugreifen, machen auch die Endmontage selbst. Die Kosten sinken aber, da der neue Werksbesitzer über zusätzliche Fremdaufträge die Fixkostenbasis senkt und einen Teil davon weitergibt. Zusätzlich ersparen wir uns die Lagerfinanzierungskosten.
Börse Express: Zur Anleihe: Sie wollen 30 Millionen emittieren und zahlen bei einer Laufzeit von 5 Jahren 8,125% an Zinskupon. Was planen Sie mit dem Geld, und wäre eine Bankfinanzierung nicht günstiger gewesen?
Rath: Die Hälfte soll in die Wachstumsfinanzierung für neue Produkte fliessen, zum Beispiel die Tornado-Technologie. Der Rest in die Refinanzierung des Mezzanin-Kapitals.
Zu Krediten: Angesichts von Basel III ist es für ein KMU nicht so leicht, Geld für eine Wachstumsfinanzierung von der Bank zu bekommen.
Das komplette Interview inkl. Fakts zur Firma und der Anleihe finden Sie unter http://bit.ly/






DNB
Vontobel
weiterlesen