Dieser Satz von Steffen Bukold, dem Chef des Hamburger Beratungs- und Informationsdienstes Energycomment, bezieht sich auf das derzeit brisante Verhältnis zwischen den Aussichten für die Weltwirtschaft und dem Ölpreis sowie auf den rasanten Preisverfall der vergangenen Tage.
Am Montagabend waren die Ölpreise aus bislang unbekannten Gründen um rund drei Dollar abgestürzt. Der im Börsenjargon sogenannte Flash Crash ereignete sich innerhalb weniger Minuten. Brent-Öl verbilligte sich um mehr als fünf Dollar auf 111,60 Dollar je Barrel. Ein Barrel der US-Sorte WTI rutschte zur selben Zeit auf unter 95 Dollar. Mittlerweile notieren die beiden Ölsorten um die 110 bzw. 93 Dollar.
Ähnlich wie beim Flash Crash von 2010 führten viele Händler den Ausverkauf auf ein Problem mit einem automatischen Computerhandelsprogramm zurück. Andere Beobachter wiesen dagegen darauf hin, dass die Kurse am Dienstag weiter sanken. "Wenn das ein Flash Crash ist, warum haben sich die Preise dann nicht erholt?", gab Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank der Nachrichtenagentur Dow Jones zu bedenken. Seiner Meinung nach habe der Ölmarkt möglicherweise nach monatelangem Anstieg eine Verschnaufpause benötigt.
Wie auch immer, in schwachen Wirtschaftsphasen wie derzeit sinkt erfahrungsgemäss der Ölverbrauch und die Gefahr eines Überangebots wächst. Unter diesem Aspekt könnte ein Bericht der Financial Times die Märkte in Bewegung gebracht haben. Demnach soll Saudi-Arabien Abnehmern in den USA, Europa und Asien zusätzliches Öl angeboten haben, um den Preis zu drücken. Ebenfalls am Mittwoch hatte sich Abdalla El-Badri, Generalsekretär der Organisation Erdölexportierender Länder (OPEC), wegen des hohen Ölpreises besorgt gezeigt. Die US-Regierung wollte sich nicht dazu äussern, ob ein gemeinsames Vorgehen mit den Saudis zur Dämpfung des Ölpreisanstiegs erörtert werde. Sie lobte nur das Bemühen Saudi-Arabiens, ein ausreichendes Angebot zu gewährleisten. In einer Pressemitteilung des Weissen Hauses hiess es, was den Ölpreis angehe, schliesse Präsident Obama keine mögliche Lösung aus, das gelte auch für eine Freigabe der strategischen Reserven.
Ob letzteres notwenig wird, scheint zumindest im Moment fragwürdig. Denn den USA steht das Öl bis zum Hals, wie die Daten zu den Lagerbeständen am Mittwoch gezeigt haben. Die Vorräte sind in der Vorwoche überraschend für die Analysten um 8,5 Mio. Barrel gestiegen, was ebenfalls die Angst vor einem Überangebot schürt. Wobei das Bild nicht eindeutig war, weil die Bestandszahlen noch immer von Hurrikan Isaac, der Anfang des Monats die Produktion am Golf vom Mexiko durcheinanderwirbelte, beeinflusst sind.
Wie schon öfter, ist auch die jetzige Konstellation heikel. Laut Bukold könnte schon ein leichtes Anziehen der Konjunktur die Ölpreise wieder nach oben katapultieren, ein Absturz der Weltwirtschaft aber neue Fördervorhaben überflüssig machen und längerfristig zur Energiekrise führen. (cg)






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