Die neue Chefin des Deutschen Aktieninstituts, Christine Bortenlänger, fordert die Abschaffung der Quartalsberichterstattung für mittelgroße und kleinere Unternehmungen, da dieser Aufwand vielen Unternehmen den Börsegang verleide. Auch die ständig zunehmende Regulierung bürde den Unternehmen zu viele Kosten auf. In Deutschland serbelt der gesamte Aktienmarkt seit dem Scheitern, aus der Deutschen Telekom eine Volksaktie zu machen, und dem Neuen Markt-Hype nur mehr lustlos dahin. Nur wenige Privatanleger sind in Aktien investiert, die Abgeltungsteuer macht wie in Österreich die Vermögenszuwachssteuer Aktienengagements wenig attraktiv. Neue Unternehmen gehen wegen der hohen Kosten einer Börsennotiz seit Jahren kaum mehr an die Börse.
Mit der Abschaffung der Quartalsberichterstattung würde ein wichtiger Schritt gesetzt, wie Bortenlänger richtig erkannt hat. Denn es hat sich längst gezeigt, dass Quartalsberichte für die Anleger wenig Nutzen bringen und für die Unternehmensentwicklung oft sogar – abgesehen von den Kosten, die auch die Aktionäre tragen – kontraproduktiv sind. Denn die längst zum Fetisch erklärten Quartalsergebnisse bewirken ein kurzfristiges Danken anstatt einer langfristigen Unternehmensstrategie und führen zudem zu erratischen Börsenbewegungen, weil die Anleger nur mehr darauf lauern, ob jetzt die Gewinnerwartungen um ein paar Prozent über- oder unterboten werden. Diese Erkenntnis ist eigentlich nichts Neues, bereits in den 90er Jahren, als auf Quartalsberichterstattung umgestellt wurde, um den anglo-amerikanischen Börsen nachzueifern, wurden genau diese Bedenken sowohl von Ökonomen als auch Managern vorgebracht. Wenn sich wirklich während der Zeit weltbewegende Unternehmensereignisse anbahnen, kann dies auch mit einer Ad-Hoc-Mitteilung den Aktionären und Interessenten mitgeteilt werden. Das pflichtgemäße Herunterspulen nichtssagender Quartalsberichte, nur weil ein Gesetz diesen Aufwand vorschreibt, bringt dagegen nichts, weder dem Unternehmen, noch dem Anleger.
(cr)
Interview mit Christine Bortenlänger in der FAZ: http://www.faz.net/






DNB
Vontobel
weiterlesen