Australien will sich dem europäischen Emissionshandel anschließen. Firmen können dadurch ab sofort europäische Zertifikate erwerben. Diese liegen aktuell bei knapp 10 $A und somit deutlich unter dem bisher für das Jahr 2015 vorgesehenen Mindestpreis von 15 $A. Die Regierung hat damit auf lauter werdende Kritik betroffener Unternehmen reagiert, die diesen Preis im internationalen Vergleich als zu hoch ansahen. Gleichzeitig stellt sie das Verfahren auf ein breiteres Fundament. 2015 wird Australien dem europäischen Emissionshandel ("Emmissions Trading Scheme - ETS") beitreten. Diese für viele überraschende Entscheidung gab der Minister für Klimawandel, Greg Combet, am 28.8.12 bekannt. Gleichzeitig bedeutet dies, dass die australische Regierung nicht mehr an dem bislang vorgesehenen Mindestpreis von 15 australischen Dollar ($A; etwa 12,40 Euro; 1 Euro = rund 1,21 $A) je Tonne ausgestoßenes CO2 ab dem Jahr 2015 festhält. Dieser galt bislang als unumstößlich. Die betroffenen Firmen können ab sofort Zertifikate in Europa kaufen und diese ab 2015 in Australien einsetzen.
Aktuell werden die Zertifikate in Europa mit rund 8 Euro gehandelt. Dies ist deutlich niedriger als der bislang in Australien vorgesehene Mindestpreis. Die international gehandelten Emissionsreduktionsgutschriften ("Certified Emmission Reductions - CER") sind sogar noch günstiger. Australische Firmen können ab 2015 ihren CO2-Ausstoß zu 12,5% mit CER verrechnen. Insgesamt darf der durch international gehandelte Verschmutzungsrechte (also CER plus EU-Zertifikate) abgedeckte Teil ihrer Emissionen allerdings 50% nicht überschreiten. Die australische Regierung vertritt nach wie vor die Auffassung, dass bis zum Jahr 2015 die Preise für die Zertifikate wieder deutlich höher liegen werden. Kritiker unterstellen ihr dabei Zweckoptimismus. Schließlich ist sie auf die Einnahmen aus dem Emissionshandel angewiesen, um ihren prognostizierten Haushaltsüberschuss zu erzielen. Die Budgetplanungen basieren weiter auf einem Preis von 29 $A je ausgestoßener Tonne CO2 im Jahr 2015. Unabhängige Beobachter sagen eher einen Preis von etwa 12 $A voraus. Bis dahin wird die Regierung an dem festen Preis von derzeit 23 $A festhalten.
Für die Entscheidung der Minderheitsregierung um Premierministerin Gillard, dem europäischen Handelssystem beizutreten, dürften zwei Gründe maßgeblich sein: Zum einen die lauter werdende Kritik betroffener Unternehmen an dem im internationalen Vergleich zu hohen Preis ab 2015. Da deren Konkurrenzfähigkeit ohnehin schon durch den starken australischen Dollar beeinträchtigt ist, wollte man diese Situation nicht noch verschärfen. Zum anderen möchte die Regierung den Emissionshandel in einem internationalen Vertragsgeflecht verankert wissen und es damit einer eventuellen Nachfolgeregierung schwerer machen das Verfahren wieder abzuschaffen. Ab Juli 2018 sollen die genauen Vereinbarungen zwischen der EU und Australien ausgehandelt sein, und der Handel in beide Richtungen beginnen. Erste Reaktionen von Unternehmen ließen nicht lange auf sich warten. So hat der Stromversorger Origin Energy bereits einen Tag nach Bekanntwerden des abgeschafften Mindestpreises seine geplanten Investitionen in Höhe von 133 Mio. $A in ein Aufforstungsprojekt gestrichen. Die Firma geht jetzt davon aus, dass die CO2-Kosten ab 2015 weiter fallen und sie dann günstiger die nötigen Verschmutzungsrechte erwerben kann.






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