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"Obama und der Aktienmarkt – eine Erfolgsstory wider Willen"   Facebook be



04.09.2012
 

Kommentar von Monika Rosen, Chefanalystin im Bank Austria Private Banking


Diese Woche findet in Charlotte, North Carolina, der Parteitag der Demokraten statt. Dabei wird erwartungsgemäss Barack Obama als demokratischer Kandidat für die kommende US Präsidentenwahl im November gekürt.

Zentrales Thema ist für beide Parteien in den USA derzeit die Wirtschaftslage und insbesondere die Lage am Arbeitsmarkt. Immerhin ist die Arbeitslosenrate in den USA immer noch hoch genug, um den Chef der US-Notenbank, Bernanke, dazu zu veranlassen, weitere geldpolitische Stimulierungsmassnahmen in Aussicht zu stellen. Gerade der Arbeitsmarkt bereite ihm ernsthafte Sorge, hat Bernanke zuletzt ausgeführt. Auch der Immobilienmarkt gibt noch wenig Anlass zur Freude, auch wenn sich dort zuletzt eine Stabilisierung breitgemacht hat.

Der absolute Lichtblick der ersten vier Jahre unter Obama ist ironischerweise der Aktienmarkt. Der Dow Jones hat seit dem Amtsantritt Obamas mehr als 60 % zugelegt, das ist die beste Performance für einen US-Präsidenten seit den 50-er Jahren! In der Vergangenheit haben derartige Zuwächse immer zu einem eindeutigen Sieg des Amtsinhabers bei der nächsten Wahl geführt.

Man möchte meinen, dass die Demokraten diese Tatsache als Wahlkampfslogan nutzen werden, doch davon ist nicht auszugehen. Einerseits hat Obama, quasi von Anfang an, den Finanzsektor und damit die Wall Street zu einer Art „Lieblingsgegner“ stilisiert. Ausserdem kam die grossartige Entwicklung der Aktienkurse in den letzten vier Jahren nur einer zahlenmässig sehr kleinen Schicht in den USA zugute. Die breite Masse der Amerikaner hat in den letzten Jahren bei den Pensionsplänen (401 K) massiv Aktien abgebaut. Damit ergibt sich das merkwürdige Phänomen, dass viele Kleinanleger (auch in den USA) aus dem Aktienmarkt geflohen sind, obwohl er nach oben schoss. Einige sprechen schon von der „bestgehassten Rallye aller Zeiten“ an der Wall Street.

Obama befindet sich jetzt, in der heissen Phase des Wahlkampfes, also in der ungewöhnlichen Lage, dass er einen grossen Trumpf – nämlich die ausgezeichnete Entwicklung der Aktienkurse – wohl kaum wird ausspielen können, ohne eine ganze Menge Erklärungen abliefern zu müssen. Und die Anleger? Nur wenige werden die gute Performance Obama selbst zuschreiben. Viel eher war und ist die lockere Geldpolitik der Fed als Motor der Rallye anzusehen. Und wenn man die jüngsten Aussagen von Bernanke heranzieht, dürfte sich an einer anhaltend lockeren US Geldpolitik wohl kaum so schnell etwas ändern.


 
 

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