Kommentar von Alexander Seibold, geschäftsführender Gesellschafter Dr. Seibold Capital GmbH
Über Jahrzehnte gab es in der Statistik der Gold-Reserven von Zentralbanken nur eine Richtung: Nach unten. Gold wurde in grossem Stil verkauft und gegen Devisen eingetauscht, das war lange Zeit ein wichtiger Grund für den fallenden Goldkurs. Doch in der Finanzkrise fand ganz offenbar ein Umdenken statt. Zunächst war es vor allem die russische Zentralbank, aber seit 2011 kaufen eine Reihe vor allen Dingen asiatischer und lateinamerikanischen Zentralbanken in grossem Stil Gold. Der Trend der Grafik (siehe unten) lässt sich auch 2012 fortführen. Alleine im 2. Quartal 2012 sind die Goldreserven der Zentralbanken um weitere 157 Tonnen gewachsen, vermeldet das World Gold Council.
Ich bin kein Gold-Fanatiker, auch bin ich überzeugt, dass ein Gold-Standard viele Probleme mit sich bringen würde. Allerdings zeigt diese Statistik meiner Meinung nach, wie gross die Unsicherheit auch bei Zentralbanken weltweit geworden ist. Gold ist und bleibt der ultimative Hedge gegen eine weltweite Währungskrise. Es besteht kein Zweifel, dass wir vor entscheidenden Wochen stehen, in welche Richtung sich die Krise entwickelt.
Noch stehen deutsche Politiker treu und fest zum Euro in seiner bisherigen Form. Weshalb dieser Treue so fest ist, kann unter anderem in der Statistik unten abgelesen werden. Innerhalb des Euro-Notenbankensystems hat die Bundesbank eine abenteuerliche Summe von 730 Milliarden Euro – rund 28 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung Deutschlands – an die Notenbanken vor allem südeuropäischer Staaten geliehen. Dies wird als Target2-Forderung bezeichnet. Warum? Sonst könnte die Italiener und Spanier keine deutschen Autos und Maschinen kaufen, die eigenen Einnahmen reichen dafür schon lange nicht mehr auf. Platzt der Euro, wären diese Bundesbankforderungen nach aller Wahrscheinlichkeit verloren.
Dass dieses „Weiter-so“ keine Lösung ist, haben wir an dieser Stelle schon öfter diskutiert. Der Druck im Kessel ist so gross, dass meiner Meinung nach auch Bundeskanzlerin Merkel nicht mehr den Deckel darauf halten kann. Die wahrscheinlichste Entwicklung wird sein, dass ein gigantisches EZB- Programm zwar den Druck auf den Staatsanleihen-Sektor nimmt, damit allerdings der Weg des Euro zur Weichwährung unwiderruflich zementiert ist. Das heisst, die Verteilung eines Portfolios auch auf Anlagen ausserhalb der Nominalwährung Euro wird weiter aktuell bleiben.






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