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Chinas "Subprime"-Pendant: Der "Goldene Elefant"   Facebook be



24.08.2012
 

Der Name - "Goldener Elefant Nr. 38" - klingt vielversprechend. Gilt doch der Elefant in vielen asiatischen Kulturen als Glücksbringer und Symbol für Stärke und Weisheit. Dieser spezielle Elefant soll seinen Besitzern vor allem eines bringen: satte Gewinne. Jährlich - so verspricht es der Verkaufsprospekt für das in China vertriebene Kapitalanlageprodukt - sollen 7,2 Prozent Rendite abfallen. Das ist viel - mehr als das Doppelte von dem, was einem chinesischer Sparer sonst für seine Einlagen zusteht.

Was der Prospekt nicht verrät: Hinter dem "Goldenen Elefanten" verbirgt sich ein fast leerstehender Wohnkomplex in einem der ärmsten chinesischen Landstriche; zwischen Reisfeldern am Ende einer Schotterpiste in der Stadt Taihe in der östlichen Provinz Jiangxi. "Die haben noch nicht mal eine anständige Strasse gebaut", schimpft Li Chun, ein Kfz-Mechaniker, der in dem besagten Komplex wohnt.

Der "Goldene Elefant Nr. 38" ist nur eines von Tausenden dieser vermögensbildenden Produkte, die bei betuchten Chinesen reissenden Absatz finden. Der Umsatz damit ist nach Angaben der chinesischen Vermögensberatung CN Benefit im ersten Halbjahr 2012 um mehr als 40 Prozent auf über zwölf Billionen Yuan (1.505 Mrd. Euro) explodiert. Experten warnen mittlerweile aber vor einer Blase, die Alarmzeichen mehren sich. Wie in den USA könnten Verluste mit solchen Produkten schnell die Märkte in Mitleidenschaft ziehen, sind sich Banker sicher.

Aufgesetzt werden diese Produkte meist von Chinas "Schattenbanken", wie die unregulierten Vermögensverwalter oft genannt werden. Seit der Öffnung Chinas ab 1979 entstanden, fahren sie inzwischen ein Fünftel des Neugeschäfts der Finanzbranche ein. Ihre ursprüngliche Mission: Die renditeträchtige Kreditvergabe an risikoreichere Unternehmen, die die Banken nicht bedienen wollten.

Das hat sich in den vergangenen Jahren aber drastisch geändert. Inzwischen arbeiten die Banken eng mit den Investmentgesellschaften zusammen. Ein typisches Geschäft funktioniert so: Die Bank leiht einer Provinzregierung Geld für ein Bauprojekt. Peking kontrolliert das Institut und verlangt, riskante Kredite loszuwerden. Daraufhin verkauft die Bank das Darlehen an die Investmentgesellschaft. Diese wiederum zerlegt den Kredit und kreiert daraus - teils unter Beimischung anderer Kredite - das sogenannte "Vermögensbildende Produkt". Über die Bank werden diese oft recht kurz laufenden Produkte dann mit hohen Renditeversprechen an Privatinvestoren weiterverkauft.

Markenzeichen dieser Fonds ist - ähnlich wie bei den US-Subprime-Anlagen, die ab 2007 einer der Auslöser der globalen Finanzkrise waren - eine undurchsichtige Struktur und die Abhängigkeit von riskanten Projekten; wie eben dem Wohnkomplex in Taihe. In den USA waren hochverzinste Hypothekenkredite zahlungsschwacher Kunden auf vergleichbare Weise zerlegt, neu gebündelt und als hochwertige Anlage - auch an institutionelle Abnehmer - verkauft worden.

Irgendwann blickten aber nicht einmal Experten mehr durch. Das System brach schliesslich zusammen, als Kreditnehmer ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen konnten und die Preise am Immobilienmarkt abrutschten. Weltweit gingen die Börsen in die Knie. Unzählige Banken kollabierten und mussten mit Steuergeldern gerettet werden, was viele Länder überforderte - und schliesslich in der Staatsschuldenkrise mündete.

Reuters hat mehr als 50 der chinesischen Anlageprodukte untersucht, die über das Internet oder in chinesischen Finanzinstituten vertrieben werden. Teilweise wurden die Verkäufer zum ersten Mal gefragt, wohin das Geld eigentlich fliesst. Und lediglich in zwei Fällen konnte diese Frage beantwortet werden.

Dabei ist die Industrie riesig: Nach Angaben der Kommission für Bankenregulierung sind mehr als 20.000 solcher Fonds-Produkte in China im Umlauf. Noch vor fünf Jahren waren es gerade einmal ein paar hundert. Die Aufseher sagen, dass neue Regulierungsvorschriften von Banken und Investmentgesellschaften mehr Transparenz verlangen würden. Produkte, die nicht spezifisch das ihnen zugrundeliegende Projekt erklären, seien unüblich. Eine erst im vergangenen Jahr erlassene Vorschrift verlange zudem Auskunft darüber, wie das eingesammelte Geld verwendet werde.

Nach fünf Jahren Goldgräberstimmung bei den Investmentgesellschaften zeichnet sich inzwischen Ärger ab - und sollte der weltweit zweitgrössten Volkswirtschaft ein ernstes Problem mit dem Sektor blühen, dürfte dies auch die Weltwirtschaft zu spüren bekommen. Die China Credit Trust Co, einer der landesweit grössten Vermögensverwalter, hat kürzlich erklärt, dass sein Fonds "Jinkai Nr. 1" von der Pleite bedroht ist. Zuvor hatte dieser Geld in den Energiekonzern Zhenfu gesteckt. Der Zhenfu-Chef soll seiner Firma 500 Millionen Yuan (78,7 Mio. USD) schulden, er wurde inzwischen verhaftet. Eine Pleite von "Jinkai Nr. 1" wäre nicht nur eine der grössten des Landes. Es wäre auch ein Testfall für die gesamte Branche.

"Einige Banken haben frische Mittel aus neuen Fonds für die Deckung von Verlusten alter Produkte genutzt", warnt David Cui, Stratege bei der Bank of America/Merrill Lynch. "Nach unserer Einschätzung ist das nichts anderes als ein Schneeball-System." Sollte die Branche keine frischen Gelder mehr anziehen, könnte es schnell zum Kollaps kommen. "Wenn die ersten Investoren Verluste mit diesen Produkten machen, kann das schnell zu Panik bei anderen Anlegern führen", sagt auch Mike Werner, Analyst bei Sanford Bernstein. "Dann könnten Investoren in Scharen aus den Fonds fliehen und der Markt würde austrocknen."

Die Gelder des "Goldenen Elefanten Nr. 38" gingen an Taihe CityConstruction, ein lokales staatliches Finanzierungsvehikel. Taihe CityConstruction hat mit den eingesammelten 50 Millionen Yuan wie versprochen einen Teil der Baukosten für den Wohnkomplex gedeckt. Viel mehr passierte nicht. "Den Bauern, die zuvor hier gelebt haben, wurden Wohnungen versprochen. Aber viele von ihnen haben immer noch gar nichts", klagt Anwohner Xiao Hongmei. Die Behörden liessen die Wohnungen bewusst leer stehen, vermutet Kfz-Mechaniker Li Chun. "Sie wollen die Wohnungen nur verkaufen, wenn sie dafür auch viel kassieren können."

(APA/Reuters)


 
 

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