“Kein Geld, keine Arbeit”, mit dieser einfachen aber bedeutungsvollen Drohung eines “rock drill operators” - eines derjenigen Arbeiter der südafrikanischen Platinmine Marikana, die die Gesteinsgewinnung unter Tage mit Bohrern vorantreiben - begann einer der blutigsten Arbeitskämpfe seit den Apartheidunruhen 1994.
44 Tote - unter ihnen auch zwei Polizisten -, mehr als 17.000 Unzen verloren gegangener Platinoutput seit Streikbeginn am 10. August und finanzielle Schwierigkeiten für Lonmin, dem Betreiberunternehmen der Marikana-Mine - das ist nur ein Teil der Konsequenzen der Unruhen. Denn so wichtig wie die Marikana-Mine für Lonmin ist - rund 96% der Platinproduktion Lonmins werden dort gefördert und laut den Experten von LBBW gibt es bei Lonmin keine aufgebauten Gesteinsreserven - ist Südafrikas 75%-Anteil an der Platinförderung für die Welt. Mit einem Unterschied: Weltweit gibt es Platinüberkapazitäten und eine wirtschaftskrisenbedingt schwache Automobilerzeugung mit negativen Folgen für den Platinbedarf für Katalaysatoren. Der Platinpreis ist jedenfalls seit der Vorwoche um über 10% gestiegen und bewegt sich mit aktuell 1547 US$ (Future Oktober 2012) auf das Maihoch zu.
Was Analysten und Marktbeobachter befürchteten, ist bereits eingetreten: Die Unzufriedenheit der Minenarbeiter - sie fordern mehr als eine Verdreifachung ihres 4000 Rand-Mindestlohnes (umgerechnet 1,30 Euro pro Tag) für eine der mühevollsten Minenarbeiten - beschränkt sich nicht nur auf Lonmin, die Nummer Drei in Südafrikas Platinindustrie. Sie hat schon auf andere Platinproduzenten in der erzreichen Umgebung von Rustenburg, dem Marikana-Standort, übergegriffen und könnte zu grösseren Platinlieferunterbrechungen in Südafrika führen. Weltmarktführer Anglo American Platinum berichtet über direkt an das Management gerichtete Lohnforderungen und bei einer Mine von Royal Bafokeng Platinum haben sich laut Polizeiangeben rund 1000 Bergleute versammelt und ebenfalls mehr Geld gefordert. Und die Unruhen sind auch nichts Neues: Bereits zu Beginn dieses Jahres war es bei einer Mine des grössten südafrikanischen Platinproduzenten Impala Platinum zu ähnlichen Vorfällen mit vier Toten und einem 120.000 Unzen Outputausfall während der sechs Wochen andauerden Unruhen gekommen.
Was für Aussenstehende nicht erkennbar ist, aber so mancher Insider vermutet - Grabenkämpfe zwischen der alteingesessenen Bergbaugewerkschaft National Miners Union (NUM) und ihrer militanten Abspaltung AMCU sind mitschuld am Gewaltausmass der Streiks. Und der Kampf könnte sich auf andere Bereiche des Bergbaus, Südafrikas Schlüsselindustrie, ausbreiten. Dann sehen Analysten von Sal Oppenheim allerdings weitreichendere Folgen: “Nicht nur der Ruf des Landes steht auf dem Spiel sondern auch das Wirtschaftswachstum dürfte in Mitleidenschaft gezogen werden.” Das könnte Investoren sogar veranlassen, sich generell von südafrikanischen Anlagen zu trennen. (cg)






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