Kommentar von Monika Rosen, Vice President Head of PB Research, Global Investment Strategy , Private Banking Division der Bank Austria
Vor etwas über einem Jahr, Anfang August 2011, hat Standard & Poor’s (S&P) den USA das AAA Rating für seine Staatsanleihen aberkannt. Die USA verfügen daher – zumindest bei der Ratingagentur S&P – nicht mehr über die Bestnote.
Dessen ungeachtet, haben US-Staatsanleihen seit der Abstufung, also seit gut 12 Monaten, mehr als 5 Prozent an Wert gewonnen. Als die Abstufung ausgesprochen wurde, lag die Rendite auf 10-jährige Treasuries bei 2,56 Prozent, Ende Juli 2012 erreichten die 10-jährigen US-Renditen ihr bisheriges Rekordtief von 1,38 Prozent.
Trotz der Abstufung durch S&P ist also die Nachfrage nach US-Staatsanleihen ungebrochen. Viele internationale Zentralbanken, aber auch die US-Notenbank Federal Reserve selbst, kaufen US-Anleihen und drücken damit die Renditen. Ausserdem werden wichtige Rohstoffe, wie z. B. Öl, in Dollar gehandelt, was ebenfalls für Nachfrage nach US-Papieren sorgt.
Für den US-Staatsanleihenmarkt spricht auch seine hohe Liquidität. Australien, das von S&P noch mit AAA bewertet wird, hat etwa 116 Mrd. Dollar an handelbaren Staatsanleihen. Für Kanada, das ebenfalls über die Bestnote AAA verfügt, beläuft sich der Wert auf ca. 400 Mrd. Dollar. Im Vergleich dazu umfasst der Markt für US-Staatsanleihen die schier unvorstellbare Grösse von 10.600 Mrd. Dollar (oder 10,6 Billionen).
Ausserdem profitieren die Treasuries wohl auch von der Euro-Schuldenkrise. Nicht wenige, vor allem internationale Anleger, haben ihre Engagements in Finanzinstrumenten der Eurozone deutlich reduziert, was im Gegenzug die Nachfrage nach US-Anlagen anheizt. Nicht nur US-Anleihen sind stark nachgefragt, auch amerikanische Aktien weisen ein deutlich höheres KGV auf als die Märkte der Eurozone.
Die Staatsanleihen der USA haben unter ihrer Herabstufung durch S&P vor einem Jahr nicht gelitten, im Gegenteil, die Renditen sind weiter gefallen, US-Staatstitel sind gesucht wie nie zuvor. Ein wichtiger Grund liegt vor allem in der Dominanz des Marktes für Treasuries. Kein anderes Land kann einen ähnlich liquiden Markt für Staatspapiere aufweisen wie die USA. Das alles soll aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass sich die USA über kurz oder lang dem Thema ihrer hohen Staatsverschuldung ebenfalls werden stellen müssen. Diese Debatte wird wohl erst im Zuge des US Wahlkampfes bzw. nach der Präsidentenwahl Anfang November verstärkt in den Fokus rücken.






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