Nun ist es offiziell. Was ohnehin jeder in der eigenen Tasche gespürt hat, aber von den Politikern meist penetrant geleugnet wurde, hat die Studie der UBS (European Weekly Economic Focus) eindrücklich belegt.
Österreicher sind die Top-Verlierer der Währungsunion
Die Österreicher sind die großen Verlierer der Währungsunion. Die Realeinkommen der Gutverdiener (oberstes Dezil, d.h. die obersten 10%) sind in den Jahren seit der Euroeinführung bis einschließlich 2010 um 10% gesunken, die der Schlechtverdiener (die beiden untersten Dezile) gar um rund 35%. Die mittleren Einkommen erlitten immer noch Einbußen von 30%. Dazu kommt noch, dass dies erst die halbe Wahrheit ist, denn die offiziellen Inflationsraten zeichnen ein beschönigendes Bild der Geldentwertung, auch wenn bei den tiefen Einkommen bei der Inflationskalkulation von der UBS nachgebessert wurde.
Auch unter den Verlierern: Italien
Verlierer sind auch die Deutschen, Iren, aber auch der Mittelstand in Italien und Frankreich. Bei den Italienern verloren überraschenderweise die mittleren bis höheren Einkommen 12 bis 15%, nur die Geringstverdiener profitierten mit 10% Kaufkraftgewinn. Bei Deutschland liegen die Einbußen relativ konstant über alle Bereiche bei 4 bis 9%.
Profitiert haben: Finnen, Spanier und vor allem: Griechen
Dagegen profitierten Portugiesen, Spanier und Griechen, aber auch die Finnen von der Euroeinführung. Bei den Finnen konnten die mittleren und höheren Einkommen ihre Kaufkraft um rund 20% verbessern, die tieferen Einkommen profitierten 11 bis 13%, die untersten um 6 bis 7%.
In Spanien profitierten vor allem die untersten Einkommen mit 20%, während mit zunehmender Höhe der Zuwachs gegen 15% schrumpfte und die Bestverdiener (oberstes Dezil) nur mit 10% profitierten.
Bei den Griechen legte die Kaufkraft der Geringverdiener um 40% zu, im 2. Dezil um 30%, ab dem die Zuwächse kontinuierlich gegen 20% (Bestverdiener) abnahmen.
Lohnzuwächse wie eh und je trotz tiefer Inflation, das konnte nicht gutgehen
Der Grund für die Kaufkraftgewinne ist bei den Südländern in der vor dem Euro-Beitritt noch höheren Inflation zu finden. Und genau hier liegt auch der Pferdefuß: Die Gehälter wuchsen dort trotz rückläufiger Inflation im gewohnten Ausmaß weiter, was zum immer schärfer zutage tretenden Verlust der Wettbewerbsfähigkeit führte.
Bezöge man noch das Jahr 2011 mit ein, würden die Reallohnzuwächse in den Südländern etwas geringer ausfallen, da es zuletzt zu deutlichen Korrekturen infolge der Massenarbeitslosigkeit kam.
Wer hat in den Verliererländern profitiert?
Profitiert haben in Österreich und Deutschland vor allem die Exportindustrien, die aber offensichtlich die höheren Gewinne nur in einem unzureichenden Ausmaß an die Arbeitnehmer weitergegeben haben. Auf diese Diskrepanz haben die Eurokritiker schon öfters hingewiesen. Der Exporterfolg ist bei den Gehaltsempfängern nicht angekommen! Allerdings wurde damit wenigstens eine weiterhin tiefe Arbeitslosigkeit erkauft.
Die Struktur der Einkommensverluste ist naturgemäß wieder Wasser auf die Mühlen der Umverteiler. Denn mit nur 10% Einkommenseinbußen haben die Bestverdiener in Österreich aus ihrer Sicht übermäßig profitiert, was zu korrigieren sei.
Die Methodik der Studie wird im übrigen von den offiziellen Statistikern angezweifelt. In ihren Berechnungen ist alles weniger schlimm. Auch der Bundeskanzler hat zur Studie seine Schlussfolgerungen: https://www.bundeskanzler.at/
Wer nun recht hat, mag jeder selbst am besten beurteilen, wenn er gerade einen Einkauf getätigt hat. Den Eindruck, mehr Geld in ihren Taschen zu haben als im Jahr 2000 dürften wohl nur wenige haben!
(cr)






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