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Hedgefonds kapitulieren, stoppen Wetten gegen Europa   Facebook be



14.08.2012
 

Hedgefonds, deren Investment-Entscheidungen auf Konjunkturtrends basieren, lösen zurzeit eilig ihre Wetten gegen europäische Aktien auf. Nachdem sie sich mit ihren pessimistischen Einschätzungen zum Teil deutlich in die Nesseln gesetzt haben, spekulieren nun immer mehr von ihnen darauf, dass Europas Entscheidungsträger ihre Massnahmen im Kampf gegen die Staatsschuldenkrise weiter verstärken werden.

Das Ausmass, in dem Makro-Hedgefonds dem Euro Stoxx 50 Index hinterher hinken, nimmt derzeit so stark ab wie seit 2009 nicht mehr, geht aus Daten von Bloomberg und JPMorgan Chase & Co. hervor. Das ist ein Anzeichen dafür, dass die Fondsmanager ihre Leerverkaufs-Aufträge auflösen und Aktien kaufen. Der Anteil der Aktien im Stoxx Europe 600 Index, die ausgeliehen sind - ein Indiz für Leerverkäufe - sank auf 2,9 Prozent, verglichen mit 3,4 Prozent im Mai, erklärte Markit mit Sitz in London.

Nach Ansicht von zuversichtlich gestimmten Marktteilnehmern ist der Kauf von Aktien durch Investoren, die sie zuvor Aktien geliehen und leer verkauft hatten, ein Zeichen dafür, dass die Rally in Europa anhalten wird. Rückenwird gibt dabei nicht zuletzt das Versprechen von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), den Euro zu verteidigen. Der Euro Stoxx 50 hat innerhalb von drei Wochen zwölf Prozent zugelegt und damit doppelt so stark wie der weltweit aufgestellte MSCI All-Country World Index. Die Entwicklung steht im Gegensatz zu den Prognosen, die ein Abrutschen der Wirtschaft im Euroraum in eine Rezession in Aussicht stellen.

“Die Makro-Hedgefonds haben als Gruppe die Entscheidungen vom Juni verschlafen, und angesichts der Aussicht auf Interventionen durch die Zentralbanken kapitulieren sie jetzt”, sagt Nikolaos Panigirtzoglou, Leiter für weltweite Portfolio- Strukturierung bei JPMorgan in London. Die US-Grossbank verwaltet ein Vermögen im Volumen von 2,3 Billionen Dollar. “Damit die Positionen aufgelöst werden, ist ein Auslöser notwendig. Und der Auslöser waren diese Nachrichten zum Kurs der Notenbanken.”

Zuletzt hatten sich Hedgefonds im April 2009 so schnell aus Leerverkäufen zurückgezogen - bevor der Stoxx 600 zu einer Rally um 35 Prozent ansetzte. Makro-Fonds haben in diesem Jahr nicht mit der Marktentwicklung Schritt gehalten. Als Gruppe haben sie bislang 0,1 Prozent zugelegt, die Aktienbenchmark MSCI World Index hat vergleichsweise 8,1 Prozent im gleichen Zeitraum an Wert gewonnen.

Der Euro Stoxx 50 kletterte in der vergangenen Woche um 2,1 Prozent, nachdem die Spekulationen zunahmen, dass Federal Reserve, EZB und die chinesische Notenbank weitere Massnahmen zur Wirtschaftsförderung ergreifen dürften. Der von Hedge Fund Research Inc. aufgestellte Hedge Fund Macro Index schloss hingegen die letzte Woche ohne Gewinne ab.

Investoren, die gegen Aktien gewettet haben, verbrannten sich in diesem Jahr zum Teil kräftig die Finger. Aktien von Aixtron SE in Herzogenrath, über Elekta AB aus Schweden und Logitech International SA aus der Schweiz, die zu den am stärksten leerverkauften im Stoxx 600 zählen, haben seit Januar mindestens zehn Prozent zugelegt. Für den Chip-Spezialisten Aixtron beispielsweise, bei dem zeitweise 26 Prozent aller Aktien leerverkauft waren, ging es sogar 25 Prozent aufwärts.

Solche Fehlentscheide haben mit dazu beigetragen, dass es Makro-Hedgefonds in diesem Jahr schwer haben, zu überzeugen. Louis Bacon von Moore Capital Management LLC kündigte in diesem Monat an, 2 Mrd. Dollar an Investoren zurückzugeben - das entspricht etwa einem Viertel des Anlagevolumens seines wichtigsten Hedgefonds. Dieser hatte bis Ende Juli lediglich 1,6 Prozent zugelegt. Ray Dalio verlor mit seinem 54 Mrd. Dollar schweren Marko-Hedgefonds bis zum 20. Juli sogar zwei Prozent, wie Investoren bestätigten. Alan Howard von Brevan Howard Asset Management LLP büsste mit seinem Master Fund 1,3 Prozent ein.

“Dieses Jahr stellt eine Herausforderung dar”, sagt Anthony Lawler, Portfolio-Manager bei der schweizerischen GAM Holding AG in London. “Die Entwicklung der Makrofonds war enttäuschend.”

Nach Ansicht von Navik Patel, dem leitenden Strategie-Analysten bei Aberdeen Asset Management in London, werden Massnahmen der Zentralbanken die Aktienkurse weiter unterstützen. Für Investoren mit Wetten auf eine Talfahrt steige dadurch das Risiko von Verlusten weiter. Draghi “hat letztendlich gesagt, dass die EZB einschreiten wird, wenn dies notwendig ist”, sagt Patel. “Das stellt wohl zumindest kurz- bis mittelfristig einen Boden dar.”

(Bloomberg)


 
 

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