Bargeld ist ein Übel wie die Pest, und am besten rottet man es an der Wurzel aus. Dies ist zumindest die Sicht der Finanzminister, denen Bargeld ein Dorn im Auge ist. Denn Bargeld ist Freiheit, es erlaubt seinem Besitzer, damit Waren oder Leistungen zu kaufen, ohne dass er seine Identität preisgibt und ihm irgendwer, sei es Staat, Werbewirtschaft oder Ehefrau/mann, hinterher schnüffeln kann. Wer Bargeld in größerem Umfang verwendet, muss etwas zu verbergen haben, lautet daher die Botschaft der Politik. Bargeld ist hochgradig intransparent, es hat kein „Mascherl“, man sieht es ihm nicht an, wie es erworben wurde, vielleicht gar aus Geschäften, wo Steuern vermieden wurden? Doch zum Glück gibt es immer gute Vorwände, um die Verwendung von Bargeld einzuschränken, Vorwände, die dem Normalbürger (das ist der, der nichts zu verbergen hat, weshalb ihn auch die Einschränkung der Freiheit nicht stört) einleuchten. Es sind dies Terrorbekämpfung und Geldwäsche. So ist es inzwischen bei den meisten Banken praktisch de facto unmöglich, selbst kleinere Beträge bar auf ein Konto bzw. per Erlagschein bar einzuzahlen, ohne einen Ausweis zu zücken. Dies ist zB einem Schweizer schwer zu erklären, denn dort ist es nach wie vor nicht unüblich, Rechnungen per Posterlagschein (so wie früher auch in Österreich) einfach bar zu bezahlen, ohne dass daraus eine Staatsaktion werden muss. Man gibt den Erlagschein samt dem Geldbetrag durch den Schalter, erhält Retourgeld und den abgestempelten Schein und der Fall ist erledigt.
In Italien ist man bereits einen Schritt weiter. Barzahlungen über 1000 Euro dürfen nicht mehr durchgeführt werden, wer also im Urlaub sein Hotel bar begleichen will, kann auf Schwierigkeiten stoßen (allerdings wird es wohl Mittel und Wege geben, das Problem durch geteilte Rechungen zu lösen).
Doch nicht nur Italien: Auch in Deutschland dürfen etwa Prepaid-Karten seit kurzem den Wert von 100 Euro nicht übersteigen, will man sie anonym erwerben. Noch krassere geplante Maßnahmen wie Geldwäschebeauftragte für alle Unternehmen ab 10 Mitarbeitern (der Amtsschimmel lässt grüßen) und generelle Identifikation von Kunden bei Käufen ab 1000 Euro wurden wieder fallengelassen.
Doch nun hat der deutsche Finanzminister Schäuble wieder einmal ein Schäufelchen nachgelegt. Er hat nämlich eine weitere Quelle des Bösen entdeckt: Die Online-Casinos. Schäuble muss es ja wissen: Online-Casinos dienen dazu, für kriminelle Organisationen Geld zu waschen. Das Dumme ist aber, dass die Casinos ihren Sitz nicht in Deutschland haben. Hier soll nun die EU zu Hilfe eilen und das Problem in Form einer Richtlinie zur Verschärfung der Geldwäscheüberwachung beseitigen.
Im übrigen gehören an Deutschlands Flughäfen Bargeldschnüffelhunde bereits zum Alltag, auch bei Inlandsflügen: Wer dann mit ein paar Tausend Euro vom Hund angesprungen wird, hat Erklärungsbedarf. Doch das ist erst der Anfang. Auch Goldbarkäufe bis 15.000 Euro werden bald wieder ins Visier der Bargeldabschaffer geraten.
Einzig positiver Aspekt: Auch die Parteienfinanzierung könnte ohne Bargeld schwieriger werden. Aber für Bargeld-Spenden ist Finanzminister Schäuble ohnehin bereits Experte, Stichwort: CDU-Spendenaffäre.
(cr)






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